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Und die Newcomer des Jahres in der Rubrik Flora und Fauna sind...


06.08.2008 (E. Nitzsche) Kategorie: Wissenschaft

Im 17. Jahrhundert verfasste Carl von Linne seine „Systema Naturae“ (Biologische Systematik), welche noch immer als Grundlage zur Bestimmung neuer Arten dient. Täglich verlängert sich die Liste der bisher 1,7 Millionen bekannten Lebewesen. Ein Rennen gegen die Zeit, denn durch das hohe Artensterben (etwa 150 Arten pro Tag!) werden wir nie erfahren, wie groß die Vielfalt der Natur in Wirklichkeit ist. Geschätzt wird die Zahl der weltweiten Pflanzen- sowie Tierarten auf bis zu 30 Millionen.

Durch die Erforschung des Artenreichtums können die Menschen lernen, die Natur und ihre Zusammenhänge besser zu verstehen. Hinzu kommt ein „Abschauen“ der Tricks der Natur. So nutzt die Autoindustrie den Lotuseffekt (Abperlen von Wasser und Dreck) für die Beschichtung des Autolacks.

Ein Komitee am Internationalen Institut für Artenentdeckung in Arizona (Amerika) wählt jährlich zehn ungewöhnliche neue Arten. Dadurch sollen sich die Menschen das Wunder der Natur vor Augen führen und gleichzeitig daran erinnert werden, dass sie die Natur nicht außer Acht lassen dürfen. Im Jahr 2008 wurden folgende zehn Arten gewählt:

1. Platz – Electrolux addisoni: Den ersten Platz hat sich der Zitterrochen (Narcinidae) wohl durch seine Namensgebung eingeheimst. Da er seine Beute vom Meeresgrund aufsaugt, wurde er nach einem Staubsauger-Unternehmen benannt. Elektrolux wurde im Indischen Ozean entdeckt. Seine Beute betäubt der Rochen mit elektrischen Schlägen aus dem so genannten „elektrischen Organ“.

2. Platz – Gryposaurus monumentensis: Das in den Rocky Mountains von Paläontologen gefundene Fossil eines Dinosaurier-Kopfes besitzt 300 Zähne sowie weitere 500 Reservezähne. Doch jene nutzte der Gigant nur zum Zermalmen von Pflanzen. Aufgrund seiner Schnauzenform wird der Gryposaurus zu den Entenschnabel-Dinosauriern (auch Schnabeldrachen genannt) gezählt. Mutmaßlich lebte der Saurier im späten Kreidealter vor etwa 75 Millionen Jahren.

3. Platz – Desmoxytes purpurosea: Der knallpinke Tausendfüßler wurde in Südostasien entdeckt und kann bis zu sechs Zentimeter lang werden. Seine Warnfarbe täuscht seinen Fressfeinden Giftigkeit vor.

4. Platz – Philautus maia: Das um 1860 auf Sri Lanka gefundene Blasennetzfroschweibchen wurde in einem Museum ausgestellt und gilt als einziger konservierter Repräsentant seiner ausgestorbenen Art.

5. Platz – Oxyuranus temporalis: Die zu den Taipanen gehörende Giftnatter wurde 2006 in Zentralaustralien gefunden und nach einem Aborigines-Stamm benannt. Mit ihren zwei Schwesternarten gehört sie zu den giftigsten Schlangen der Welt.

6. Platz – Styloctenium mindorensis: Biologen wollten der Beschreibung eines Einheimischen keinen Glauben schenken. Er berichtete von einem besonderen Flughund auf der Insel Mindoro (Philippinen). Doch dann fingen sie im Februar 2006 einen orangegefärbten Flughund mit weißen Streifen auf dem Gesicht. Die Art wird von Einheimischen gejagt und ist somit bedroht.

7. Platz – Xerocomus silwoodensis: Fundort des Pilzes war ein Campus in London. Da die Metropole zu den am besten untersuchten Floras der Welt gehört und das uns lehrt, wie wenig Arten wir eigentlich kennen, wurde er in die Top 10 aufgenommen. Seit kurzem sind auch weitere Standorte in England sowie Spanien bekannt.

8. Platz – Malo kingi: Berühmtheit erlangte die Qualle durch den Tod des Amerikaners Robert King, welcher während des Schwimmens in Queensland (Nordaustralien) von einem Tentakel gestreift wurde. Die Benennung nach seinem Opfer scheint makaber, soll aber als Mahnung dienen. Die Gefahren im Meer werden von Touristen oft unterschätzt.

9. Platz – Megaceras briansaltini: Keinem seiner Verwandten scheint der Käfer so zu gleichen wie „Dim“, dem Nashornkäfer aus dem Disney/Pixar-Film „A bug’s life“. Ausgewählt für die Top 10 wurde die Art von der Jury, weil „sie ein seltenes Beispiel dafür ist, dass Natur auch von der Kunst profitiert“, so ein Jury-Mitglied.

10. Platz – Tecticornia bibenda: Wegen ihrer Form wird die in Westaustralien neu entdeckte Pflanzenart auch „Michelin-Männchen” genannt. Sie repräsentiert knapp 300 Pflanzenarten, die allein 2007 in Westaustralien entdeckt wurden.

Hoffentlich konnte das Wunder der Natur Ihnen durch die kleine Auswahl an Vertretern näher gebracht werden. Nur durch intensive Betrachtung ist es möglich das Zusammenspiel aller Organismen und das Ausmaß unseres Handelns zu verstehen. Erst mit diesem Verständnis können wir begreifen, wie dringend es ist, unsere Lebensweise zu ändern. Denn sonst wird es in einigen Jahren keine Auswahl mehr für die zehn ungewöhnlichsten neuen Arten geben. Es liegt an uns sie zu schützen.



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