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Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte hat sich der Computer zum Freund und Helfer des Menschen gemausert. Es werden jedoch vermehrt Warnungen laut, dass er sich in vielen Fällen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, zum Lebensmittelpunkt entwickeln könnte. Unzählige Eltern können davon ein Lied singen.
Doch wie ernst ist die Lage wirklich? Die Vermutung liegt nahe, dass die stetig wachsenden Zahlen von Kindern mit Übergewicht, Konzentrationsschwächen sowie Hyperaktivitäts- oder Aufmerksamkeitsstörungen auf vermehrten Fernseh- und Computer-Konsum zurückzuführen sind. Der PC ist immer da, bietet Abenteuer, Erfolge und virtuelle Kontakte. Da wird die reale Welt mit all ihren Anforderungen an den jungen Menschen schnell lästig. Deshalb sollten Eltern nicht den bequemen Weg gehen und ihr Kind dem Computer überlassen. Auch im Zeitalter der Medien ist und bleibt Erziehung eine menschliche und pädagogische Aufgabe mittels sozialer Interaktion.
So dramatisch wie die Situation vielfach dargestellt wird, ist sie jedoch gar nicht. Unsere Kinder ersticken nicht im Mediensumpf. Es können zwar 3,7 Millionen Kinder zu Hause einen PC nutzen, trotzdem dominiert in den Kinderzimmern von 6- bis 9-jährigen traditionelles Spielzeug, wie Puzzle, Baukästen, Puppen und dergleichen. Die „KidsVerbraucherAnalyse“ untersucht das Medien- und Konsumverhalten von Kindern. Dabei zeigte sich, dass 60 Prozent der Kinder gern Rad fahren und 40 Prozent lieber draußen Freunde treffen, als vor dem PC zu sitzen. Wenn sie dann doch davor landen, spielen sie oder surfen im Internet. Immerhin die Hälfte der Zeit am PC dient der Textproduktion oder der Nutzung von Lern- oder Sprachsoftware.
Es ist die Aufgabe der Eltern, dass das Kind mit einem gesunden Verhältnis zu den Medien aufwächst. Wichtig sind dabei die Vorbildfunktion und vielleicht einige grundlegende Verhaltensregeln. Beim Aufstellen solcher Regeln sollte das Alter, die geistige Reife, der schulische Leistungsstand, die Pflege sozialer Kontakte und die gesundheitliche Situation des Kindes berücksichtigt werden.
Aufgrund der Diskussionen zu diesem Thema hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) Empfehlungen für den PC- und TV-Konsum von Kindern herausgegeben: Unter drei Jahren sollten Kinder keinen Kontakt zu diesen Medien haben, in der Vorschule maximal eine halbe Stunde und in der Grundschule ist eine Stunde pro Tag ausreichend. Während der Mahlzeiten und kurz vor dem Schlafengehen bleiben Fernseher und Computer natürlich auch aus. Die Richtlinien sind beliebig erweiterbar, vielleicht reichen die hier genannten und eine gute Beziehung zum Nachwuchs aber auch aus, um bei den Kindern einen vernünftigen Medienumgang zu prägen.
Trotz aller Bedenken stecken auch Vorteile und Chancen in dieser neuen Medienwelt. Für die aufwachsende Generation bietet sich ein nie da gewesener Erfahrungs- und Informationsraum. Natürlich beruht das Wissen nicht mehr auf persönlicher Erfahrung und muss zunächst reflektiert werden, aber dabei können die Eltern ihren Sprösslingen helfen. Andersrum bieten sich Möglichkeiten für eine positiv veränderte Familienbeziehung: Da die Jugend mit dem PC aufwächst, lernt sie schneller mit dem Medium umzugehen. So bietet sich die Möglichkeit den Eltern bei Problemen zur Hand zu gehen und dadurch ein neues Selbstwertgefühl zu entwickeln.
Die Lösung der Probleme bleibt die Kommunikation – das gute, alte Gespräch von Mensch zu Mensch. Einerseits müssen Eltern mit ihren Kindern sprechen oder sie vielmehr darüber aufklären, was sie draußen im virtuellen Kosmos erwarten kann, andererseits bleiben alltägliche Unterhaltungen, der Kaffeeklatsch oder die Märchenstunden unersetzbar. Vielleicht gerät dann die Playstation doch einmal kurzzeitig in Vergessenheit, wenn die Kleinen offenen Mundes einer Geschichte aus Opas draufgängerischer Kindheit lauschen.
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