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Gazprom - Das Geschäft mit der Macht


15.06.2008 (B. Seberkste) Kategorie: Kultur

Bild: www.finrosforum.fi

„Gazprom – das Geschäft mit der Macht“ heißt das Buch, in dem die beiden russischen Journalisten Waleri Panjuschkin und Michail Sygar den größten Erdgasproduzenten der Welt genauer unter die Lupe nehmen. Sowohl die Gaskrise der Ukraine im Winter 2004 als auch die Karriere des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder werden in dem Buch beleuchtet. Erschienen ist es im Januar 2008 im Droemer-Knaur-Verlag in München. Dem Erscheinen des Buches widmete das ZDF eine Fernsehreportage, in der auch der Oppositionspolitiker Boris Nemzow zu Wort kam.

In der Zeit der Globalisierung scheint es mit Blick auf die Entwicklungen des Energiemarktes in den letzten Jahren von Vorteil, die großen Spieler auf der internationalen Bühne genauer zu kennen. Deutschland hängt beispielsweise schon zu 45 % vom Gasimport aus Russland ab – Tendenz in Zeiten eines erneuten Wirtschaftaufschwunges steigend. Zudem ist Gazprom der Hauptsponsor eines der traditionsreichsten Fußballvereine der Bundesrepublik, Schalke 04. Spätestens, wenn einem der weiße Schriftzug auf den blauen Trikots der Mannschaft entgegenprangt, sollte das Interesse an dem milliardenschweren Unternehmen geweckt sein.

Gekonnt führen die Autoren den Leser durch die für den Außenstehenden undurchsichtige Welt von Macht und Geld im Russland nach der Perestroika, der Umstrukturierung des wirtschaftlichen und politischen Systems in den 1990er Jahren. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht dabei, wie der Titel schon sagt, der Energiekonzern Gazprom. Dessen Strukturen eröffnen die Autoren dem Leser in ihrer Reise durch die vergangenen zwanzig Jahre. Die Politik, so scheint es, ist in Russland untrennbar mit dem Konzern verbunden. Der zukünftige russische Präsident Dmitri Anatoljewitsch Medwedew beispielsweise war bis zu seinem Amtsantritt im Mai 2008 Aufsichtsratsvorsitzender des Konzerns.

Im Zeitalter der Globalisierung beschränkt sich der Konzern nicht nur auf das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Sein Einflussbereich ist enorm gewachsen. So widmen die Journalisten auch dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder, jetzt Mitglied des Aufsichtsrates von Gazprom, ein Kapitel.

Besonders reizvoll macht das Werk, dass es sich nicht nur um eine Analyse aus der Ferne handelt. Vielmehr basiert die Untersuchung auf Interviews und Gesprächen mit ehemaligen Funktionären des Großkonzerns, wobei die Autoren auch zu Gasfeldern in entlegenen Gebieten der Russischen Föderation reisten. Die Informationen stammen also aus erster Hand – der Leser findet sich mitten im komplizierten Machtgefüge des Konzerns wieder. Auch mit Managern und liberalen Politikern trafen sich die Journalisten während ihrer Recherche, darunter auch der prominente Oppositionspolitiker Boris Nemzow. In einem Interview mit dem ZDF sagte er, Gazprom sei eines der korruptesten Unternehmen der Welt.

Den Autoren gelingt es, dem Leser eine Fülle von Informationen spannend zu vermitteln. Vor allem die wechselnden Machtkonstellationen im Kreml und die daraus resultierenden Veränderungen innerhalb des Konzerns werden von Waleri Panjuschkin und Michail Sygar fokussiert. Nicht zu verfolgende Finanzströme und Beteiligungen an dem undurchsichtigen Riesen bleiben aber auch in ihrem Werk dunkel.

Doch die Kritik der Journalisten ist nicht zu überhören. Das autoritäre Verhalten der Politkader prangern sie unmissverständlich an. Darüber hinaus werfen sie Fragen über die Sicherheit einer Energieversorgung durch ein undurchsichtiges Unternehmen wie Gazprom auf. Die Abhängigkeit Deutschlands von Gasimporten aus Russland ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Finnland bezieht 100 % seines Erdgasbedarfs aus der Föderation. In seinen Gasimporten ist der skandinavische Staat also vollkommen vom östlichen Nachbarn abhängig. Dass das eine bedenkliche Situation ist, versteht sich von selbst. Russland zögert nicht, das Gas als Instrument in Machtkämpfen einzusetzen. Das zeigte sich in der Folgezeit der politischen Umbrüche der Orangenen Revolution in der Ukraine 2005.

So warnen die Autoren Waleri Panjuschkin und Michail Sygar den Leser mit den Worten des ehemaligen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden des heutigen Gasmonopolisten, Wjatscheslaw Scheremet. Gas sei eine Waffe, sagte er. „Es brennt, es explodiert, und es kann Menschen ersticken.“

Waleri Panjuschkin und Michail Sygar
Droemer Knaur-Verlag, München 2008
304 Seiten, 17,00 Euro
ISBN 978-3426274521



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