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Impfen: Nötiger Schutz oder unnötiger Gefährdung?


06.06.2008 (L. Haug) Kategorie: Gesundheit

Bild: www.welt.de

Eine Masernepidemie ist in Deutschland ausgebrochen. Eine Krankheit, die es seit Jahren gibt, geht seit April 2008 erneut umher. Der Virus kam aus der Schweiz und breitete sich durch Berufspendler und Urlauber aus. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO war es bis 2000 die Masern durch Impfprogramme auszurotten. Das Vorhaben wurde nun auf das Jahr 2010 ausgeweitet, da es immer wieder zu neuen Ausbrüchen kam. Es muss nun nach einer Lösung gesucht werden, wie die Regierungen auf den Erfolg hinarbeiten können.

Zum einen müssen sie gegen die Vernachlässigung vieler Eltern ankämpfen. Das Robert Koch-Institut berichtet, dass die erste der zwei notwendigen Impfungen noch 94,5 Prozent aller Schulkinder bekommen. Bei der zweiten fehle dann schon 25 Prozent der Jugendlichen.

Ein weiteres Problem sind die Impfgegner. Nahezu 5 Prozent der deutschen Bevölkerung lehnen Impfungen aus ideologischen Gründen ab. Sie sind alternativmedizinisch orientiert und argumentieren mit auftretenden Nebenwirkungen. Die Entwicklung der Impfstoffe ist heutzutage jedoch soweit fortgeschritten, dass Nebenwirkungen nur gering sind und sehr selten auftreten. Bei einer Impfreaktion sind das beispielsweise kurzzeitige Kopfschmerzen, Schwindel oder Spannungen. Bei einer Impfkomplikation äußert sich das in einer schwerwiegenderen gesundheitlichen Schädigung. Hier tritt die Krankheit, gegen die geimpft wurde, in kürzerer und abgeschwächter Form auf. Das Risiko, das eine Impfung mit sich bringt, ist jedoch vorher von dem entsprechenden Arzt aufzuklären. Eine weitere Argumentation, dass der Organismus von Säuglingen durch einen chemischen Cocktail überfordert wird, kann auch entkräftet werden. Heutzutage werden nur noch neun statt 3.500 Antigene geimpft.

Allgemein ist festzuhalten, dass laut vielen Ärzten Impfstoffe zu den best untersuchten Medikamenten gehören. Den Vorwürfen der Impfgegner ist gegenüberzustellen, dass jedes Kind ein Recht auf höchstmögliche Gesundheit hat. Die Eltern sind dafür verantwortlich und müssen sich um das Wohl ihrer Kinder kümmern. Die Verantwortung tragen sie aber auch gegenüber der Gesellschaft. Sind viele Kinder geimpft, ist es möglich, den Virus nach und nach zu einzudämmen.

Zu unterscheiden ist dabei die aktive und passive Impfung. Die aktive Immunisierung ist die Nachahmung einer Infektion. Sie ist dadurch charakterisiert, dass dem Körper Krankheitserreger in abgeschwächter Form zugeführt werden. Das Ziel ist es, dass ein körpereigener Schutz gegen sie aufgebaut wird. Das Immunsystem bildet so bei erneutem Kontakt mit dem Erreger Abwehrstoffe, die ihn vernichten und über Jahre erhalten bleiben. Der ganze Prozess dauert allerdings ein bis zwei Wochen bevor die Antikörper aktiv werden können.

Die passive Impfung wirkt dagegen sofort. Sie wird also bei einer schon vorhandenen Infektion angewandt, denn die fremden Antikörper, die gespritzt werden, bekämpfen die Krankheitserreger auf die schnellste Weise. Die Wirkung ist allerdings auf drei Monate beschränkt.

In Deutschland besteht keine Impfpflicht. Die ständige Impfkommission hat dennoch einen Impfkalender erstellt, der es für notwendig erachtet, Kinder ab dem dritten Monat zu impfen. Säuglinge sollten hier eine Grundimmunisierung erhalten. Das ist eine Mehrfachimpfung gegen Diphterie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B und Kinderlähmung. Nach und nach müssen dann einzelne Impfungen aufgefrischt werden. Ab dem zehnten Monat kann dann die nächste Immunisierung gegen Masern, Mumps und Röteln erfolgen. Wann eine Impfung vorzunehmen ist, hängt einzig von den Eltern ab. Zu beachten sind nur die jeweiligen zeitlichen Abstände, die eingehalten werden müssen.

Besonderheiten gibt es bei einer Reise ins Ausland. Ein Arzt sollte auf jeden Fall davor aufgesucht werden. Hier kommt es je nach Land und Region darauf an, welche Impfungen noch empfehlenswert sind. Nach Afrika besteht die Einreisemöglichkeit nur dann, wenn eine Gelbfieberimpfung vorliegt. Impfungen gegen Hepatitis A, Tollwut und Typhus können hier ebenfalls von Vorteil sein.

Zum Schluss noch ein kleiner Impfanreiz: Pocken sind seit 1977 ausgestorben. Es war eine der ersten Krankheiten gegen die es einen Impfstoff gab. Das ist dem Bekämpfungsprogramm der WHO zu verdanken. Das Erfolgserlebnis sollte auch in Bezug auf die Masern beachtet werden. Vielleicht lässt sich so doch noch der eine oder andere Impfgegner überzeugen.



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