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Multitasking - Der moderne Krankmacher


25.08.2008 (S. Edel) Kategorie: Gesundheit

Vom heutigen Arbeitnehmer wird unter anderem erwartet, dass er unterschiedliche Aufgaben gleichzeitig löst. Doch dabei geht es nicht nur um die Abstimmung zwischen Abteilungen, sondern auch um die Koordination der Kommunikation während der regulären Arbeit. So wird beispielsweise erwartet, dass eine Bürokauffrau ein Angebot schreibt während sie eingehende Telefonate entgegennimmt und souverän Fragen beantwortet. Fehler dürfen dabei weder gegenüber dem Kunden in der Leitung noch innerhalb der Kalkulation entstehen. Doch nur die Wenigsten wissen, dass Körper und Geist einer hohen Belastung ausgesetzt werden, wenn permanent mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen sind. Neue Untersuchungen und Experimente zeigen die Auswirkungen und erläutern die Zusammenhänge des Multitasking.

Multitastking bedeutet „Mehraufgabenbetrieb“ und stammt aus dem Englischen. Unter dem Begriff wird die Fähigkeit verstanden mehrere Aufgaben zur gleichen Zeit oder abwechselnd in kurzen Abständen voneinander zu erledigen. Ein Beispiel dafür ist das Telefonieren und gleichzeitige Erledigen von Hausarbeit. Oft wird deshalb dem weiblichen Geschlecht diese Fähigkeit zugesprochen. Jedoch zeigte sich, dass sie keinen geschlechtsbedingten Vorteil haben, sondern lediglich durch ständiges Üben ihre Abläufe besser koordinieren.

Im Straßenverkehr wurde die Gefahr, welche vom gleichzeitigen Ausführen unterschiedlicher Tätigkeiten ausgeht, erkannt. Aus diesem Grund wurde ein Verbot erlassen, das untersagt im Auto mit dem Handy zu telefonieren. Allerdings meinen Experten, dass selbst die Freisprechanlage nicht genügt um sich völlig auf den Verkehr zu konzentrieren. Die Gründe dafür liegen in der großen Menge von Umwelteinflüssen, die gleichzeitig auf einen einwirken, und in der Arbeitsweise des Gehirns. Das Gehirn kann nicht gleichzeitig reagieren und neue Reize aufnehmen. Die Gefahr bestehe darin, dass das Gehirn sich für eine Reaktion entscheiden müsse, so die Meinung des Psychologen Torsten Schubert von der Berliner Humboldt-Universität.

Ein weiteres Problem liegt in der Reaktionsfähigkeit, welche mindestens eine Sekunde beträgt. Ein Experiment dazu wurde vom Psychologen René Marois von der Vanderbilt University in Nashville (USA) durchgeführt. Er zeigte den Studienteilnehmern Bilder mit geometrischen Figuren und spielte in unterschiedlichen Abständen einen Ton ab. Dabei zeigte sich, dass die Töne nicht mehr oder nur stark verzögert wahrgenommen wurden, je kürzer der zeitliche Abstand zum Bild war. Andere Experimente zur Reaktionsfähigkeit führte der Psychologe Ernst Pöppel von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität durch. Er erklärte, dass es das Phänomen Multitasking nicht gebe und dass es nichts mit Intelligenz zu tun habe.

Die Folgen des Multitasking sind Stress, schlechtes Reaktionsvermögen und ein langsameres Arbeitstempo. Begründet wird diese Behauptung dadurch, dass alle Aufgaben jeweils Aufmerksamkeit fordern. Bei der zeitgleichen Beschäftigung mit unterschiedlichen Dingen wird keine Zeit eingespart, sondern mehr Zeit benötigt. Hierbei geht Arbeitgebern wertvolle Arbeitszeit verloren und dadurch gegebenenfalls Aufträge. Ebenso konnte bei Personen mit hoher Stressbelastung durch Multitasking ein schlechteres Kurzzeitgedächtnis und ein mangelhafter Umhang mit längerfristigen Aufgaben nachgewiesen werden.

Um den Folgen aus dem Weg zu gehen sollte jeder seine Aufgaben nacheinander erledigen. Ein Stundenplan oder Notizen können hierbei hilfreich sein. Die Experten raten außerdem dazu für sich selbst täglich mindestens eine Stunde Ruhe einzuplanen. In dieser Stunde solle nur entspannt werden. Wer mehr auf sich achtet und bewusster an seine Aufgaben geht, arbeitet demnach effizienter und ruhiger. Somit ist Multitasking ein Phänomen das nicht unbedingt erstrebenswert ist und nicht zu unterschätzenden negativen Einfluss auf unseren Körper und unsere Arbeitsweise hat.



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