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Deutschland 2100 - Ein Klimaalptraum


26.09.2008 (A. Zeuschner) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.sxc.hu

Die klimatische Zukunft Deutschlands sieht nach Angaben des Max-Planck-Instituts für Meteorologie nicht sehr rosig aus. Im Auftrag des Bundesumweltamtes wurde eine Studie über die Folgen des so genannten Klimawandels erarbeitet. Nach Angaben der Untersuchung wird sich die Durchschnittstemperatur in Deutschland in den nächsten 100 Jahren um etwa 2,5 bis 3,5 Grad Celsius erhöhen. Was sich auf dem Papier zunächst nicht so dramatisch anhört, hat weit reichende Konsequenzen für die Zukunft Deutschlands. Der Süden und der Osten werden am meisten unter den klimatischen Entwicklungen leiden.

Bis zum Jahr 2031 ist in den Mittelgebirgen keine Schneedecke mehr vorhanden. Die Alpengletscher werden zu diesem Zeitpunkt bereits fast 80 Prozent ihrer heutigen Masse eingebüßt haben. Die Winter sind dann fast ausschließlich mild und regnerisch. Die Schneedecke kann sich nicht mehr zurückbilden. Eine Folge daraus ist der Anstieg des Meeresspiegels und der Flusspegel. An Nord- und Ostsee wird die Gefahr von Hochwasser und Sturmfluten stark zunehmen. Für die Elberegion werden zudem verstärkt Überschwemmungen erwartet.

Weiterhin ist besonders im Sommer mit immer stärkeren Gewitter- und Regenschauern zu rechnen. Besonders wird der Süden Deutschlands betroffen sein. Hagel- und Sturmschäden werden beträchtlich zunehmen. Die Niederschläge lassen das Überschwemmungsrisiko hier deutlich ansteigen. Das gegenwärtig bestehende Entwässerungssystem wird den Regenmassen nicht mehr gewachsen sein.

Eine weitere Folge der Erwärmung werden längere und heißere Hitzeperioden sein. Experten rechnen besonders für den Ostteil Deutschlands mit weit reichenden Folgen für die Bauern. In den Sommermonaten werden in verstärktem Maße Wald- und Wiesenbrände auftreten. Außerdem sind vertrocknete Ernten und hitzebedingte Schädlinge zu befürchten. Sie können dem Landwirtschaftssektor erheblichen Schaden zufügen. Der Grundwasserspiegel wird hier zudem drastisch absinken.

Der Klimawandel wirkt sich aber auch positiv auf Deutschland aus. So wird besonders der Sommertourismus an Nord- und Ostsee von den längeren und intensiveren Hitzeperioden profitieren. In der Mitte der Bundesrepublik kann die Landwirtschaft das warme und feuchte Klima ausnutzen. Zum einen werden die Getreideernten ertragreicher werden. Zum anderen verlagern sich die Anbaugebiete zum Beispiel von Wein aus dem Mittelmeerraum weiter nach Norden. Das wirkt sich positiv auf die Wirtschaft in der Mitte und im Süden Deutschlands aus.

Insgesamt überwiegen jedoch die Nachteile die Vorteile. Allein die finanziellen Belastungen, die durch den Klimawandel entstehen könnten, werden gegenwärtig auf 800 Milliarden Euro geschätzt. Die Summe setzt sich gleichwertig aus den Kosten für die entstandenen Schäden, den gestiegenen Energiebedarf und die Anpassungskosten zusammen.

Während der Hitzeperioden wird in den Flüssen nicht genug Wasser vorhanden sein, um Kraftwerke mit ausreichend Kühlwasser zu versorgen. Daher muss zusätzlich Energie aufgewendet werden, um den Betrieb der Kraftwerke aufrecht zu erhalten. Außerdem gefährden die Klimaextreme eine kontinuierliche Energieversorgung, was zusätzlich zu einem Anstieg der Energiekosten führen wird. Die Anpassung an den Klimawandel wird zudem erhebliche Kosten verursachen. Allein die Erhöhung und Festigung der Deiche bewirkt Anpassungskosten von 46 Millionen Euro.

Ein Bekämpfen des Klimawandels wird in Deutschland bereits seit einigen Jahren betrieben. Da sich das Klima jedoch nur langsam zum Positiven wie zum Negativen entwickelt, müssen verstärkt Anpassungskonzepte entwickelt werden. Trotz Emissionsreduktion ist jedoch mit einer Reihe von Klimafolgen zu rechnen, weil viele Aktionen zu spät erfolgen.

Daher gilt es, die bestehenden regionalen Handlungsansätze zu vereinen und ein gesamtdeutsches Konzept zu Gefahrenabwehr zu entwickeln. Wichtig ist hierbei die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und der Forschung. Nur zuverlässige Vorhersagemodelle können eine effektive Handlungsweise nach sich ziehen. Die Folgen des Klimawandels sind größtenteils nicht mehr vermeidbar. Daher bedarf es einer frühzeitigen Anpassungspolitik, um auf alle zukünftigen Entwicklungen so gut wie möglich vorbereitet zu sein.



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