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Schwangerschaftsschutz als reine Frauensache – damit könnte in Zukunft bald Schluss sein. Wissenschaftler arbeiten daran eine Verhütungsmethode zu entwickeln, die nun das vermeintlich starke Geschlecht in die Verantwortung nimmt. Life-Go möchte Sie hier über den neuesten Stand der Forschung informieren.
Die Suche nach einem zuverlässig verhütenden Mittel für den Mann gestaltet sich etwas schwieriger. Während bei Frauen grundsätzlich der einmal im Monat stattfindende Eisprung unterdrückt werden muss, ist bei Männern zu beachten, dass ihre Spermien 70 Tage reifen. In den Hoden befinden sich also Spermien in verschiedenen Entwicklungsstadien. Sie alle müssen befruchtungsunfähig gemacht werden. Das kann durch eine Einschränkung der Produktion und Reifung oder durch eine Störung ihrer Beweglichkeit geschehen.
Seit dem Jahr 2002 wurde in Deutschland unter anderem von den Unternehmen „Bayer Schering Pharma“ und „Organon“ an der Entwicklung einer geeigneten Hormonkombination gearbeitet. Sie bestand in den Testphasen aus dem weiblichen Sexualhormon Gestagen und dem männlichen Sexualhormon Testosteron.
Das Gestagen-Hormon ist für die eigentliche verhütende Wirkung zuständig. Es sorgt über die Produktion von Botenstoffen im Gehirn für eine Reduzierung der Spermienproduktion. Damit keine befruchtungsfähigen Spermien im Hoden verbleiben, muss das Hormon mindestens drei Monate lang eingenommen werden. Die Forscher verabreichten es in Form eines Hormonimplantats. Daher ist es auch nicht korrekt, von der „Pille“ für den Mann zu sprechen. Es wird jedoch in vereinfachender Analogie zur Anti-Baby-Pille häufig getan.
Die durch das Implantat erhöhte Gestagenzufuhr verringert die Testosteronproduktion. Das ist problematisch, da das Sexualhormon für den männlichen Körper eine große Bedeutung hat. Fehlt Testosteron, so verringern sich nicht nur die Potenz und das Lustempfinden beträchtlich, sondern auch der Muskelaufbau und die Knochendichte. Deshalb muss dem Mann alle drei Monate eine Testosteronspritze verabreicht werden.
Im April 2007 wurde in Großbritannien ein 12-monatiger Test durchgeführt. Die teilnehmenden Männer berichteten über enorme Stimmungsschwankungen. Ein bekannter britischer Journalist namens Clint Witchalls, der an den Testreihen teilnahm, beschreibt es so, dass sich sein Leben quasi in Phasen gliederte. Vor der Testosteronspritze fühlte er sich verunsichert, weinerlich, nachdenklich und in sich gekehrt. Nach der Spritze war er voller Tatendrang, Energie und sexuell sehr erregbar.
Die starken Nebenwirkungen für die Psyche der beteiligten Männer machten eher negative Schlagzeilen. Dabei soll die Wirkstoffkombination aus Spritze und Implantat zuverlässig gewirkt, das heißt die Spermienproduktion vermindert haben. Frauen stehen der Verhütung durch ihre Partner laut Umfragen, die Ende der neunziger Jahre durchgeführt wurden, mit gemischten Gefühlen gegenüber. Einerseits freuen sie sich mit 85 Prozent zu großer Mehrheit über die Entlastung, vor allem wenn sie bereits in langen, stabilen Partnerschaften leben.
Andererseits lässt sich das Misstrauen nicht vollkommen zurückdrängen. Nur knapp die Hälfte der befragten Frauen würde neuen Partnern auch glauben, dass sie eigenverantwortlich mit der Methode verhüten. Schließlich trägt das weibliche Geschlecht die Konsequenzen einer vergessenen Schwangerschaftsprävention durch den Partner überwiegend alleine.
Bayer Schering stellte im Jahr 2007 die Forschung an einem Verhütungsmittel für den Mann ein. Die Entwicklung für das Produkt, das erst im Jahr 2005 und dann im Jahr 2009 auf den Markt kommen sollte, ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Laut den Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist nicht bekannt, ob in Deutschland oder in anderen Ländern an weiteren Möglichkeiten geforscht wird.
Bisher ist die Prozedur einfach zu umständlich und stößt laut Umfragen auf eine zu geringe Akzeptanz beim männlichen Geschlecht. Das erscheint verwunderlich. Die Herren der Schöpfung haben möglicherweise nicht bedacht, dass es ihnen so selbst überlassen bleiben könnte, wem sie ihr Erbgut vermachen wollen. Frauen werden also weiterhin die Hauptverantwortung bei der Verhütung tragen.
Würden Sie als Mann verhüten beziehungsweise Ihren Partner verhüten lassen? Wir freuen uns auf Ihre Meinung im Life-Go-Forum!
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