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Jung sein ist ja nicht immer nur schön. Als wäre die Hormonflut und auch daraus resultierende Pickel nicht schon schlimm genug für einen Heranwachsenden, so meint der menschliche Hang zur Perfektion zudem auch noch alles am Menschen geradebiegen zu müssen. Wer körperlich mit dem heutigen Schönheitsbild nicht mithalten kann, soll mit Sport gut beraten sein. Aber was tun, wenn die Zähne nicht denen einer Hollywoodschönheit gleichen? In diesem Fall bleibt nur der Weg zum Kieferorthopäden, der einem dann vollends den Spaß am Jungsein verdirbt. Wer selbst als pubertierender Jugendlicher oder auch spät gestrafter Erwachsener dazu genötigt war, eine feste Zahnspange, im Volksmund auch als „Schneekette“ bekannt, zu tragen, wird den neuen Trend aus Amerika wohl eher nicht nachvollziehen können.
Musiker in Amerika tragen jetzt „Grillz“. Bekannte Musiker, wie P. Diddy, Usher, oder Marylin Manson tragen schon seit längerem ihr Kunstgebiss zur Schau. Eine Alternative zur Zahnspange sind „Grillz“ definitiv nicht, eher ein besonderes Accessoire. Die herausnehmbare Gebissplatte gibt es mittlerweile in mehreren Materialien, wie Chrom, Gold, Weißgold oder auch Platin. Der US-Sänger Paul Wall ist der bekannteste Verkäufer der recht eigenwilligen Zahnverkleidung. Ab 130 Euro für Ein-Zahn-Grillz kann jeder Interessent auf der Internetpräsenz seiner Firma Grillz in verschiedensten Materialien und Größen bestellen. Wer nicht allzu tief in die Tasche greifen will, findet auch in einem deutschen Internetversand das gewünschte Objekt. Allerdings sollte auch hier bedacht werden, dass ein billiges Material durchaus schädlich für den Körper sein kann. „Grillz“ in Einheitsgröße, so genannte „One-Size-Grillz“, sind zwar erschwinglich und genügen wohl für den Ottonormalverbraucher, dennoch sollten Kaufwillige besser ihren Zahnarzt oder Kieferorthopäden fragen.
„Ich stecke mein Geld da rein, wo mein Mund ist“, singt US-Rapper Nelly und bringt damit die amerikanische Zahnkultur deutlich zu Tage. Zahnkorrekturen, -aufhellungen oder ähnliches gehört in Amerika zur Standard Prozedur. Selbst Stars in Hollywood, wie Tom Cruise und Ben Affleck tragen Spange und schämen sich nicht in die Kameras zu lächeln. Schiefe Zähne bedeuten in Amerika nicht zwangsläufig den Untergang der Persönlichkeit. Wer Geld hat, wird sein Lächeln nicht hinter Metalldrähten verstecken, sondern eine Spange aus Saphir wählen. Die Kosten für solch eine Rundumverkleidung steigen nicht selten in den vierstelligen Bereich und höher.
In Deutschland ist die Standard-Spange natürlich noch genauso unbeliebt wie eh und je. Austauschbar ist sie trotz vieler Tränen in Zahnarztpraxen immer noch nicht. Während Amerikaner deutlich tief in die Tasche greifen wenn es um Zahnschutz oder -pflege geht, so genügen dem Deutschen durchaus die herkömmlichen Methoden. Somit werden sich deutsche Jugendliche mit ihrer Metalldrahtspange anfreunden müssen. Diese gibt es aber mittlerweile auch in allen erdenklichen Farben. Vielleicht kein strahlendes Lächeln, aber immerhin ein schöneres.
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