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Die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking wurden mit Spannung erwartet. Vor Beginn der Spiele war ein Boykott der Eröffnungsfeier oder das Fernbleiben von Spitzenpolitkern in Erwägung gezogen worden. Damit sollten Chinas Menschenrechtsverletzungen wie etwa im Tibetkonflikt kritisiert werden. Letzen Endes sind es aber doch tolle Spiele geworden, bei denen der Sport im Mittelpunkt stand. Doch welcher Sportler wurde den Anforderungen gerecht? Welche Medaillenhoffnung hat sich erfüllt und welcher Athlet musste mit leeren Händen nach Hause gehen? Nach 302 von 302 Entscheidungen haben die deutschen Olympiateilnehmer 16 Gold-, 10 Silber- und 15 Bronze-Medaillen geholt.
Auch wenn das Gastgeberland China den Medaillenspiegel mit unglaublichen 51 Goldmedaillen anführt, so werden auch die Finale mit deutscher Beteiligung unvergessen bleiben. Die schönsten, spannendsten, unerwarteten Siege und die größten Enttäuschungen sollen hier noch einmal angeführt werden.
Die erste Medaille für Deutschland holten am 11. August 2008 Ditte Kotzian und Heike Fischer im Turmspringen. Im Synchronwettbewerb gewannen die Berlinerin und die Leipzigerin Bronze. Erst beim letzten Sprung entschied sich, wer den dritten Platz belegen würde. Die USA und Deutschland belegten vor dem letzten Sprung beide Platz vier. Doch die Deutschen überzeugten die Kampfrichter, sodass am Ende der dritte Platz möglich wurde. Ditte Kotzian und Heike Fischer erzählten später im Interview, dass sie selber nie wussten, wo sie genau standen. Ihnen war gar nicht klar, dass es beim letzten Sprung um alles oder nichts ging. Anscheinend war es eine gute Taktik.
Einen der schönsten deutschen Siege feierte die Schwimmerin Britta Steffen. Nachdem sie in Rekordzeit von 53,12 Sekunden die Goldmedaille über 100 Meter Freistil gewonnen hatte, lag sie weinend in den Armen von Franziska van Almsick. Nach zuvor weniger erfolgreichen Auftritten der deutschen Schwimmmannschaft überzeugte Britta Steffen am 17. August 2008 zusätzlich in der 50 Meter Freistil-Strecke mit nur 0,01 Sekunden Vorsprung vor der Amerikanerin Dara Torres. Die beiden Goldmedaillen blieben neben der Bronzemedaille von Thomas Lurz die einzigen Edelmetalle für die deutschen Schwimmer. Thomas Lurz, dreifacher Langstreckenweltmeister, holte am 21. August 2008 bei seiner Olympiapremiere gleich Platz drei.
Im Kanusport, eigentlich eine Paradedisziplin der Deutschen, erfüllten sich nicht alle Medaillenhoffnungen. Nachdem der Kanute Alexander Grimm Gold gewann, konnte der Canadier-Zweier mit Felix Michel und Sebastian Piersing nicht überzeugen. Als das Rennen am Vortag wegen schlechtem Wetter abgebrochen wurde, lagen die beiden nach den ersten Durchgängen klar in Führung, konnten ihrer Favoritenrolle jedoch nicht gerecht werden. Bereits kurz nach dem Start waren ihre Goldchance aufgrund vieler Fehler sehr gering. Als sie dann auch noch kenterten, waren alle Medaillenhoffnungen gestorben. Auch die Goldkandidatin Jennifer Bongardt konnte das Slalom-Finale nur als Zuschauerin beobachten. Sie schied unerwartet schon im Halbfinale aus.
