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Erdgaskavernen im Rheiderland: Naturschutz versus Energieversorgung


19.09.2008 (J. Richter) Kategorie: Panorama

Bild: www.life-go.de

Das Rheiderland ist ein wahres Naturparadies. Das Vogelschutzgebiet am Unterlauf der Ems liegt nahe der deutsch-niederländischen Grenze. Seine Wiesen sind als einzigartige Vogelquartiere bekannt. Vor allem verschiedene Gänsearten wie Nonnen-, Bless-, Grau- und Saatgänse fühlen sich dort wohl. Jährlich überwintern hier etwa 70.000 arktische Wildgänse. Die meisten von ihnen suchen sich ihren Schlafplatz am Dollart. Dabei handelt es sich um eine Brackwasserbucht, die aus einer Mischung aus Salz- und Süßwasser besteht und die Ems mit der Nordsee verbindet. Tagsüber fliegen sie umher und suchen auf den Grasländern nahe des Flusses nach Nahrung.

Gegenwärtig droht diesem Vogelparadies jedoch die Zerstörung und schon binnen kurzer Zeit könnte sich das Landschaftsbild grundlegend verändern, denn nicht nur Vögel und Naturliebhaber finden Gefallen an der Gegend, sondern auch Energieunternehmen. Bereits in den nächsten Jahren könnten Bohrtürme und Betriebsanlangen auf den Wiesen stehen, Flächen versiegelt und der einzigartige Naturraum so stark verändert werden, dass die Vögel sich dort nicht mehr wohl fühlen können.

Die Energieunternehmen EWE (ehemals Energieversorgung Weser-Ems AG) und Wingas sind weniger an der Landschaftsoberfläche als vielmehr an dem, was in 1,5 Kilometern Tiefe ruht, interessiert. Hier lagern riesige Salzstöcke, die sich vor Jahrmillionen herausgebildet haben und sich aufgrund der Löslichkeit des Salzgesteins hervorragend als Erdgasspeicher anbieten. Dazu muss der Salzstock angebohrt und dann ausgeschwemmt (ausgesolt) werden, so dass unterirdisch große Hohlräume, so genannte Kavernen, entstehen. Insgesamt sollen etwa 30 Höhlen im Rheiderland geschaffen werden.

Benötigt werden die Kavernen, weil die internationalen Pipelines kontinuierlich die gleiche Menge an Erdgas liefern, die Nachfrage jedoch nicht immer gleich hoch ist. In Zeiten mit erhöhtem Erdgasbedarf, wie etwa während der Wintermonate, sind zusätzliche Speicher nötig, um die Nachfrage zu decken. In Deutschland existiert bereits eine große Zahl solcher Depots. Insgesamt werden zwei Arten der unterirdischen Erdgasspeicherung unterschieden: Die bereits erwähnten Kavernenspeicher, welche in tief liegenden Hohlräumen angelegt werden und die so genannten Porenspeicher, bei denen das Erdgas in grobporige Gesteine (wie etwa Sandstein oder Kalkgestein) eingeleitet wird, welche dann als Erdgasfallen fungieren.

Im Rheiderland sollen die Salzstöcke mit dem Flusswasser der Ems ausgesolt werden, damit die vorgesehenen Kavernenkapazitäten entstehen können. Das ist jedoch nicht ganz unproblematisch. Zum einen muss der Ems dafür Wasser entnommen werden, so dass es im ungünstigen Fall kurzfristig zu Grundwasserabsenkungen kommen könnte, zum anderen ist das zuvor eingeleitete Süßwasser der Ems nach dem Aussolungsprozess stark salzhaltig. Aus diesem Grunde soll es dem Fluss nicht sofort wieder zugeführt werden. Statt dessen wird es zunächst in unterirdischen Kanälen (Soletransportleitungen) fließen und erst weiter nördlich, nahe der Ortschaft Ditzum, kurz bevor die Ems in die Brackwasserbucht des Dollart mündet, wieder in den Fluss eingeleitet werden.

Der Naturschutzbund klagt gegen das Vorhaben der Energieversorger. Er fürchtet zum einen, dass an der Einleitungsstelle des solehaltigen Abwassers der Salzgehalt stark ansteigen wird und durch Strömungen auch die Fisch- und Kleintierfauna der Unterems zerstört werden könnte. Zum anderen ist er um die Rastplätze der arktischen Wildgänse im EU-Vogelschutzgebiet besorgt. Die Bauwerke würden die Naturlandschaft stark verändern. Zudem könnte auch die nächtliche Ausleuchtung des Gebietes störend für die Vögel sein. Der Naturschutzbund erhofft sich durch seine Klage einen Baustopp. Nur so könnten die entsprechenden Gebiete in ihrer Einzigartigkeit erhalten und ihre wertvollen Lebensräume geschützt werden.



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