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Studentenmangel in Deutschland?
14.09.2008 (J. Wagner)
Kategorie: Politik
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Wie der Wissenschaftsrat, das wichtigste Beratungsgremium von Bund und Ländern in der Hochschul- und Forschungspolitik, berichtet, nehmen immer weniger Schüler ein Hochschulstudium auf. Im Jahr 2002 beabsichtigten noch 72 Prozent der Abiturienten ein Studium aufzunehmen. Seit 2003 stieg die Zahl der Abiturienten sogar jährlich um etwa 4 Prozent an, dennoch bekundeten im Jahr 2006 nur noch 68 Prozent eine Studienabsicht.
Laut Peter Strohschneider, dem Vorsitzenden des Wissenschaftsrates, sollten mindestens 35 Prozent eines Altersjahrganges einen Hochschulabschluss erwerben. Das sei notwendig, um „langfristig Innovationskraft, gesamtgesellschaftliches Qualifikationsniveau und damit volkswirtschaftliches Wachstum zu sichern“. Doch aktuell liegt die Quote lediglich bei 22 Prozent.
Damit liegt Deutschland auch im internationalen Vergleich hinten. In anderen Industrienationen beginnen im Durchschnitt 54 Prozent aller Jugendlichen ein Studium, hier sind es nur rund 37 Prozent. Doch es gibt einen kleinen Hoffnungsschimmer. Zum Wintersemester 2007/ 2008 haben sich erstmals seit 2003 wieder mehr Studenten als im Vorjahr eingeschrieben.
Peter Strohschneider sieht die Ursachen in Finanzierungsproblemen. Besonders Schüler aus einkommensschwachen Familien haben es schwer, das Geld für ein Studium aufzubringen. Die in sechs Bundesländern eingeführten Studiengebühren verschärfen das Problem zusätzlich. Zudem ist es durch das neue Bachelor-Master-Modell schwierig geworden, nebenher den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Studenten stehen zum einen unter hohem Leistungsdruck und zum anderen sind die Präsenz-Anforderungen gestiegen.
Weitere Gründe könnten in der Ausweitung der örtlichen Zulassungsbeschränkung (Numerus Clausus) und bei Problemen mit den Bewerbungsverfahren liegen. Viele Schüler werden möglicherweise von vornherein durch die verlangten Notendurchschnitte abgeschreckt. Wer sich an mehreren Hochschulen beworben hat, kann durch die aufwändigen Eignungstests oder Vorstellungsgespräche leicht überfordert sein. Zudem werden die Kosten für die Anreise zu den entsprechenden Auswahlverfahren der verschiedenen Universitäten in den seltensten Fällen übernommen.
Zusätzlich müssen mehr Studienplätze geschaffen und die Qualität der Lehre verbessert werden. Häufig fehlt es aufgrund der Unterfinanzierung der Hochschulen an guten Studienbedingungen. Sie sind jedoch notwendig, um die Ausbildung zügig und erfolgreich abzuschließen. Der Wissenschaftsrat fordert daher über eine Milliarde Euro mehr pro Jahr für die Hochschulen.
Doch auch die Professoren sind in die Pflicht genommen. Sie betrachten häufig ein Engagement in der Lehre als zusätzliche Arbeitsbelastung und konzentrieren sich eher auf die Forschung, welche mehr Gelder einbringt. Eine gute Lehre ist jedoch Voraussetzung für motivierte Studenten und verhindert unnötige Studienabbrüche. Als Anstoß für die Professoren soll ein „Nationaler Lehrpreis“ geschaffen werden und bei ihrer Berufung zukünftig auch die Lehrqualität berücksichtigt werden.
Schließlich sollte sich die Politik durch die aktuellen Zahlen ebenfalls beunruhigt sehen. Es ist dringend notwendig, dass mehr Geld in die Ausbildung der Jugendlichen investiert wird. Gerade der Fachkräftemangel lastet schwer auf den Unternehmen und damit auch auf der Zukunft Deutschlands.
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