|
Im Rahmen des UN-Umweltgipfels, der vom 19. bis zum 30. Mai 2008 in Bonn stattfand, veröffentlichte der „World Wide Fund for Nature“ (WWF) den „Living Planet Index 2008“, der 4.000 Populationen von 1.500 Arten untersucht. Das Projekt basiert auf der Analyse der weltweiten Arten, welche vom WWF in Kooperation mit der „Zoologischen Gesellschaft von London“ durchgeführt wurde. Der Bericht beschreibt einen 27-prozentigen Rückgang der biologischen Vielfalt auf der Erde seit 1970.
Der Eisbär, der im letzten Jahr zum Symbol des Klimawandels wurde, gilt demnach als vom Aussterben bedroht. Weltweit gibt es noch etwa 20.000 Exemplare. Der Hauptgrund liegt hier im Anstieg des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre. Das führt zum verstärkten Abschmelzen der Eismasse am Nordpol (seit 1980 um 40 Prozent). Die Folge ist die fortschreitende Reduktion des Lebensraums der Eisbären und der Robben, welche die Hauptnahrungsquelle des Eisbären sind. Ein weiterer Grund liegt darin, dass Eisbären erst mit sechs Jahren geschlechtsreif werden. Dieses Alter erreichen jedoch nur noch die wenigsten.
Weitere im Bericht erwähnte und vom Aussterben bedrohte Arten sind der Iberische Luchs, der Braunbär, das Europäische Bison und der Fischotter. Auch in Deutschland stehen bereits mehr als 70 Prozent der Biotope und eine Vielzahl von Arten auf der roten Liste.
Das Artensterben steht ohne Zweifel in direktem Zusammenhang mit der Verdopplung der Weltbevölkerung innerhalb der letzten 40 Jahre. Die Gründe für den rapiden Rückgang der Artenvielfalt liegen neben dem Klimawandel auch in der Zerstörung der natürlichen Lebensräume. Beispiele hierfür sind die rasante Entwaldung, die Überfischung und die steigende Nachfrage nach Rohstoffen, die in vielen Fällen eine Biotopvernichtung mit sich bringt. Weiterhin erfolgt eine zunehmend ungehinderte Versiegelung von Landschaften und die Umwandlung in bewirtschaftete Monokulturen sowie das unkontrollierte Bejagen oder Sammeln. Ein weiterer Grund für den Artenschwund ist die Veränderung der Umwelt durch Bebauung und Verschmutzung. Eine Vielzahl von Wildarten ist auf kleinste Populationsgrößen geschrumpft und wird in der Zukunft vom Aussterben bedroht sein.
Die Hauptziele des WWF haben sich dahingehend angepasst. Angestrebt sind die Erhaltung der Artenvielfalt, die nachhaltige Nutzung der Ressourcen und die Reduzierung der Umweltverschmutzung. Der WWF hat damit begonnen weltweit Waldflächen aufzubauen und seine bisherigen Bemühungen noch zu intensivieren. Verstärkt wird jetzt auf die Umsetzung der in der Politik verankerten Umweltschutzmaßnahmen geachtet. In einigen Fällen werden sogar umweltpolitische Ziele in die politischen Planungsprozesse eingebracht. Das Hauptziel liegt in allen Fällen darin, das Bewusstsein der Menschen für Umweltschutz zu wecken beziehungsweise zu steigern.
Für Deutschland fordert der WWF eine konsequentere Umsetzung der Umweltziele. Nur wenn der Artenschutz ständig auf der Agenda steht, kann weiteren negativen Folgen entgegengewirkt werden.
Um die biologische Vielfalt zu erhalten, hat Deutschland dem EU-Biodiversitätsziel 2010 zugestimmt. Das Biodiversitätsziel wurde 2002 in Johannesburg (Südafrika) von der internationalen Staatengemeinschaft verabschiedet und sieht eine beträchtliche Reduktion des Artensterbens in den nächsten Jahren vor. Nur durch die Schaffung von Naturschutzgebieten und nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen kann dem Artensterben in bestimmten Lebensräumen entgegengewirkt werden. Die von den Nationen beschlossenen politischen Instrumente sind thematische Arbeitsprogramme, der verstärkte Auf- und Ausbau von Schutzgebieten sowie Grundsätze, Prinzipien und Leitlinien zur nachhaltigen Nutzung.
Im Jahr 2000 wurde zusätzlich das Protokoll von Cartagena verabschiedet, welches als eigenständiges Rechtsinstrument die biologische Vielfalt gewährleisten soll. Auf nationaler Ebene wurden die verschiedensten Grundsatzbeschlüsse verabschiedet und Biodiversitätsstrategien entwickelt sowie Aktionspläne ausgearbeitet. Die WWF-Studie geht jedoch davon aus, dass Deutschland das Ziel nicht erreichen kann, wenn nicht bald enorme Anstrengungen unternommen werden. Nur die konsequente Umsetzung der Umweltziele kann das weltweite Artensterben eindämmen und die globale Vielfalt sichern.
Für den Jangtse-Flussdelfin und den Yunnan-Weißhandgibbon kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Sie sind in den letzten zwei Jahren unbemerkt ausgestorben. Der Chinesische Riesenpanda, der Tasmanische Teufel und der asiatische Tiger stehen kurz davor. Welche Tiere es als nächstes treffen wird, hängt von den Schutzmaßnahmen der jeweiligen Nationen ab. Christoph Heinrich, Leiter des Naturschutzes beim WWF Deutschland ist sich jedoch sicher: „Das globale Tier- und Pflanzensterben geht weiter.“ Die Zukunft wird zeigen, wie weit.
|