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Weltbilder erschüttert - Frauen können Mathematik


28.09.2008 (N. Karnal) Kategorie: Wissenschaft

Bild: www.pixelio.de

Unsere Gesellschaft blickt auf eine Geschichte der Männer zurück. Galileo, Einstein, Pythagoras und Newton – sie alle waren große Mathematiker, Physiker und eben Männer. So sind Klischees, dass Frauen in Mathematik und allgemein in Naturwissenschaften schlechter abschneiden als Männer nicht verwunderlich. Erst 2008 fanden sich mehrere Wissenschaftler, die verschiedene Aspekte der Aktualität und Relevanz dieser Vorurteile untersuchten.

Die Psychologin Dr. Petra Jelenec von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena (Thüringen) testete verbreitete Geschlechterstereotype unter Kindern und Jugendlichen. In einem ersten Test wurden insgesamt 535 Schüler der vierten Grundschul- und siebten bis neunten Gymnasialklasse befragt, ob sie Mathematik und Deutsch spontan mit dem Geschlecht verknüpfen. Hierbei assoziierten die Mädchen die Schulfächer im Allgemeinen stärker mit einem speziellen Geschlecht als die Jungen.

Bei einem zweiten Test ging die Psychologin dem näher auf den Grund. Von den befragten 200 Schülern der neunten Klasse verbanden die Jungen sowohl Mathematik als auch Deutsch mit dem eigenen Geschlecht und trauten den Mädchen keines von beidem zu. Mädchen assoziierten Sprache mit dem eigenen Geschlecht, Mathematik hingegen mit keinem. So zeigte sich, dass schon unter Schülern Klischeedenken verbreitet ist, welches aber häufig von der Umwelt, Eltern, Lehrern und Schulkameraden übernommen wird. Viele Schülerinnen lassen sich durch diese Sichtweise in ihrem Vertrauen auf ihre schulischen Leistungen sowie in der Studien- oder Berufswahl beeinflussen. Sie folgen eher dem Klischee als den Interessen beziehungsweise Fähigkeiten.

Dass die bestehende Unterpräsenz von Frauen in Technik- oder Ingenieurberufen wirklich auf Vorurteile und Geschlechterstereotype beruht, bewies vor kurzem Janet Hyde von der Wisconsin-Madison Universität (Wisconsin, USA). Ihre Studie verglich Noten aus Mathematikprüfungen von sieben Millionen acht- bis 17-jährigen Schülern aus zehn US-Staaten und konnte fast keine Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen feststellen. Die Differenz von 0,01 bis 0,06 Prozent ist minimal, statistisch gesehen gleich Null.

Tatsächlich entspringen reale Unterschiede kulturellen und nicht, wie heutzutage häufig behauptet, biologischen Differenzen. Die Wirtschaftsprofessorin Paola Sapienza von der „Kellog School of Management“ an der Northwestern Universität (Illinois, USA) benutzte die Ergebnisse von 276.000 Schülern aus 40 Ländern, die im Jahr 2003 an der Pisa-Erhebung teilgenommen hatten. Gemeinsam mit ihrem Team ging sie dem Vorurteil der männlichen mathematischen Überlegenheit auf den Grund. Die Mädchen schnitten im Lesen etwa 32,7 Punkte (6,6 Prozent) besser ab als die Jungen, in Mathe im Durchschnitt 10,6 Punkte schlechter.

„Die sogenannte Kluft zwischen den Geschlechtern bei mathematischen Fähigkeiten scheint zumindest teilweise mit Umweltfaktoren im Zusammenhang zu stehen“, so Paola Sapienza. „In Ländern, in denen Männer und Frauen gleichwertigen Zugang zu Ressourcen und Möglichkeiten haben, existiert diese Kluft nicht.“, so die Professorin weiter. Das heißt, mit zunehmender Gleichberechtigung der Frauen im jeweiligen Land, steigt auch ihr mathematisches Potential. In der Türkei war der Unterschied zwischen den Leistungen am größten, in Schweden fast nicht mehr vorhanden und in Island erzielten die Mädchen sogar bessere Ergebnisse als die Jungen. Die Lesefähigkeit der Mädchen bleibt in allen Ländern besser, nur der Vorsprung zu den Jungen wird in Gesellschaften mit zunehmender Gleichberechtigung immer größer.

Vielleicht werden diese Studien dazu beitragen Vorurteile und Geschlechterstereotype verschwinden zu lassen oder gar für eine verbesserte Gleichberechtigung der Frauen sorgen. Doch bleibt vorerst vermutlicht zu viel erwartet. Dennoch sollten die Wissenschaftler weiterforschen. Es bleibt abzuwarten, worin Frauen Männer noch übertrumpfen können.



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