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Die Emanzipation der Österreichischen Bundeshymne


11.10.2005 (C. Hilmbauer) Kategorie: Europa

Bild: www.rodaun.info

Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) tritt für eine Textänderung der österreichischen Bundeshymne ein - viel Lärm um nichts?

Vor allem die Zeile „Heimat bist du großer Söhne“ ist der Frauenministerin ein Dorn im Auge. Ginge es nach ihr, sänge die österreichische Fußballnationalmannschaft in Zukunft „Heimat bist du großer Töchter, Söhne“ - allerdings nur, wenn es nach ihr ginge.

Nicht nur große Teile des österreichischen Volks, sondern auch die anderen Parteien sind strikt gegen eine Textänderung. Vor allem das BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich) und Vizekanzler Hubert Gorbach (BZÖ) verhinderten eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema durch ihr definitives Veto.

Erste Überlegungen diesbezüglich gab es schon in den 1990er Jahren, aber auch damals wurde das Verlangen von diversen nichtstaatlichen Organisationen (NGOs), der damaligen Frauenministerin Johanna Dohnal (SPÖ) und Vertretern von den Grünen und dem Liberalen Forum, den Text der Bundeshymne zu ändern, abgelehnt.

Unverständnis für Rauch-Kallats Begehren herrscht wie damals sowohl in der männlichen als auch in der weiblichen Bevölkerung. Warum etwas ändern, das sich 50 Jahre lang bewährt hat? Was viele nicht wissen: Es war eine Frau, die 1946 den Text der Österreichischen Bundeshymne verfasste - Paula Preradovic.

Und wenn die Bundeshymne auf Geschlechtsneutralität getrimmt wird, dann sollte doch auch in Zukunft nicht „der Vater mit seinem Kind“ so spät durch Nacht und Wind reiten, sondern doch wohl eher „ein Elternteil mit seinem Kind“. Kann man außerdem noch von „Patriotismus“ sprechen oder muss man in Zukunft von „Matriotismus“ sprechen? Wird das „Vaterland“ zum „Elternland“?

Wenn das so weiter geht, werden wir wohl in einigen Jahren die Re- Emanzipation der Männer erleben, die (noch) kein Problem mit Wörtern wie „Muttersprache“ oder „Schraubenmutter“ haben.

Diskussionen rund um Texte von Nationalhymnen gibt es nicht nur in Österreich. In der Schweiz wurde schon im letzten Jahr über eine mögliche Textänderung der Nationalhymne beraten, denn auch hier fühlen sich die weiblichen Teile der Bevölkerung nicht angesprochen, wenn es heißt „Betet, freie Schweizer, betet!“. Aus einem anderen Grund werden die französische „Marseillaise“ und die „Fratelli d’Italia“ kritisiert: Ihre Texte seien zu militärisch, patriotisch und kriegerisch. Auch an der Nationalhymne der Sowjetunion wird einige Kritik geübt. Die Hymne wurde von Stalin in Auftrag gegeben, von Jelzin verboten und von Putin nun wieder eingeführt.

Österreich befindet sich also in guter Gesellschaft, was Kontroversen rund um den Text der Nationalhymne angeht. Man sollte aber angesichts dieser Diskussionen nicht vergessen, dass Österreich wahrlich wichtigere Probleme als eine nicht-geschlechtsneutrale Bundeshymne hat, die sowieso höchstens zweimal im Jahr gesungen wird, wie beispielsweise die 270.000 Arbeitslosen (die eine Arbeitslosenquote von rund 7,6% bedeuten) oder das chaotische neue Krankenscheinsystem, das übrigens Frau Rauch-Kallat zu verantworten hat.



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