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Am 24. Mai 2008 kämpften in Belgrad (Serbien) 25 Länder um den Sieg des 53. „European Song Contest“ („ESC“). Als Gewinner ging Russland mit Dima Bilans Ballade „Believe“ hervor. Den zweiten Platz belegte die Ukraine mit Sängerin „Ani Lorak“ und deren Titel „Shady Lady“. Dritter wurde Griechenland mit „Secret Combination“ der Gruppe „Kalomira“. Deutschland schaffte es mit dem Song „Dissapear“ der „No Angels“ nur auf Rang 23.
Mit dem 23. Platz können sich Sandy Mölling, Jessica Wahls, Lucy Diakowska und Nadja Benaissa, die vier Sängerinnen der „No Angels“, dennoch glücklich schätzen. Sie konnten immerhin am Finale teilnehmen und um die ersten 25 Ränge kämpfen. Von insgesamt 43 Teilnehmerländern schieden 18 schon zwei Tage zuvor im Halbfinale aus. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien als Hauptfinanzierer der Veranstaltung sowie Serbien als Gastgeberland durften ohne Vorentscheid in das Finale einziehen. Ganze 14 Punkte erzielten die „No Angels“, 12 davon erhielten sie dank Lucy Diakowskas bulgarischer Abstammung und ihrem dortigen Bekanntheitsgrad als Jurymitglied einer Popstars-Casting-Show von Bulgarien. Die anderen beiden Punkte vergab die Schweiz.
Ralph Siegel, der schon 18 deutsche Finaltitel komponiert hat und als deutsche Traditionsfigur des „ESC“ gilt, war Schöpfer von „Disappear“ der „No Angels“. Er hat es damit einmal mehr verpasst seine Zöglinge in „Nicoles“ Fußstapfen treten zu lassen. Sie gewann im Jahr 1982 mit dem ebenfalls von Ralph Siegel komponierten Schlager „Ein bisschen Frieden“ zum ersten Mal für Deutschland den „Grand Prix d’Eurovision“, der heute mittlerweile „European Song Contest“ heißt. Seitdem müssen sich die Deutschen mit den hinteren Plätzen begnügen. Ein Sieg kam nie wieder zustande.
Seit 1974 wirkt Ralph Siegel schon beim „Grand Prix d’Eurovision“ mit und kann sich trotz mehreren mäßigen Erfolgen nicht davon losreißen. Er hat immer noch die Hoffnung auf einen weiteren Erfolg. Im Gegensatz zur deutschen „Ralph-Siegel Tradition“ komponierte und textete Dima Bilan seinen Siegertitel selbst. „Timbaland“ (Timothy Z. Mosley), der viele große amerikanische Musikstars herausbringt, produzierte ihn. Doch nicht nur die Musik des russischen Sängers überzeugte. Auch seine ausgefallene Inszenierung begeisterte das Publikum. Er selbst und ein Geigenspieler standen in weißen Anzügen auf einer Eisbahn, während ein Eiskunstläufer seine Kreise um das Paar drehte.
Das Auftreten der „No Angels“ in knappen Kleidern mit tiefem Ausschnitt und wehendem Umhang kam weniger gut an. Dennoch fielen sie damit unter der Konkurrenz nicht aus der Reihe. Der Großteil setzte sich mit sexy Outfits und Showeffekten wie der Windmaschine und Lichtspielen in Szene. Andere versuchten es auf die originelle Art: Die Iren hatten eine Truthahn-Handpuppe mit dem Namen „Dustney“ dabei, die Letten schickten eine Piratenbande und Frankreichs Sänger trat mit Backgroundsängerinnen auf, die denselben Vollbart trugen wie er selbst. Sowohl gestalterisch als auch musikalisch handelte es sich um eine abwechslungsreiche, teilweise etwas atypische Darbietung (siehe die diesjährigen Auftritte von Irland, Lettland und Frankreich). Der ursprünglich als Schlagerwettbewerb konzipierte „Grand Prix d’Eurovision“ hat sich gewandelt: Heute sind Pop, Rock, Techno und klassische Balladen vertreten.
Deutschland hatte lange an der Schlagertradition festgehalten, in der Hoffnung noch einmal an „Nicoles“ Erfolg anzuschließen, die unschuldig in weißem hochgeschlossenen Kleid auf einem Barhocker von „Ein bisschen Frieden“ sang. Erst 1998, vor genau zehn Jahren, brach Guildo Horn mit diesem sittenstrengen Verhalten: „Piep, piep, piep, ich hab euch lieb“ trällerte er in lässiger Manier. Damit gelang ihm immerhin der 7. Platz. Er machte den „Grand Prix d’Eurovision“ für die jüngere Generation, nicht nur für alteingesessene Schlagerfans, interessant.
In den darauf folgenden Jahren kostete Deutschland das komplette Repertoire an unterschiedlichsten Musikrichtungen und Inszenierungen aus. Stefan Raab mit „Wadde hadde dudde da“ und die blinde Sängerin Corinna May scheiterten. Auch Max Mutzke (Stefan Raabs Zögling von „Stefan sucht den Super Grand Prix Star“ („SSDSGPS“)) und Olli Dietrichs Band „Texas Lightning“ ernteten keinen Erfolg beim „Grand Prix d’Eurovision“. Nun darf gespannt auf das nächste Jahr gewartet werden. Vielleicht setzt sich dann endlich mal wieder ein Deutscher mit einem Ralph-Siegel-Song oder gar einem selbst geschriebenen Lied beim „ESC“ durch.
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