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Ab dem kommenden Jahr soll die Reeperbahn in Hamburg komplett videoüberwacht werden. Innensenator Udo Nagel stellte das bereits in den letzten Monaten entwickelte Überwachungskonzept vor. Ausschlaggebend war eine Messerattacke, bei der auf dem Hamburger Kiez dreizehn Hamburger zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden.
Ebenso soll auch der Hansaplatz und der S-Bahnhof Bergedorf mit Kameras ausgestattet werden. Die zwölf Kameras, die eingesetzt werden sollen, sind hochmodern, das heißt, sie sind wendig und sehr präzise, was ihre Bildqualität betrifft. Selbst bei Dunkelheit lassen sie deutliche Bilder entstehen. Die Polizeibeamten der Hansestadt könnten jedes Geschehen auf der Roten Meile über eine Videowand mit 16 Einzelmonitoren verfolgen. Die Reichweite der Zoom-Objektive beträgt hundert Meter und mehr.
Udo Nagel sagte dazu, dass es darum gehe „die Reeperbahn als Visitenkarte Hamburgs sicherer zu machen“. Gegen die negativen Stimmen, die durch den Glauben, einige Menschen könnten durch die Kameras abgeschreckt werden, aufkamen, sagte Nagel, dass es so genannte „private zones“ geben werde, in die keiner Einsicht bekomme. Er sicherte zu, dass die Kameras keinerlei Einsicht in Häuser oder Geschäfte geben würden.
Der Hamburger Kiez ist der größte Kriminalitätsschwerpunkt in Hamburg. Die Zahl der Körperverletzungen stieg allein im vergangenen Jahr um etwa 19 Prozent. Von Mai 2004 bis April 2005 zählte die Polizei allein auf dem Kiez 757 Straftaten. Dies ist mehr als in allen anderen Teilen der Stadt. Ebenso stiegen die Rauschgiftdelikte in der Stadt um bis zu 15 Prozent.
Kritisiert wurde das Vorhaben Udo Nagels von dem Hamburger Datenschutzbeauftragten Hartmut Lubomierski. Er erklärte, dass die Überwachung mit Videokameras kein Allheilmittel sei. Kriminalität sollte nicht nur überwacht, sondern verhindert werden. Lubomierski halte eine zusätzliche Polizeistaffel an den lokalen Brennpunkten der Reeperbahn für wesentlich effektiver. Die Überwachung mit Kameras führe, so sagte er weiter, nur zu einer örtlichen Verdrängung und Verlagerung der Kriminalität.
Von den Menschen, die auf dem Hamburger Kiez arbeiten, wird das Vorhaben ebenfalls stark kritisiert. Ein Kellner sagte dem Hamburger Abendblatt: „Hier passiert am wenigsten, weil viel zu viel Betrieb ist. Die Leute werden doch in den Nebenstraßen fertig gemacht.“
Des Weiteren wurde das Argument vorgebracht, dass es selbst in London, wo die wohl größte Kameradichte Europas herrscht, zu Kriminalität und sogar Terroranschlägen kommt.
Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel fordert hingegen eine noch größere Ausdehnung der Videoüberwachung in Deutschland. Zu den Anschlägen in London sagte sie: „Die Londoner hätten ihre Terroristen nie gefasst, wenn sie keine Videokameras in den U-Bahn-Eingängen gehabt hätten. Was in London geht, muss auch in Deutschlang gehen.“ Den Erfolg durch Videoüberwachung nannte Bundesinnenminister Otto Schily in Zahlen. Es seien durch derartige Überwachungen im vergangenen Jahr über 700 Straftaten festgestellt worden, von denen 411 komplett aufgeklärt werden konnten.
Wie es in Zukunft mit der Kriminalität auf der Hamburger Reeperbahn aussehen wird, bleibt abzuwarten. Es wird aber einiges daran getan, der Stadt einen kriminalitätsfreieren Ruf zu geben, auch wenn sie wohl niemals komplett von Gewalt und Drogen befreit werden kann.
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