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„Sex and the City“ - Wiedersehen mit Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha


20.06.2008 (J. Mikki) Kategorie: Kultur

Bild: www.imdb.com

„Sex and the City“ ist Kult. Die Kleider, die die Hauptcharaktere Carrie (Sarah Jessica Parker), Charlotte (Kristin Davis), Miranda (Cynthia Nixon) und Samantha (Kim Catrall) in der Serie trugen, wurden zu den angesagtesten Kleidungsstücken der Modeszene. Knapp vier Jahre nach dem Ende der erfolgreichen Serie startete am 29. Mai 2008 der Film in den deutschen Kinos. Die Komödie „Sex and the City – Der Film“ („Sex and the City: The Movie“, USA 2008) legte unter den Komödien mit Altersbeschränkung (FSK zwölf Jahre) die beste Premiere aller Zeiten hin. Die Premierenwoche spielte 55,7 Millionen Dollar ein und verdrängte damit den vierten Teil von „Indiana Jones“ von Platz eins.

Nach sechs Jahren hat sich die Erfolgsserie im Jahr 2005 mit einem würdigen Ende von den Fernsehbildschirmen verabschiedet. Carrie hatte endlich ihren Traummann Mr. Big und Charlotte hatte ein adoptiertes Kind. Samantha und auch Miranda waren glücklich mit ihren Männern. Doch jetzt ist die erfolgreiche Kolumnistin Carrie wieder da – mit neuen Kleidern, neuen Schuhen und neuen Geschichten. Gleich zu Beginn erfährt der Zuschauer, warum junge Frauen, ähnlich wie einst die Journalistin, nach New York kommen, wegen den „zwei L: Labels und Liebe“. Mittlerweile sind Carrie und Co. in den Vierzigern und Bradshows neue Assistentin Louise, gespielt von Oscar-Preisträgerin Jennifer Hudson, verkörpert die jungen Frauen, die in New York auf der Suche nach Liebe und Glück sind.

Zum Inhalt nur so viel: Carrie und Mr. Big suchen eine Wohnung, Charlotte hofft endlich schwanger zu sein, Miranda holt der Ehealltag ein und Samantha wohnt mehr oder weniger glücklich in Los Angeles. Der Film wird der Serie in seinen 135 Minuten nicht immer gerecht. Die Kommentare von Carrie und ihren Freundinnen sind nicht mehr so bissig wie früher, die Protagonistinnen scheinen erwachsener geworden zu sein. Zudem fehlt das aus der Serie so vertraute Tippen am Laptop. Carrie schreibt ihre Kolumnen nicht mehr, sie ist jetzt erfolgreiche Buchautorin und daher fehlen auch die witzigen Kommentare, die zum Thema hinlenkten und zum Nachdenken anregten. Dennoch wird der Film Mode-Fanatiker und Fans der Serie und solche, die es werden wollen, bestens unterhalten.

Es ist nicht leicht, das weite Handlungsspektrum in einen Film zu packen. Der zeitliche Dimensionsraum einer Serie, mit dem die Geschehnisse von allen Seiten betrachtet werden können, fällt bei einem Kinofilm natürlich weg. Dadurch verliert die Handlung manchmal an Tiefe und Bedeutung. Es passiert nichts Unvorhersehbares, alles ist relativ durchschaubar. Für den Drehbuchautor und Regisseur Michael Patrick King, der mit dem Film sein Debüt auf der Kino-Leinwand gab, war der Erwartungsdruck vielleicht doch zu groß. Ab und zu ist es dem Film anzumerken, dass es sein erster Versuch war, sich auf der Leinwand zu profilieren. Dem Film fehlt es an der Frische, die die Serie ausgemacht hat. Einige Unterhaltungen wirken aufgesetzt und geradezu fantasielos. Dadurch ist Michael Patrick King seine Unsicherheit, die in der Serie nie zu beobachten war, anzumerken.

Für die Online-Ausgabe des Spiegel-Magazins waren die Serie und damit auch der Film immer eine große Modenschau. Wenn der Traummann unerreichbar war, sollten wenigstens die teuren Schuhe im Schrank stehen. Der Film werde auf seine Vermarktungsstrategien reduziert, die Frau sei nichts anderes als eine Ware. Der Redakteur Daniel Haas kommt letztendlich zu dem Schluss, dass die wahre Liebe kein Mann sein könne, sondern in Wirklichkeit nur „New York“ heiße. Dabei lässt der Autor außer Acht, dass der Film nur unterhalten möchte und keine Lebensweisheiten oder eine tief greifende Moral präsentieren will. Natürlich ist es für Normalverdiener unvorstellbar und wirkt sicherlich auch materialistisch, dass Samantha mit einem ganzen Kofferraum voll Chanel-, Gucci- und Louis-Vuitton-Einkaufstüten nach Hause fährt. Doch genau das macht den Film und auch die Serie aus. Die Zuschauerin will keinen Film, der sie belehrt, sondern einen, der sie träumen lässt: von Kleidern, Taschen, Luxusschuhen und Traumprinzen.

Ähnlich wie in der Online-Ausgabe des Spiegels bekommt der Film auch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung keine guten Kritiken. Die Journalistin Johanna Adorján schreibt, dass es sich um einen gut gemachten Film handele, in dem sich die männlichen Drehbuchschreiber darüber auslassen, wie sie sich Frauen vorstellen. Doch es gibt auch positive Meinungen. Die Autorin der Süddeutschen Zeitung, Rebecca Casati, kommt am Ende ihrer Rezension zu dem Schluss, dass „Sex and the City“ doch mehr ist als nur Schuhe kaufen, Werbung und Heiraten.

Die Kostüme jedoch sind fabelhaft wie eh und je. Die vier Hauptdarstellerinnen ziehen sich während des Films, so Kostümdesignerin Patricia Field, insgesamt mehr als 300 Mal um. Die Kleider, Accessoires und Kombinationen sind allesamt fantastisch. Vielleicht sind sie für den Normalsterblichen nicht unbedingt alltagstauglich und vor allem nicht bezahlbar, dennoch macht es Spaß, sie anzuschauen.

Einige kleine, aber keine wirklich großen Kritikpunkte machen den Film zu einer guten Unterhaltung für die Fans der Serie und solche, die es noch werden wollen. Denn auch wenn die Modebranche oberflächlich und konsumgesteuert sein mag, mit einem Satz spricht Carrie sicherlich vielen Frauen aus der Seele: „Ich mag mein Geld genau da, wo ich es sehen kann […] hängend in meinem Kleiderschrank.“

Trailer zum Film: wwws.warnerbros.de



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