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Korallenriffe - Bedrohte Meeresparadiese


09.08.2008 (P. Kohl) Kategorie: Welt

Bild: www.photographie.de

Sie gehören zu dem Schönsten und Abwechslungsreichsten, was es in den Weltmeeren zu entdecken gibt, und sind direkt von den Folgen des Klimawandels betroffen. Mit ihren schillernden Farben und der Vielfalt verschiedener Lebewesen ziehen Korallenriffe jährlich Millionen von Touristen an. Neue Ergebnisse einer US-amerikanischen Studie zeigen eine Landkarte der dramatischen Korallenzerstörung. Weltweit nimmt die Vernichtung zu und zahlreiche Riffe verschwinden.

Korallenriffe entstehen im Laufe von Jahrhunderten aus den Kalkskeletten abgestorbener Steinkorallen. Dabei spielen die Riffe eine wichtige Rolle bei der Drosselung des Treibhauseffekts. Atmosphärisches Kohlenstoffdioxid wird als Calciumcarbonat in das Skelett eingebaut und somit dem Kohlenstoffkreislauf entzogen. Das geschieht in einer Größenordnung von etwa 700 Milliarden Kilogramm Kohlenstoff pro Jahr. Damit gehören die Riffe, die insgesamt eine Fläche von 600.000 Quadratkilometer ausmachen, bezogen auf ihre Größe zu den produktivsten Meeressystemen überhaupt. Ebenso gehören sie zu den empfindlichsten und haben sehr spezielle Anforderungen an die Umgebung. So wachsen sie lediglich bis zu einer Tiefe von etwa 50 Metern und benötigen gleichmäßige Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Daher lassen sich tropische Korallenriffe nur in einem schmalen Streifen von etwa 4.000 Kilometer Breite um den Äquator finden.

Wegen ihrer speziellen Lebensbedingungen werden die Korallen auch schnell zu Opfern des Klimawandels. Eine Temperaturerhöhung um wenige Grad Celsius kann eine so genannte Korallenbleiche bewirken, die in den vergangenen Jahren immer häufiger festgestellt wurde. Abgestorbene Korallen verlieren ihre Farbenpracht, übrig bleiben weiße Kalkskelette. Für die Färbung selbst sind meist nicht die Korallen verantwortlich, sondern Mikroorganismen mit denen sie in Symbiose leben.

Die so genannten Zooxanthellen sind Algen und gehören zur Gruppe der Dinoflagellaten. Sie leben innerhalb der Korallen, die zum Reich der Tiere gehören, und versorgen sie mit Zucker und anderen wichtigen Nährstoffen. Allerdings reagieren die Algen sehr empfindlich auf äußere Einflüsse. Steigt die Temperatur auch nur kurzfristig auf über 30 Grad Celsius an, so beginnen sie für die Korallen schädliche Stoffe zu produzieren, welche wiederum dazu führen, dass die Algen abgestoßen werden. Dadurch verlieren die Riffe ihre Farbe und sterben ab, wenn sie nicht kurzfristig unter besseren Bedingungen erneut Zooxanthellen aufnehmen können. Durch die Einlagerung der Mikroorganismen sind Korallen auch sehr lichtabhängig, da Algen Photosynthese betreiben müssen. Auch die zunehmende Verschmutzung der Meere wird so zu einem immer größeren Problem, da Partikel das Sonnenlicht absorbieren und verhindern, dass es bis zu den Korallen vordringen kann.

Der Klimawandel ist also unter vielfältigen Aspekten eine Bedrohung für die Riffe. Sterben sie ab, wird das derzeit von ihnen gebundene Kohlendioxid wieder abgegeben und kann für eine weitere Erwärmung der Atmosphäre sorgen, wodurch wiederum das Korallensterben beschleunigt wird. Ein weiterer zerstörerischer Faktor ist die zunehmende Kohlendioxid-Aufnahme der Meere, wodurch diese immer saurer werden. Das hat fatale Folgen für Lebewesen mit Kalkskelett, da es durch die Säure geschädigt wird. Allein in den letzten 30 Jahren ist die mit Korallen besetzte Fläche weltweit um 30 Prozent zurückgegangen. Weitere 58 Prozent gelten als akut bedroht.

Neben der ökologischen Bedeutung der Riffe als Lebensraum zahlreicher anderer Tierarten ist auch der ökonomische Wert nicht zu unterschätzen. Zum einen bildet das vielfältige Ökosystem der Riffe gerade in weniger entwickelten Ländern nach wie vor eine wichtige Ernährungsgrundlage für die ansässigen Fischer. Zum anderen ist aber auch der touristische Nutzen für Länder wie Australien oder viele karibische Staaten nicht zu verachten. So schätzt der „World Wide Fund For Nature“ (WWF) in einer Studie den jährlichen Wert der Weltmeere auf etwa 21 Billionen Dollar, wovon alleine der Fischfang 85 Milliarden ausmacht. Daher besteht aus Sicht des an der Untersuchung beteiligten Christian Neumann vom WWF-Zentrum für Meeresschutz in Hamburg „mehr als eine moralische Pflicht, die biologische Vielfalt der Meere zu bewahren.“



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