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Das Wort Tanktourismus ist seit Einführung der Ökosteuer in Deutschland in aller Munde. Tanktourismus selbst existiert aber schon eine Weile länger. Was aber versteht man eigentlich unter diesem Begriff?
Seit in Deutschland die Preise für Benzin aufgrund der nationalen Besteuerung sehr hoch sind und auch immer weiter steigen, nehmen viele Kraftfahrer einen Umweg in Kauf und fahren in das jeweils billigere Nachbarland um ihr Auto zu betanken.
Zwischen Deutschland und Österreich blüht der Tanktourismus bereits schon seit den Siebziger Jahren. Zum Nachweis des Tanktourismus wurde bereits damals der österreichische Kraftstoff eingefärbt und es wurden an der Grenze Proben aus den Tanks entnommen. Heute gilt, dass Privatpersonen zusätzlich zum vollen Tank nur einen Reservebehälter mit maximal 20 Litern Kraftstoff für den Eigenbedarf aus Österreich ausführen dürfen. Überschreitet man die Höchstmenge, ist beim Grenzübertritt die Mineralölsteuer fällig.
Der Tanktourismus zwischen Deutschland und Polen existiert eigentlich erst seit der Grenzöffnung 1998. Das Paradoxe an diesem Tanktourismus ist, dass fast alle polnischen Tankstellen ihr Benzin und ihr Diesel aus Deutschland beziehen. Die niedrigeren Preise hatten Vorwürfe der Panscherei und er Manipulation an den Zapfanlagen zur Folge. In deutschen Werkstätten wird der angeblich schlechte Treibstoff aus Polen oft als Ursache für Fahrzeugpannen genannt, der Wahrheitsgehalt ist dabei umstritten.
Fakt ist und bleibt aber, dass Tanken im Ausland oftmals billiger ist als das Tanken in der BRD. Die Benzinpreise vom Mai 2005 bestätigen das nur allzu deutlich: in Deutschland kostete das normale Benzin damals 1,18 Euro, in Österreich nur 1,00 Euro und in Polen sogar nur 0,92 Euro.
In Polen ist das Tanken diesen Monat sogar noch mal billiger geworden, der Staat senkte die Steuern um 25 Groschen, das sind umgerechnet etwa sieben Cent. Ob sich aber ein „kleiner“ Umweg lohnt um dort zu tanken sieht man an folgendem Rechenexempel:
Der Dieselfahrer tankt derzeit für 1,14 Euro in Deutschland, in Polen hingegen für 93 Cent. Tankt er fünfzig Liter plus 20 Liter im Kanister spart er 14,70 Euro. Doch Vorsicht ist geboten, denn immerhin schmälern die Kosten für Hin- und Rückfahrt noch den Gewinn.
Dennoch hat der Tanktourismus vor allem für den Staat gravierende Folgen, den Fiskus kostete er im vergangenen Jahr nach Expertenschätzung etwa 1,5 Milliarden Euro. Die Deutschen hätten 1,4 Milliarden Liter Benzin und 1,2 Milliarden Liter Diesel im Ausland gezapft, berichtete die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf den Mineralölwirtschaftsverband und die Unions-Bundestagsfraktion.
Die Universität Leipzig fand heraus, dass dem Staat jährlich 2,7 Milliarden Euro Steuereinnahmen durch das Tanken in grenznahen Gebieten fehlen. Aber auch für die Tankstellen in den Grenzregionen hat der Tanktourismus Konsequenzen; viele sind in ihrer Existenz bedroht und einige mussten bereits schließen.
Am Ende bleibt noch festzustellen, dass die deutschen Benzinpreise ohne Steuern im Vergleich zu den anderen EU-Staaten regelmäßig am unteren Ende der Preisskala liegen, mit Steuern zahlen die deutschen Kraftfahrer jedoch mehr als in den meisten EU-Staaten.
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