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Spätes Mutterglück


17.09.2008 (C. Herdeanu) Kategorie: Gesundheit

Bild: www.pixelio.de

Ab dem 35. Lebensjahr steht bei schwangeren Frauen der Vermerk „Risikoschwangerschaft“ im Mutterpass. Tatsächlich ist mittlerweile jede Deutsche über 35 Jahre alt, wenn sie ihr erstes Kind bekommt. In den 80er Jahren wurde nur eine von hundert Frauen im fortgeschrittenen Alter zum ersten Mal Mutter. Mit Beginn der 90er Jahre hat sich der Anteil von Spätschwangerschaften fast verdreifacht.

Die Gründe für die Entwicklung hin zu späten Schwangerschaften sind unterschiedlich. Zum einen wird die Mutterrolle von jungen Frauen nicht mehr so selbstverständlich angenommen, da sich für sie viele Möglichkeiten für einen beruflichen Aufstieg bieten. Zum anderen ist die Suche nach einem geeigneten Partner und somit Kindesvater nicht immer erfolgreich. Deshalb werden andauernde Partnerschaften und/oder Ehen tendenziell immer später eingegangen, so dass sich auch die Entscheidung für ein Kind freiwillig oder unfreiwillig weiter nach hinten verschiebt. Ein weiterer wichtiger Grund, der wohl auch das Bedürfnis nach finanzieller Unabhängigkeit bestärkt, ist die hohe Scheidungsrate. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass eine eingegangene Lebenspartnerschaft ein ganzes Leben hält.

Wenn sich die äußeren Umstände dann endlich mit dem Bedürfnis nach einem Kind vereinbaren lassen, erscheinen neue Probleme auf der Bildfläche. Die natürliche Fruchtbarkeit der Frau nimmt ab dem 30. Lebensjahr allmählich ab. Die größte Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden besteht zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr und beinhaltet pro Zyklus eine Chance von circa 30 Prozent. Mit 35 Jahren liegt sie nur noch bei 15 Prozent und bis zum 40. Lebensjahr sinkt sie weiter auf circa 10 Prozent ab.

Dem gegenüber steigen die Risiken für Mutter und Kind. Ältere Frauen leiden beispielsweise häufiger an Bluthochdruck und Diabetes. Beides kann entweder durch chronische Vorerkrankungen bedingt sein oder aber erst während der Schwangerschaft auftreten. Wird die Diagnose durch den Arzt rechtzeitig gestellt, so können die Krankheiten jedoch erfolgreich behandelt werden. Ist dies nicht der Fall, kann es zu schweren Komplikationen sowohl für die Schwangere als auch für das Ungeborene kommen.

Je älter die werdende Mutter ist, desto größer wird das Risiko einer Chromosomenfehlbildung für das Kind. Die bekannteste dieser Mutationen ist die so genannte Trisomie 21. Hierbei besitzt das Kind das 21. Chromosom nicht wie gewöhnlich zwei- sondern dreimal. Dies hat sowohl körperliche als auch geistige Behinderungen zur Folge, mit denen das Kind und seine Eltern ein Leben lang zu kämpfen haben.

Ebenso kann es passieren, dass das Kind während der letzten Periode der Schwangerschaft über die Plazenta (Mutterkuchen) nicht mehr mit ausreichend Nährstoffen versorgt wird. Die Situation kann sich so weit zuspitzen, dass die Geburt künstlich eingeleitet werden muss, um Kind und Mutter nicht weiter zu gefährden. Außerdem kann es im letzten Drittel der Schwangerschaft wegen Störungen der Plazenta zu Blutungen kommen.

Außerdem steigt die Gefahr einer Fehlgeburt, die sich besonders häufig in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft ereignet. Die Schwangeren bemerken dies oft selbst nicht. Etwa 10 Prozent der schwangeren Frauen unter 30 Jahren erleiden eine spontane Fehlgeburt. Unter den schwangeren Frauen um die 40 sind es bereits 30 Prozent und ab dem 45. Lebensjahr sogar 50 Prozent.

Rechtzeitige und regelmäßige Untersuchungen sind unabhängig vom Alter wichtig für eine sichere Schwangerschaft. Achtet die werdende Mutter zusätzlich auf eine gesunde Lebensweise und sucht bei eventuellen Beschwerden sofort den Arzt auf, können auch ältere Frauen die Wahrscheinlichkeit auf einen normalen Schwangerschaftsverlauf erhöhen. Die möglichen Risiken sind natürlich nicht außer Acht zu lassen. Es bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass es sich bei jeder Schwangerschaft im höheren Alter um eine Risikoschwangerschaft handelt.

Das hohe Alter einer Frau kann aber auch auf sozialer Ebene zu einer Belastung für die Familie werden. Spätschwangerschaften sind zwar mittlerweile viel häufiger, trotzdem aber noch nicht der Normalfall. Eine Schwangere im hohen Alter hat immer eine Sonderrolle inne, was auf die Dauer belastend für sie werden kann. In Einzelfällen ist die Akzeptanz der Schwangerschaft durch die Umgebung nicht gesichert, was besonders in konservativ eingestellten ländlichen Gegenden zum Problem werden kann.

Auch nach der Geburt besteht die Gefahr, dass die Frau sich nicht akzeptiert und integriert fühlt, besonders von den Müttern anderer Kinder. Hinzu kommt, dass zwischen Eltern und Kind ein großes Generationsgefälle besteht, welches Konfliktpotential mit sich bringen kann. Dagegen kann die größere Lebenserfahrung der Mutter von Vorteil sein. Gibt es bereits ältere Geschwister, können die Eltern auch aus diesen Erfahrungen für die Erziehung des Neugeborenen profitieren

Viele der so genannten Risikoschwangerschaften verlaufen jedoch ohne Probleme. Einer der Gründe dafür ist, dass ältere Frauen mit ihrer Schwangerschaft besonders sorgsam umgehen: Kontrolltermine werden eingehalten, die Ernährung umgestellt, Suchtmittel wie Alkohol und Zigaretten weggelassen und Stress vermieden. Außerdem sind ältere Frauen wegen ihres größeren Erfahrungsschatzes häufig ruhiger und gelassener. Meist haben sie sich beruflich bereits verwirklicht und warten nun auf ihr Wunschkind. Die größere Zufriedenheit der Mutter wirkt sich entsprechend positiv aus.



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