Am 19. August 2008 holten wieder gleich zwei deutsche Olympiateilnehmer Gold. Eine Goldmedaille gewann der in Österreich geborene Gewichtheber Matthias Steiner. Er besitzt erst seit kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft. Am Tag nach seinem unfassbaren Sieg brachte er es sogar auf das Titelbild der „China Daily“. Unglaubliche 461 Kilogramm stemmte der Chemnitzer im Finale. Den Sieg widmete er seiner verstorbenen Frau, mit der er eigentlich zusammen nach Peking reisen wollte. Ein Bild seiner Frau hielt er zusammen mit der Medaille bei der Siegerehrung in die Kameras. Das zweite Gold für Deutschland sicherte der Triathlet Jan Frodeno. Der Sportler überzeugte einen Tag nach seinem 27. Geburtstag. Auf den letzten Metern spurtete er allen Gegnern davon. Mit seinem Überraschungs-Gold tritt er in die Fußstapfen von Stephan Vuckovic, der 2000 in Sydney Silber geholt hatte.
Für Fabian Hambüchen, einen der Olympiafavoriten, erfüllte sich der Traum vom Goldregen nicht. Nach Rang vier am Barren musste sich der Turn-Weltmeister noch am gleichen Tag mit Bronze am Reck begnügen. Laut eigener Aussage war es einfach nicht seine Woche. Vielleicht war der selbst auferlegte Medaillendruck doch zu hoch. Die Enttäuschung war ihm noch während der Siegerehrung anzusehen. Dennoch, mit 20 Jahren ist Fabian Hambüchen so jung, dass er 2012 in London sicher wieder um eine Medaille turnt. Mit seiner „Niederlage“ Stand der Turner jedoch nicht alleine da. Auch Isabelle Werth konnte im Dressurreiten nicht überzeugen. Nach einem Aussetzer ihres Pferdes Satchmo musste sie sich mit Platz zwei begnügen und die Goldmedaille ihrer ewigen Konkurrentin, der Niederländerin Anky van Grunsven auf Salinero, überlassen.
Im Vielseitigkeitsreiten holte der Amateur Hinrich Romeike auf seinem Pferd Marius gleich zwei Goldmedaillen. Zuerst gewann er gemeinsam mit Peter Thomsen, Andreas Dibowski, Frank Ostholt und Ingrid Klimke das Mannschaftsgold und dann, nach einer fehlerfreien Runde im Springen, auch noch den Einzelsieg. Der praktizierende Zahnarzt war nach seinem Sieg überglücklich und sicher, dass damit die Schmach von Athen endgültig vergessen ist. Vor vier Jahren mussten die Reiter ihr Mannschaftsgold wieder abgeben, nachdem die deutsche Reiterin Bettina Hoy nachträglich für ihren Ritt 14 Strafpunkte bekam.
Im Fechten holten die Deutschen mit Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink gleich zwei Goldmedaillen nach Hause. Der Viererkanu mit Fanny Fischer, der Nichte der erfolgreichen Kanutin Birgit Fischer, war ebenso erfolgreich wie vier Jahre zuvor und holte Gold. Auch im Judo überzeugte Ole Bischof und sicherte so eine weitere Goldmedaille für Deutschland. Am letzten Olympiatag erkämpften sich die Feldhockey-Männer die letzte Goldmedaille für Deutschland und feierten nun nach den Damen 2004 in Athen den Olympiasieg.
Mit einer großen Feier am 24. August 2008 übergaben die Organisatoren Pekings die Olympische Flagge an Großbritannien, wo die Spiele 2012 stattfinden werden. „Die besten Olympischen Spiele aller Zeiten“, so nennt der ehemalige Präsident des internationalen olympischen Komitees (IOC), Juan Samaranch, die Wettkämpfe in China. Der aktuelle IOC-Präsident Jacques Rogge sprach hingegen von „außerordentlichen Spielen“. Aber es gibt auch weiterhin kritische Stimmen. „Der Sport lebt mit zwei großen Lebenslügen“, sagt Thomas Bach, einer der vier IOC-Vizepräsidenten. „Die eine Lüge ist“, erläutert Bach, „dass Sport nichts mit Geld zu tun hat, und die andere, dass er nichts mit Politik zu tun hat. Beides führt zu unnötigen und manchmal unseligen Debatten.“ In Peking haben vielleicht die glanzvollsten Spiele seit langem stattgefunden. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass der Blick nur auf die glorreichen Sportstätten gerichtet war. Das Leben in Peking ging wie gewohnt seinen Gang und der ist immer noch von einem starken Überwachungsregime geprägt, das Menschen, die nicht ins Bild passen, einfach aussortiert.
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