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Wissenschaft widerlegt Legende der Familie Romanow


29.08.2008 (N. Karnal) Kategorie: Welt

Bild: www.pixelio.de

Großfürstin Zarewna Anastasia Nikolajewna Romanowa von Russland – um sie ranken sich Legenden, die Stoff für Spekulationen und zahlreiche Filme boten. Doch seit Sommer 2008 ist das Schicksal der jüngsten Zarentochter nach fast einem Jahrhundert endlich geklärt.

Am 18. Juni 1901 wurde die Tochter des russischen Zaren Nikolaus II. geboren. Anastasia Romanowa war nun schon das vierte Mädchen des Herrschers, der sich allerdings sehnlichst einen Thronfolger gewünscht hatte. Vielleicht lag es an diesen Umständen, dass sie eine gewisse List und sarkastischen Witz entwickelte, um vom Vater anerkannt zu werden. Mit ihrem jüngeren Bruder, der drei Jahre lag erwartet wurde, und ihrer älteren Schwester verband sie eine besonders innige Beziehung.

Nach der erzwungenen Abdankung des Zaren im März 1917, wurde die gesamte Familie zuerst unter Hausarrest gestellt und nach der Oktoberrevolution von den neuen Machthabern, den Bolschewisten, in den Ural verschleppt. In der Nacht zum 17. Juli 1918 brachte ein Mordkommando auf Befehl von Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin) den Zaren, seine Frau, ihre fünf Kinder, den Leibarzt und zwei Bedienstete in Jekaterinburg grausam um. Nach minutenlangem Kugelhagel stachen die Täter mit Bajonetten auf die Körper der Opfer ein. Die Leichen wurden in einem Waldstück verscharrt. In den folgenden Jahren gab es immer wieder Frauen, die behaupteten, sie seien die geflohene Zarentochter. Obwohl meistens das Gegenteil bewiesen werden konnte, hielt sich die Legende, dass Anastasia Romanowa das Blutbad überlebt haben könnte, lange.

Da die Ermordung der Romanows in der UdSSR ein Tabu-Thema war, konnten die bereits 1979 gefundenen sterblichen Überreste erst 1991 exhumiert werden. Nach langwierigen Untersuchungen wurden die vorhandenen Leichen, auch die von Anastasia, identifiziert. Die Überreste des jüngeren Bruders Alexej und einer der Töchter – vermutlich Maria – fehlten. Spekulationen, dass die fehlende Tochter auch Anastasia sein könne, endeten Anfang Mai 2008. Vor einem Jahr wurden in einem angrenzenden Grab die Überreste zweier Körper entdeckt. Vermutungen, es seien die fehlenden Geschwister, konnten nun nach intensiven Analysen bestätigt werden.

Die stark beschädigten Überreste wurden im April 2008 vom Gerichtsmedizinischen Institut in Innsbruck (Österreich) untersucht. Einige der fingernagelgroßen Knochenstücke wiesen Brandspuren und Verunreinigungen mit anderen DNS-Spuren auf. Dadurch war die Arbeit eine große Herausforderung für die Wissenschaftler. Trotzdem gelang es dem Team innerhalb von nur vier Wochen alle notwendigen DNA-Abschnitte erfolgreich zu untersuchen und mit den bekannten DNA-Markern der Romanows zu vergleichen. So konnte die Identität zweifelsfrei geklärt werden.

Zur Absicherung der Ergebnisse hat ein weiteres Labor, das Institut der US-Armee in Maryland (USA), die Analysen begutachtet. Letztendlich übermittelte ein drittes begutachtendes Institut in Schottland die Ergebnisse der russischen Generalstaatsanwaltschaft. Das Vorgehen sollte den russischen Behörden ein großes Maß an Neutralität und Sicherheit gewährleisten, da eine fehlerhafte Identifikation der Funde nicht nur in Russland zu Zweifeln und Streit geführt hätte.

Werden die Spekulationen 90 Jahre nach der Ermordung der Zarenfamilie nun ein Ende haben? Die Identität der 2007 gefundenen Leichenreste ist zweifelsfrei geklärt, es sind Alexej und Maria. Doch war das Mädchen in dem ersten Grab auch wirklich Anastasia? Die erste Identifizierung fand anhand der Anatomie statt, sie warf allerdings aufgrund der Ähnlichkeit von Maria Romanowa und Anastasia Romanowa Zweifel auf und schürte die Spekulationen. Selbst mit heutigen Methoden kann ohne eine Vergleichsprobe der Person, wie beispielsweise eine Hautschuppe oder Haarsträhne, nur der Verwandtschaftsgrad geklärt werden. Da Maria nicht länger verschwunden ist, gibt es jedoch keinen Grund mehr an der Identität Anastasias zu zweifeln. Selbst wenn die Geschichte der Zarenfamilie damit ein Stück Mythos verliert, die Russen werden sie nicht vergessen.



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