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Der Codex Sinaiticus ist eine Handschrift der christlichen Bibel, die aus der Mitte des vierten Jahrhunderts stammt. Nach heutigem Wissensstand ist es die älteste Bibel, die auch die erste vollständige Fassung des Neuen Testaments beinhaltet. Codex Sinaiticus bedeutet dabei „Das Buch vom Sinai“. Um 1850 wurde es auseinandergerissen. Nachdem in verschiedenen Ländern einzelne Blätter wieder aufgetaucht sind, versucht nun ein Online-Projekt, das Relikt zusammenzufügen.
Entdeckt wurde der Codex im Jahr 1844 von dem Theologieprofessor Konstantin von Tischendorf. Er bereiste damals den Orient in der Überzeugung, dass es eine Bibel mit dem vollständigen Neuen Testament aus dem vierten Jahrhundert geben müsste. Schließlich fand er auf der Halbinsel Sinai in der Bibliothek des Katharinenklosters, was er suchte. Die dort ansässigen Mönche schenkten dem Professor der Universität Leipzig 43 Blätter der heiligen Schrift. Damit begann die Fragmentierung.
Diese Seiten befinden sich auch heute noch im Besitz der Universitätsbibliothek von Leipzig und sind seit dem 24. Juli 2008 online abrufbar. Den Hauptteil der Bibel, 347 Seiten, erhielt Konstantin von Tischendorf bei einer weiteren Orientreise im Jahr 1859. Er überbrachte sie dem russischen Zaren Alexander II., der die Reise finanzierte. Im Jahr 1933 verkaufte Stalin sie jedoch für 100.000 Pfund nach London, um an Geld zu gelangen. Heute gehört der Hauptteil der Nationalbibliothek von Großbritannien. Weitere sechs Fragmente tauchten im 19. Jahrhundert in der russischen Nationalbibliothek in St. Petersburg auf. Es ist jedoch nicht bekannt, wie sie dorthin gelangten. Zwölf Blätter und 40 Fragmente befinden sich noch im Katharinenkloster, wo sie 1975 entdeckt wurden.
Aufgrund der Eigentumsverhältnisse ist es schwer möglich, alle Seiten der Bibel wieder zusammen zu führen. Daher hat sich das Projekt zur Aufgabe gemacht, wenigstens im Internet das überlieferte Material vollständig zu veröffentlichen. Bei den Teilen, die sich in Leipzig und London befinden, ist das bereits geschehen. Es wurden Fotographien von jeder Seite bei zwei verschiedenen Lichtverhältnissen gemacht. Außerdem gibt es eine Übersetzung des griechischen Textes.
Der Codex Sinaiticus enthält neben dem Neuen Testament auch die Hälfte des Alten Testaments und zwei frühe christliche Texte, die in modernen Bibeln nicht mehr enthalten sind. Zudem ist er mit etwa 1.000 Korrekturen und Diskussionen versehen, die über acht Jahrhundert hinweg vorgenommen wurden. Obwohl der Codex für sein Alter erstaunlich umfangreich und gut erhalten ist, schätzen Forscher, dass etwa 300 Seiten im Laufe der Zeit verloren gegangen sind. Es gibt nur noch eine einzige andere Bibel aus dem vierten Jahrhundert, die ähnlich gut erhalten ist: Der Codex Vaticanus. Er enthält aber nur Bruchstücke des Neuen Testaments.
Neben der Digitalisierung sind aber auch die historische Forschung, die Konservierung der Texte, die Transkription und die Verbreitung Aufgaben des Projekts. Die Transkription ist eine möglichst genaue Kopie, die den Text Buchstabe für Buchstabe wiedergibt. Heutzutage geschieht das elektronisch. Für eine spätere Analyse werden dabei außerdem Korrekturen, formale Besonderheiten und Bemerkenswertes markiert.
Besondere Bedeutung hat der Codex Sinaiticus für die Rekonstruktion des ursprünglichen Textes der christlichen Bibel und für die Geschichte der biblischen Überlieferung. Außerdem wurde keine Schrift so ausführlich mit Anmerkungen versehen, die bis ins zwölfte Jahrhundert reichen. Weitere Informationen und die Online-Präsentation des Codex erhalten Sie unter www.codex-sinaiticus.net.
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