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Der Ausgangspunkt der Porträtfotografie lässt sich in der bildenden Kunst finden. Besonders der Adel ließ sich gerne von Malern porträtieren oder in einer Büste verewigen. Mit der Entdeckung der Fotografie im 19. Jahrhundert wurde das Porträt auch in diesem Bereich sehr beliebt.
Bei der Porträtfotografie ist es von nicht so großer Bedeutung, welcher Bildausschnitt gewählt wird. Es können sehr enge Bildausschnitte, auf denen nicht einmal das ganze Gesicht zu sehen ist, aber auch Ganzkörperaufnahmen gewählt werden. Wesentlich wichtiger als der Bildausschnitt sind die gestalterischen Fragen. Der Unterschied zwischen einem guten Porträt und einem Schnappschuss liegt nämlich nicht in dem teuren Equipment, sondern in der überlegten Bildgestaltung. Klare Regeln gibt es dafür nicht. Unerfahrene Fotografen machen aber oft den Fehler, dass sie zu viel Umgebung mit ablichten, was den Betrachter dann ablenkt. Beim Porträt sind vor allem die Augen zu betonen. Sie müssen scharf dargestellt werden, denn auf die Augen achtet der Betrachter zuerst.
Eine bedeutende Entscheidung ist die Wahl der Brennweite. Einfach erklärt, erfassen lange Brennweiten einen relativ kleinen Motivausschnitt und bilden ihn groß auf dem Foto ab, bei kurzen Brennweiten wird ein großer Ausschnitt ziemlich klein abgebildet. 50 Millimeter entsprechen in etwa dem natürlichen Sehen. Das Auge gleicht Unebenheiten aus, derer wir uns gar nicht bewusst sind. Wird eine Brennweite um 50 Millimeter verwendet, erscheinen manche Körperteile wie zum Beispiel die Nase unnatürlich groß, da das Objektiv solche Unebenheiten im Gegensatz zum menschlichen Auge nicht ausgleichen kann. Daher ist eine Brennweite von 70 bis 90 Millimetern oder 80 bis 120 Millimetern für die Porträtfotografie wesentlich geeigneter. Zudem kann der Fotograf bei dieser Brennweite einen weiteren Abstand zum Fotomodell halten, so dass es sich nicht durch den Fotografen bedrängt fühlen muss und das Posieren leichter gelingt.
Wird jetzt noch zusätzlich eine große Blende, die den Lichteinfall regelt, eingesetzt, wird der so genannte „Freistell-Effekt“ erreicht, bei dem die fotografierte Person scharf abgebildet wird und der Hintergrund nahezu verschwimmt. Durch diesen Effekt wird der Blick des Betrachters sofort auf das Wesentliche gelenkt. Bei der Verwendung eines neutralen Hintergrundes spielt die Blende keine große Rolle mehr. Die ersten Versuche sollten am besten bei Tageslicht und trübem Wetter gemacht werden. Unter diesen Bedingungen erhält der Fotograf ohne großen technischen Aufwand eine fast schattenfreie Ausleuchtung. Ein kleiner Nachteil ist, dass die Farben eventuell gedämpft erscheinen. Sind die ersten Versuche geglückt, kann der Fotograf nun versuchen, in Räumen oder bei Sonnenschein zu fotografieren. Die bei Sonnenlicht entstehenden störenden Schatten können am besten mit Hilfe der Blitzfunktion kaschiert werden. Allerdings muss beachtet werden, dass der Blitz nicht aus einer völlig anderen Richtung kommt als das Sonnenlicht, denn sonst fällt er als unnatürliche Lichtquelle auf.
Porträtaufnahmen von Hobbyfotografen können oft dadurch erkannt werden, dass sie kaum etwas vom Wesen der porträtierten Person wiedergeben. Daher darf vor allem der Fotograf nicht zu verbissen an die Situation herangehen. Die zu fotografierende Person merkt das schnell und schaut selbst verkrampft in die Kamera. Deswegen ist es von Bedeutung, dass sich Fotograf und Modell ausreichend Zeit nehmen. Es ist wichtig, im entscheidenden Moment den Auslöser zu drücken, wenn die Person vor der Kamera losgelöst ihre ganze Persönlichkeit zur Geltung bringt. Der Fotograf muss während der gesamten Aufnahmen darauf vorbereitet sein, intuitiv auslösen zu können. Viele berühmte Fotografen verbringen den ganzen Tag mit Modellen und erhalten am Ende vielleicht zwei bis drei herausragende Bilder.
Bei Hobbyfotografen finden die ersten Versuche oft im eigenen Wohnzimmer statt. Aber auch mit einfachen Mitteln kann ein tolles Foto gemacht werden. Damit keine starken Schatten hinter der Person entstehen, sollten die Porträts immer im Querformat geschossen werden. Dann kann die Person stehend den Schatten unter sich verdecken. Außerdem darf das Modell nie direkt vor die Wand gestellt werden, da die Schatten bei geringem Abstand wesentlich dunkler sind, als wenn die Person etwa zwei Meter von der Wand entfernt stehen würde. Auch sollte möglichst viel Umgebungslicht mit einbezogen werden, das hellt die Schatten zusätzlich auf.
Praktische Tipps für gute Porträts sind leicht zu erteilen, doch nicht immer leicht umzusetzen. Der Fotograf muss sich, gerade wenn er noch Anfänger ist, besonders viel Zeit nehmen, auf die Bedürfnisse des Modells eingehen und für eine lockere Atmosphäre sorgen. Werden diese Regeln beachtet, können mit viel Geduld und Übung auf jeden Fall tolle Fotos entstehen.
Mehr Literatur zum Thema finden Sie unter den folgenden Links:
Porträtfotografie: Ein Praxishandbuch für unterwegs
Digitale People- und Porträtfotografie
Andreas Feiningers große Fotolehre
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