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Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) veröffentlichte im Mai 2008 eine Studie, der zufolge deutsche Politiker bei der Wahl ihrer Dienstwagen den Umweltaspekt missachten. Sie fahren Audi, Mercedes-Benz oder BMW. Oberklasse-Limousinen dieser Art weisen einen Kraftstoffverbrauch von 8 bis 11 Liter pro 100 Kilometer auf und stoßen dabei im Schnitt 250 Gramm CO2 je Kilometer aus.
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch bemerkt: „Nach eineinhalb Jahren intensiver Klimadebatten, nach Weltklimakonferenzen und zahlreichen Gesetzesinitiativen zur Eindämmung der Klimakiller ist die Dickfelligkeit vieler Politiker bei der Wahl ihres Dienstwagens erschreckend.“ Die Europäische Kommission will in Zukunft einen CO2-Grenzwert von 130 Gramm vorschreiben. Die Wagen der Minister verbrauchen laut Studie das Doppelte. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht werden.
Acht Wochen lang hat die Deutsche Umwelthilfe recherchiert, an Informationen zu gelangen sei eine schwierige Aufgabe gewesen. Angeblich aus Sicherheitsgründen, so Jürgen Resch, habe das Ministerium wenig Material über die Dienstfahrzeuge preisgegeben. Dennoch kam die DUH auf das Ergebnis, Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt sei mit ihrem Mercedes-Benz S500 die Klimasünderin Nummer eins. Gleich nach Veröffentlichung der Studie reklamierte das Ministerium den Vorwurf. Ulla Schmidt fahre bereits seit einem Monat einen S420. Er entspreche zwar immer noch nicht der EU-Norm, befreie Ulla Schmidt aber vom ersten Platz. Vor allem zeigt es an, dass die Veröffentlichung der DUH Mängel aufweist. Diese brachte darauf wiederum das Argument der schwierigen Recherche aufgrund geringer Kooperationsbereitschaft von Seiten der Ministerien.
Am Kern der Erkenntnisse ist trotzdem nicht zu rütteln: Politiker fahren Klimakiller. Es gibt Kontroversen, ob sie damit wirklich ihre Vorbildfunktion in einem Staat, der sich um Umweltschutz bemüht, verletzen. Auf der einen Seite steht die Deutsche Umwelthilfe, die mit der Veröffentlichung der Studie große Empörung gegen die Politiker in der Bevölkerung hervorgerufen hat. Auf der anderen Seite werden Stimmen laut, dass Führungsspitzen eine Repräsentationsfunktion des Staates erfüllen müssen und daher nicht mit wenig anschaulichen Wagen auftreten dürfen. Diese Rangfolge, die Wirtschaftlichkeit vor Ökologie stellt, unterstützt auch der Ministeriumssprecher von Sachsen-Anhalt Franz Stänner: „Die Auswahl [der Dienstwagen] erfolgt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, bei denen auch die ökologischen Belange betrachtet werden.“ Die Präsentation deutscher Automarken durch Politiker steigert das Ansehen der Autokonzerne im In- und Ausland. Das führt zu mehr Verkauf und Gewinnsteigerung, was schließlich der deutschen Wirtschaft zugute kommt.
Letztendlich ist das Auto nur ein Aspekt unter vielen Umweltsünden. So erregte der Flugtourismus zum Beispiel im September 2007 das öffentliche Interesse. Politiker legten den Menschen nahe lieber mit dem Auto, anstatt mit dem Flugzeug, den Urlaubsort aufzusuchen. Luftfahrt wird demnach umweltschädlicher eingestuft als Autoverkehr. Doch auch hier gehen deutsche Politiker als Vielflieger mit schlechtem Vorbild voran. Sie nutzen den Airbus nicht nur zu beruflichen Terminen, sondern auch bei privaten Anlässen. Heimat- oder Ferienorte werden mit Bundeswehrflugzeugen angesteuert und gehen als Leerflug zurück. Bestes Beispiel ist Umweltminister Sigmar Gabriel, der im März 2008 solch einen nach Mallorca angetreten und seiner Umweltministerposition damit alle Ehre gemacht hat. Bei einem derartigen Verhalten fragen sich die deutschen Bürger, weshalb gerade sie auf ihren Urlaub in weiter Ferne verzichten sollten. In diesem Punkt haben die Politiker ihre Vorbildfunktion für die Bevölkerung verloren.
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