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Vor etwa 50 Jahren trat am 1. Juli 1958 in der Bundesrepublik Deutschland das erste Gleichbehandlungsgesetz in Kraft. In den letzten 50 Jahren hat sich viel getan. Frauen haben Schritt für Schritt in Ausbildung und Beruf zu den Männern aufgeschlossen und Positionen erreicht, die 1958 für eine Frau noch undenkbar gewesen wären.
Die letzten 50 Jahre sind aber auch mit einem Wertewandel einhergegangen, der in den veränderten politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich wird. Die festen Geschlechterrollen existieren nicht mehr. Die meisten Klischees verlieren mehr und mehr an Bedeutung. Frauen definieren ihre Rolle zunehmend selbst.
Trotzdem bestehen auch 2008 noch scheinbar unüberwindbare Unterschiede zwischen Mann und Frau. Die allgemeinen Begründungen für die Ungleichbehandlung sind sehr vielfältig. Sei es geringe Durchsetzungskraft, Unbelastbarkeit oder lange Ausfallzeiten durch Schwangerschaften.
Eine Studie der EU verdeutlicht die Ungleichbehandlung, indem sie feststellt, dass Frauen in Deutschland etwa 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Doch woraus ergeben sich diese Unterschiede jetzt genau? Zunächst kann festgehalten werden, dass in Deutschland die meisten Löhne tariflich geregelt sind. Eine ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit wäre auch von Anfang an nicht Grundrechtkonform. Es ist also fraglich woraus sich die ermittelten Unterschiede dann herleiten lassen.
Es ist problematisch, die Ergebnisse der EU-Statistik zu generalisieren. Für die statistische Erhebung wurden Männer und Frauen in unterschiedlichen Unternehmen verglichen, die zum Teil nicht einmal den gleichen Arbeitsplatz hatten, sondern nur einen ähnlichen Beruf ausübten. Die Kategorien für die Berufe wurden in jedem Fall zu groß gewählt. Filialleiter ist beispielsweise eine sehr dehnbare Bezeichnung. Ferner wurden die Kategorien für das Alter kaum beziehungsweise gar nicht berücksichtigt und teilweise Arbeitnehmer aus verschiedenen Positionen unter einen Begriff kategorisiert.
Da Männer in vielen Fällen in Führungspositionen sind, ist deren Gehalt dementsprechend höher und schlecht mit dem Gehalt einer Frau in einer „ähnlichen“ Situation vergleichbar. Es ist festzustellen, dass die Chefetagen in vielen Fällen traditionell von Männern dominiert werden. Das liegt zum Teil daran, dass sich die Gleichberechtigung hier noch nicht durchgesetzt hat. Zu mindestens hier beanspruchen Männer noch „Räume“ für sich, die sie gesellschaftlich an anderer Stelle einbüßen mussten.
Eine dänische Studie ergab jetzt, dass sich Eigenkapital- und Umsatzrendite in Unternehmen mit mehr als drei Frauen im Vorstand deutlich steigern lassen, weshalb in Dänemark eine Frauenquote von 40 Prozent eingerichtet wurde. Durch verbesserte Betreuungsangebote für Kinder können Unterbrechungen in der Laufbahn unterbunden werden. Deutschland ist von jenen dänischen Verhältnissen noch weit entfernt. Mit dem Elterngeld für Väter ist jedoch ein erster Schritt in die richtige Richtung getan, um Frauen zu entlasten und schneller wieder in die Arbeitswelt zu integrieren.
Der für Deutschland von der EU ermittelte Gehaltsunterschied von 22 Prozent kann allerdings nicht sehr real sein. Eine weitere genauer verfasste Studie kam auf einen Gehaltsunterschied von nur noch fünf Prozent zu Gunsten der Männer. Wären es tatsächlich 22 Prozent, dann hätten Männer auf dem Arbeitsmarkt keine Chancen mehr, weil sie den Unternehmen zu viel kosten würden. Es scheint sich hier um einen rein statistischen Effekt zu handeln.
Die Europäische Kommission begründet dieses Ergebnis mit der hohen Zahl an Frauen, die sich auf dem Arbeitsmarkt befinden. Wäre die Erklärung so simpel, dann würde es umgekehrt bedeuten, dass eine konsequente Reduktion der Frauen auf dem Arbeitsmarkt der Schlüssel zu Vollbeschäftigung und großem Wirtschaftswachstum wäre. Das würde zu Verhältnissen wie um 1958 führen, als Ehemänner noch das Recht hatten, das Arbeitsverhältnis ihrer Frau zu kündigen, wenn sie der Meinung waren, dass es die „ehelichen Interessen“ stören würde.
Statistiken wie diese sind daher insgesamt sehr kritisch zu betrachten, da sie durch gezielte Anordnungen der einzelnen Variablen leicht zu beeinflussen sind. In Statistikerkreisen heißt es deshalb: „Statistik ist wie ein kleines Mädchen. Man kann es leicht ausnutzen!“ oder „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“
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