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Rekordinflation in Simbabwe


09.06.2008 (A. Strehle) Kategorie: Welt

Bild: www.zeit.de

Der afrikanische Staat Simbabwe steckt seit langem in einer Krise. In dem Land, das einst als Kornkammer Afrikas bezeichnet wurde, hungern die Menschen. Die Wirtschaft liegt am Boden und die Inflation ist fast nicht mehr aufzuhalten. Über 80 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos. Hinzu kommen der Zusammenbruch des Gesundheitssystems und die hohe Verbreitung von Aids.

Am 15. Mai 2008 wurden erstmals Geldscheine mit einem Nennwert von 500 Millionen Simbabwe-Dollar eingeführt. Das sind umgerechnet 1,30 Euro. Davon kann die Bevölkerung gerade einmal zwei Brote bezahlen. Erst kürzlich waren 250-Millionen-Dollar-Banknoten von der Zentralbank in Umlauf gebracht worden. Mittlerweile tragen die Leute das Geld bündelweise mit sich zum Einkaufen. Um den Bauern beim Verkauf ihrer Ernte den Umgang mit dem Papiergeld zu erleichtern, wurden sogar Schecks im Wert von 5, 25 und 50 Milliarden Simbabwe-Dollar eingeführt.

Die Inflationsrate hat inzwischen einen neuen Rekordstand erreicht. Sie liegt nach offiziellen Angaben bei 165.000 Prozent und ist damit weltweit die höchste. Die Geldentwertung schreitet rasant voran, so dass die Zentralbank immer neue Banknoten bereit stellen muss, die wiederum die Inflation zusätzlich antreiben. Von der großen Nachfrage an Papiergeld profitiert das Münchner Unternehmen „Giesecke & Devrient“, das die Banknoten für Simbabwe druckt. Der Sunday Times zufolge belaufen sich die Einnahmen für den Auftrag auf 500.000 Euro pro Woche. Kritische Beobachter meinen, dass sich die Regierung Simbabwes einzig durch die Geldlieferungen aus Deutschland über Wasser halten könne.

Das Land wird seit 1980 von Präsident Robert Mugabe beherrscht, der über die Jahre ein zunehmend diktatorisches Regime aufbaute. Die Bevölkerung Simbabwes ist verängstigt. Korruption und Unterdrückung regieren das Land. Pressefreiheit gibt es schon lange nicht mehr, unliebsame Kritiker aus der Opposition werden zum Schweigen gebracht. Dennoch halten viele Robert Mugabe für einen Helden. Er war es nämlich, der das Land 1980 in die Unabhängigkeit führte und die weißen Farmer enteignete.

Bei den Präsidentschaftswahlen am 29. März 2008 war er erneut als Kandidat angetreten. Der 84-jährige Politiker ist entschlossen zum 6. Mal das Amt des Präsidenten einzunehmen und die Zügel bis zu seinem Tod in der Hand zu halten. Doch damit könnte es vielleicht bald aus sein. Denn den Sieg sicherte sich im März 2008 der Oppositionskandidat Morgan Tsvangirai. Da er allerdings die absolute Mehrheit verfehlte, wird es nun zu einer Stichwahl kommen. Bei einer solchen stehen die Chancen auf Ablösung Robert Mugabes an der Spitze nicht schlecht.



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