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Aktive Sterbehilfe oder Sterbebegleitung?


16.06.2008 (J. Mikki) Kategorie: Panorama

Bild: www.bizeps.or.at

Diese Frage würde Roger Kusch wahrscheinlich mit ersterem beantworten. Roger Kusch, ein deutscher Politiker und ehemaliges Mitglied der CDU, ist ein Befürworter der Sterbehilfe. Er hat jetzt ein Gerät auf den Markt gebracht, das die passive Sterbehilfe erleichtern und Schwerkranken auch in Deutschland einen selbstgewählten Weg in den Tod ermöglichen soll.

Seit dem 1. April 2008 stellt der ehemalige Justizsenator seinen Giftautomaten für Schwerkranke vor und bekommt täglich neue Anfragen aus Deutschland, Großbritannien und Österreich. „Das Gerät ist ab sofort einsatzbreit“, wann und ob das Gerät überhaupt in den Umlauf kommt, steht wegen der starken Kritik allerdings noch nicht fest. Roger Kusch prüft im Moment nach eigener Aussage jeden Fall persönlich, um sicher zu gehen, dass der Patient wirklich sterbenskrank ist und sich ausreichend mit Alternativen zum Suizid befasst hat.

Funktion und Bereitstellung der Maschine

Der Kern der Maschine ist ein gewöhnliches Infusionsgerät, in das zwei Spritzen eingesetzt werden. Ein bereitwilliger Arzt muss vorab eine Kanüle in die Vene legen. Über einen Knopf kann dann der Patient selbst die Infusion starten. Zunächst wird ein Narkotikum injiziert, dann folgt das tödlich wirkende Kaliumchlorid. Bis beide Substanzen vollständig in den Blutkreislauf gelangt sind, dauert es ungefähr vier Minuten. Der Tod, so Roger Kusch, trete aber schon früher ein. Der Patient sei bereits nach wenigen Minuten bewusstlos.

Nach eigenen Angaben leistet Roger Kusch damit Beihilfe zum Suizid, was in Deutschland straflos sei, denn der Sterbewillige treffe ja mittels Knopfdruck die Entscheidung über Leben und Tod selbst. Für den ersten Patienten, der die Suizid-Maschine einsetzen möchte, ist die Bereitstellung kostenfrei. Wie viel das Gerät für die folgenden Patienten kosten wird, steht dagegen noch nicht fest. Zudem wird alles auf Video aufgezeichnet, um zu beweisen, dass der Patient den Knopf auch wirklich selbst gedrückt hat.

Reaktionen auf die „Tötungsmaschine“

Die Präsentation, bei der Roger Kusch das Narkosemittel mit Mineralwasser und das tödliche Kaliumchlorid mit Karottensaft veranschaulicht hat, löste bundesweit Proteste aus. Die Hamburger Ärztekammer äußerte scharfe Kritik. Ihr Präsident Frank Ulrich Montgomery machte deutlich, dass keine Tötungsmaschinen gebraucht werden, sondern eine palliativmedizinische Betreuung, das heißt eine Sterbebegleitung. In der Palliativmedizin bestehe zwar keine Chance mehr auf Heilung, aber sie nehme den Menschen am Ende ihres Lebens die Schmerzen und Ängste. Diese Stellungnahme lässt sich auch mit neuen Forschungsergebnissen vereinen. Patienten, die Medikamente gegen die Schmerzen und eine psychologische Betreuung erhalten, äußern in den seltensten Fällen einen Sterbewunsch.

Auch die Kirchen sind von der Tötungsmaschine schockiert. Für Kardinal Christoph Schönborn ist Sterbehilfe nach wie vor Mord. Bischof Wolfgang Huber verurteilt die Selbsttötungsvorrichtung ebenfalls. Egal ob gesund oder krank, jeder Mensch werde von Gott geliebt. Er sieht es als eine Aufgabe der Kirche, dem Menschen das christliche Bild von Gesundheit zu stärken, das den ganzen Menschen meine.

Kritik an der Maschine

Natürlich darf der Wunsch eines sterbenskranken Menschen, den ein Gesunder kaum nachvollziehen kann, nicht verunglimpft werden. Die Sehnsucht nach dem Tod ist in einigen Fällen durchaus berechtigt und ein gesunder Außenstehender ist nicht befugt, diesen Wunsch zu bewerten. Festzuhalten ist aber, dass es für diese Sehnsucht kein standardisiertes Verfahren geben darf. Solch eine Maschine standardisiert das Sterben jedoch. Es muss nur Roger Kusch angerufen werden und schon besteht die Möglichkeit, aus dem Leben zu scheiden. Die Krankheiten und die damit verbundenen Einzelschicksal können nicht mit einer Maschine aus der Welt geschafft werden.

Daher ist die eingangs gestellte Frage eigentlich nicht zu beantworten. Jeder Mensch reagiert in solch einer Extremsituation anders und deswegen hat jeder Patient auch eine individuelle Betreuung verdient. Der Schritt des persönlichen Gesprächs mit einem Psychologen wird bei der von Roger Kusch vorgestellten Maschine aber ausgeklammert. Natürlich ist der Wunsch von sterbenskranken Menschen in Würde und zum selbstgewählten Zeitpunkt zu sterben berechtigt. Trotzdem sollten vorher Gespräche, und zwar nicht nur am Telefon, geführt werden, um alle möglichen Alternativen gegenüber dem Freitod auszuschließen.



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