|
Seit Ostermontag, den 24. März 2008 ist das olympische Feuer nun schon unterwegs. Es wurde in der antiken Stätte von Olympia für die Sommerspiele entzündet. Eine Woche darauf trat es von Peking aus seinen Staffellauf um die ganze Welt an und machte dabei in 134 Städten Halt. Eine „Reise der Harmonie“ – wie das offizielle Motto des Laufs verlauten lässt – war geplant. Doch aufgrund der menschenrechtsverletzenden Politik der Chinesen gegenüber Tibet machten sich schon bei der Auftaktveranstaltung im olympischen Stadion Proteste bemerkbar. Zwei Menschenrechtsaktivisten störten mit Schreien und schwarzen Fahnen die feierliche Zeremonie. Demonstrationen in Istanbul und St. Petersburg, sowie Tumulte in London folgten.
6. April: Über 2.000 Polizisten in Großbritannien gelingt es gerade noch die 1.000-köpfige Masse von Protestanten in Zaum halten. Vereinzelte Versuche das Feuer den Läufern zu entreißen oder mit einem Feuerlöscher zu ersticken misslingen dank des großen Aufgebots an Sicherheitskräften. Premierminister Gordon Brown empfängt die Träger des Feuers und lässt verlauten, dass Großbritannien die olympischen Spiele nicht boykottieren wird.
7. April: In Frankreich schlägt jeglicher Schutz fehl, das Feuer erlischt. Angeblich ein „technischer Fehler“, doch die Schuld liegt wohl eher an massiven Protesten. Die Fackelträger sind dazu gezwungen den Lauf abzubrechen und unter Polizeischutz in einem Bus den Weg durch Paris fortzuführen. Wenn es nach den Regeln ginge, müsste die Fackel in Olympia neu entfacht werden. Der Deutsche Olympische Sportbund hat aber noch eine Notlösung vorgesehen: Ein Fahrzeug begleitet den Fackellauf. Darin befindet sich in einem geschützten Behälter das eigentliche Olympische Feuer, an dem die Fackel unter gegebenen Umständen erneut entzündet werden darf. Das Feuer kann seine Reise direkt von Europa aus in die USA fortsetzen. Noch am selben Tag steigen die Amerikaner auf die Barrikaden. Tibet-Aktivisten erklettern die Golden Gate Bridge und hängen dort Solidaritätsbekundungen auf: „One world, one dream“ („Eine Welt, ein Traum“) – das Motto der Sommerspiele. Angesichts der Ereignisse in Tibet die pure Ironie in den Ohren von Menschenrechtsaktivisten.
9. April: Streng bewacht, auf geheimen Wegen, abseits von Rangeleien zwischen Fackellaufunterstützern und -gegnern, wird die Fackel zwei Tage darauf durch San Francisco getragen. Die Veranstalter kürzen die Route und leiten sie um, was die Zuschauer an der ursprünglich geplanten Strecke vergeblich warten lässt. Unter diesen Umständen bleibt das begeisterte Fest aus, die Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, in San Francisco erwartet hat.
Weitere Stationen wie Buenos Aires, Bangkok, Kuala Lumpur, und andere waren gewappnet: Massive Sicherheitsvorkehrungen und verkürzte Läufe in den Städten verhinderten Ausschreitungen Pariser Ausmaßes. Am 8. Mai erklomm das Feuer den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest. Im Juni steht Tibet als Anlaufort auf dem Programm. In einer auf der Internetseite der tibetischen Regierung veröffentlichen Erklärung ließ Zhang Qingli, der Chef der Kommunistischen Partei in Tibet, verlauten: „Die chinesische Regierung hält trotz der Proteste an der geplanten Route für den Fackellauf fest.“
8. August: Die Fackel soll ihr Ziel erreichen und zur Eröffnungsfeier in Peking gelangen. Davor passiert sie noch viele Stätten des olympischen Gastgeberlandes. Währenddessen werden in der Tageszeitung vermutlich noch weiterhin Nachrichten von Zwischenfällen auf der Fackelreise zu lesen sein. Im Mai zum Beispiel musste der Fackellauf für drei Tage unterbrochen werden: Dieses Mal war es jedoch kein menschliches Eingreifen, sondern ein Naturunglück, das Erdbeben in China.
|