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Kinder als Karrierekiller?


02.07.2008 (C. Nurtsch) Kategorie: Wirtschaft

Bild: www.wiwo.de

Die Deutschen sterben aus! Was anmutet wie der Titel eines Apokalypse-Films, beschreibt die Realität der deutschen Gesellschaft. Bereits seit 30 Jahren befindet sich die Geburtenziffer unter dem bestandserhaltenden Niveau. Wurden 1950 in Ost- und Westdeutschland zusammen noch über 1,1 Millionen Kinder geboren, sind es 2006 nur noch 670.000. Auf eine Frau kommen durchschnittlich gerade einmal 1,3 Kinder. Damit hat Deutschland eine der niedrigsten Geburtenraten in Europa. Im weltweiten Vergleich belegt es den 181. von insgesamt 192 Plätzen. Durch den demographischen Wandel erhält die Alterspyramide mehr und mehr ein pilzartiges Profil.

Kinder oder Karriere? Besonders die qualifizierte Frau muss sich entscheiden, denn beides miteinander zu vereinbaren scheint so gut wie unmöglich zu sein. Gerade dann, wenn die Gemeinschaft von Mann und Frau nicht nach dem traditionellen Muster verlaufen soll, nach welchem der Mann arbeiten geht und die Frau sich um Kinder sowie Haushalt kümmert. In diesem Fall fällt die Entscheidung der Frau meistens auf die Karriere. Das bestätigt auch das Ergebnis der Mitte Mai 2008 in Berlin veröffentlichten Studie der Bertelsmannstiftung. Hiernach hält knapp die Hälfte aller Bundesbürger Kinder und Karriere für nicht miteinander vereinbar und Kinder damit für Karrierekiller. Außerdem gab ein Drittel der Befragten an, der Arbeitgeber habe Zweifel an weiterer Leistungsbereitschaft nach der Geburt des Kindes geäußert. Frauen ziehen daraus ihre Konsequenzen. Damit sind die Adenauer-Tage, in denen, mit den Worten des ersten Bundeskanzlers, „die Leute Kinder von alleine kriegen“, vorbei. Heute entscheiden sich Paare für Kinder, wenn es sich für sie lohnt. Das tut es, wenn die Opportunitätskosten, das heißt, das in der Zeit der Kindererziehung entfallende Einkommen, gering sind. Versagt die Politik, sich den neuen Anforderungen anzupassen, bleiben Kinder aus.

Bei Betrachten der öffentlichen Ausgaben der Regierung für Familien ist Deutschland jedoch keineswegs ein familien- oder kinderfeindliches Land. Es liegt hierbei im vorderen Drittel der 30 Mitgliedstaaten der „Organisation für wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD). Wieso aber bleiben dann die deutschen Spielplätze leer, während die europäischen Nachbarländer sich keine Sorgen um die zukünftige Stütze ihrer Gesellschaft und Wirtschaft machen müssen? Der Grund dafür ist, dass sich die deutsche Familienpolitik auf Transferkosten fixiert hat. Sie hat damit den Schwerpunkt auf Geldleistungen wie Erziehungsgeld, Kindergeld und Steuervergünstigungen gelegt. Der Ausbau der Infrastruktur wie Erziehung, Bildung und Betreuung – gerade auch von Kindern unter drei Jahren – bleibt jedoch aus. Diese Politik ist besonders für gut verdienende Paare nicht attraktiv, was die letzen Jahre gezeigt haben.

Die Lösung des Problems liegt in der Verbesserung der Rahmenbedingungen berufstätiger Eltern. So wäre die Verringerung der Opportunitätskosten durch eine relativ gut bezahlte, vergleichsweise kurze Elternzeit zu erreichen. Der Ausbau qualitativer Kinderbetreuung, gerade auch für Kleinkinder, würde das neue Modell unterstützen. Schweden ist ein Beispiel, bei dem sich diese Familienpolitik bewährt hat. Familienministerin Ursula von der Leyen hat das erkannt und seit Beginn ihrer Amtszeit auf die Familie gesetzt – auf die Unterstützung der Akademiker- und der Großfamilien. Nun unterstützt sie in Kooperation mit der Bertelsmannstiftung das Modell des sogenannten „Doppelkarrierepaars“, bei der sich beide Partner sowohl im Beruf als auch zu Hause wohlfühlen. Ihre Reformen streben sowohl Familienfreundlichkeit als auch Chancengleichheit im Beruf an. Damit unterstützt die Politik den Trend des modernen Rollenverständnisses, so dass es Paaren möglich ist, eine Balance zwischen Familie und Erwerbstätigkeit zu halten.



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