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Nicht nur auf Kinder aller Altersgruppen üben Zoos eine magische Anziehungskraft aus. Hier können Tiere bewundert werden, die uns sonst nur aus Büchern und Filmen bekannt sind. Dass das lehrreich und bestaunenswert ist, ist allgemein bekannt. Zahlreiche Zoos scheuen keine Mühen, um den Aufenthalt für die tierischen Bewohner so komfortabel wie möglich zu gestalten.
Welcher Tiergarten seine Sache wie gut erledigt hat, zeigt ein Test, der vom Magazin Stern durchgeführt wurde und 50 verschiedene Anlagen in Augenschein genommen hat. Zwei Zoo-Experten, Dr. Harro Strehlow (Biologe und Zoohistoriker) sowie Herman Reichenbach (Fachjournalist), waren insgesamt zehn Wochen lang in deutschen Tierparks unterwegs. Sie wurden von dem Stern-Redakteur Rupp Doinet begleitet und bewerteten von Ende März bis Mitte Juni zahlreiche Anlagen. Die Ergebnisse der Untersuchungen gelangten jetzt in der 27. Stern-Ausgabe des Jahres 2008 an die Öffentlichkeit.
Die Kriterien der Wertung
Zunächst einmal wird eine Unterscheidung getroffen, ob es sich bei der Anlage um einen großen oder kleinen Zoo handelt. Welcher dabei wohin gehört, richtet sich nach der Vielfalt der Tierarten, die dort gezeigt werden und nicht nach der Größe des Parks in Quadratmetern. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurden verschiedene Spezies in Gruppen zusammengefasst – so etwa Orang-Utans, Zwergschimpansen und Gorillas zu der Gruppe Menschenaffen. Verfügt ein Tiergarten über 20 oder mehr verschiedene Gruppen, gilt er als großer Zoo, sind es dagegen weniger, wird er im Rahmen der Untersuchung als kleiner Zoo betrachtet.
Drei verschiedene Kriterien fließen maßgeblich in die Bewertung der Tierparks ein. Die wichtigste Rolle spielt dabei die Tierhaltung. Sie macht 80 Prozent der Gesamtnote aus. Hierbei werden Punkte beachtet wie artgerechte Haltung, Qualität der Gehege und das Erscheinungsbild des Tieres selbst. Außerdem werden mit jeweils 10 Prozent auch die optische Gestaltung der Anlage und der Besucherservice als weitere Wertungskriterien herangezogen. Die ersten fünf Gewinner beider Gruppen sollen hier kurz vorgestellt werden.
Die Großen und die Kleinen
Bei den großen Zoos hat die Hauptstadt die Nase vorn und belegt die ersten beiden Plätze. Sieger ist der Zoologische Garten Berlin mit einer Gesamtnote von 1,71 und der Empfehlung „sehr sehenswert“. Denkmalschutz wird hier groß geschrieben und hervorragend in das Konzept der Anlage integriert. Eine Besonderheit ist das Flusspferdehaus. Der zweitplatzierte Berliner Tierpark Friedrichsfelde erhielt das Prädikat „sehenswert“ und bekam eine Wertung von 1,80. Er ist hinsichtlich der Grundfläche, 160 Hektar, Deutschlands größter Zoo. Auf Rang drei mit der Bewertung von 1,82 landete der Wuppertaler Zoologische Garten. Seit dem ersten Stern-Ranking im Jahr 2000 konnte sich der im Jahr 1881 eröffnete Tierpark um volle zehn Platzierungen verbessern. Platz vier erreichten die Hanseaten mit dem Tierpark Hagenbeck und einer Note von 1,85. Rang fünf geht mit einer Gesamtwertung von 1,86 an den Zoo Leipzig, der die Tester vor allem durch seine neuen Tieranlagen beeindruckte. Besonders empfehlenswert ist hier ein Besuch im Menschenaffenhaus.
Sieger im Ranking der kleinen Zoos ist mit einer Bewertung von 2,09 der Görlitzer Naturschutz-Tierpark. Sein erklärtes Ziel ist es, ökologische Zusammenhänge für die Besucher nachvollziehbar zu machen. Der Zoo Eberswalde landete auf dem zweiten Platz und erreichte eine Note von 2,1. Hier ist vor allem die Affenhaltung und die Löwenanlage als Hingucker zu erwähnen. Der dritte Rang ging an den Schweriner Zoologischen Garten mit einer Gesamtwertung von 2,16. In dieser Anlage liegt der Fokus auf denjenigen Tieren, die am und im Süßwasser leben. Es folgt der NaturZoo Rheine mit der Note 2,2, der besonders viel Wert auf die naturnahe Ausgestaltung der Gehege legt. Der Tierpark Cottbus erreichte Platz 5 mit einer Gesamtnote 2,21. Der Zoo liegt sehr malerisch in den Auenwäldern der Spree und verfügt über einen besonders großen Wasservogelbestand.
Pro und Contra des Stern-Tests
Von der Tierrechtsorganisation PETA wurde der Zoo-Test des Sterns allerdings stark kritisiert und als fragwürdig, oberflächlich und realitätsfremd in Frage gestellt. Wichtige tierschutzrelevante Fragen seien nicht in der Beurteilung berücksichtigt worden. Dazu gehören etwa das Verhältnis von Gehegegröße und Tierbestand, die potentiellen Beschäftigungsmöglichkeiten für die Zoobewohner, der Umgang mit dem Tiernachwuchs und eventuelle Verhaltensstörungen bei den Tieren. Die Haltung von Tieren in Zoos lässt auch im Allgemeinen zwiespältige Meinungen entstehen. Auf der einen Seite ist sie unnatürlich, denn die Gehege sind meist um ein Vielfaches kleiner als das natürliche Terrain der jeweiligen Tierart, zudem entspricht das hiesige Klima oftmals ganz und gar nicht dem Heimatland der tierischen Bewohner.
Auf der anderen Seite bietet sie dem Menschen die einzigartige Gelegenheit, Tiere aus der ganzen Welt und aus verschiedensten Klimazonen, die sonst wohl die meisten von uns nie sehen würden, kennenzulernen und zu beobachten. Wer einen Blick auf die beiden vollständigen Tabellen mit allen 21 Plätzen möchte, kann das unter folgendem Link: www.stern.de
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