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Ausbau des Satellitensystems Galileo geht weiter


02.06.2008 (J. Wagner) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.gs-enduro.de

Das Satellitennavigationssystem Galileo scheint nun endlich die richtige Bahn gefunden zu haben. Am 8. April 2008 stimmte der Industrieausschuss des Europäischen Parlaments dem weiteren Ausbau des Projekts zu. Schon seit Jahren gibt es Probleme wegen der Finanzierung. Jetzt soll das System ausschließlich mit öffentlichen Haushaltsmitteln der Europäischen Union finanziert werden. Dazu werden 3,4 Milliarden Euro bis zum Jahr 2013 bereitgestellt.

Neben Dienstleistungen für Polizei- und Rettungsdienste soll Galileo vor allem Angebote für kommerzielle und private Nutzung bereithalten. Dabei handelt es sich um Positionsbestimmungen, Routenberechnungen und Notrufdienste. Des Weiteren ist die Beobachtung von Pflanzen und Tieren sowie von Schadstoffen in der Luft möglich.

Ähnliche Systeme besitzen bereits das amerikanische und das russische Verteidigungsministerium. Bei ersterem heißt es Global Positioning System (GPS) und bei letzterem schlicht Globales Navigations-Satelliten-System (GLONASS). Die Europäische Union will nun mit Galileo nicht bloß nachziehen, sondern auch übertreffen.

Einer der Unterschiede liegt vor allem darin, dass es sich bei dem europäischen Projekt um ein ziviles System handelt. GLONASS und GPS werden von der Armee kontrolliert. Dadurch ergibt sich für den privaten Nutzer eine geringere Genauigkeit. Die Generäle könnten etwas am System ändern, wodurch zum Beispiel Positionsbestimmungen nicht mehr korrekt sind. Bei Galileo hingegen sollen die Nutzer sofort informiert werden, falls etwas nicht mehr richtig funktioniert.

Zwei Testsatelliten befinden sich schon auf ihrem Weg um die Erde. Der erste, „Giove A“, war bereits am 28. Dezember 2005 gestartet. Am 27. April 2008 folgte dann „Giove B“. Bis 2013 sollen 30 Satelliten ins Weltall geschickt werden, welche die Erde dann in einer Höhe von 23.600 Kilometer umkreisen sollen.

Die Daten von mindestens vier Satelliten sind zur exakten Standortbestimmung notwendig. Drei davon übermitteln zu einer bestimmten Zeit ihre Ortspositionen an ein Empfangsgerät, das dadurch auf seine eigene Position schließen kann. Der vierte Satellit soll eventuelle Ungenauigkeiten bei der Zeitmessung ausgleichen. Dazu besitzt das gesamte System eine sogenannte Hochpräzisions-Wasserstoff-Masern-Atomuhr. Die Ortsbestimmung soll bis auf einen Meter genau erfolgen. Damit soll Galileo dem GPS Konkurrenz machen. Beide Systeme wären aber kompatibel miteinander.

Außerdem wurde von den EU-Verkehrsministern beschlossen, dass 40 Prozent des Auftragsvolumens an Zulieferer vergeben werden soll. Damit wird einer einseitigen Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen vorgebeugt. So hätten auch kleine und mittelständische Betriebe eine Chance. Daneben erhofft sich Deutschland Aufträge für einen Teil der Bodenkontrolle. Insgesamt wäre eine faire Aufteilung bei der Auftragsvergabe auf alle Mitgliedsstaaten der europäischen Union wünschenswert.



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