|
Große Tropfen prasselten gegen mein Fenster und das Zimmer wurde trotz des frühen Nachmittags dunkel. Ein wenig müde stand ich von der Couch auf und suchte die Streichholzschachtel. Es dauerte etwas, denn ich hatte sie seit meinem Geburtstag vor vier Monaten nicht mehr benutzt und in irgendein Schubfach gelegt. Endlich fand ich sie. Der Inhalt war jedoch ernüchternd, nur drei Streichhölzer befanden sich noch darin. Trotzdem zündete ich die vielen Kerzen in meinem Zimmer an. Daraufhin wurde der Raum in einen goldigen Ton getaucht, was ein wohlig warmes Gefühl in mir auslöste. Zufrieden setzte ich mich wieder und schlug mein Buch auf.
Ich schätzte, dass ich noch eine gute Stunde mit dem Buch beschäftig sein würde, obwohl mich der Inhalt nicht mehr reizte. Bereits in der Mitte des Buches hatte ich herausgefunden, wer der Mörder von Miss Juni war und auch die Liebesgeschichte von Ben und Jessy langweilte mich. Warum las ich nur dieses Buch? Teilnahmslos schlug ich es zu und stand wieder auf.
Was nun? Nichts reizte mich. Meine Freunde waren nicht da, im Fernsehen liefen nur Talkshows und aufgrund des Wetters bot sich ein Spaziergang nicht gerade an. Allerdings sahen das wohl nicht alle so, denn draußen liefen einige Leute durch die Straßen. Sie sahen glücklich aus und die bunten Regenschirme stimmten auch mich fröhlich. Warum sie wohl draußen waren?
Der Mann im schwarzen Anzug mit passendem Schirm kam sicherlich von der Arbeit und hatte es anscheinend sehr eilig. Die Pfütze, in die er gerade trat, kam ihm da wohl sehr unpassend. Schockiert betrachtete er seine nassen Schuhe. Währenddessen lief eine Gruppe Kindergartenkinder auf der anderen Straßenseite entlang. Sie kamen vermutlich vom Spielplatz. Die Erzieherin trieb sie zur Eile an. Vergebens! Die Kleinen hüpften in jede Pfütze und rannten wild durcheinander. In ihren roten, grünen und gelben Regenmänteln sahen sie sehr witzig aus. Der Gruppe folgte ein junges Pärchen, das sich eng umschlugen unter einem großen Regenschirm drängte. Für sie war es egal, ob die Sonne schien oder ob es regnete.
Am Horizont sah ich einen roten Streifen. Ein gutes Zeichen dafür, dass die Sonne so kurz vor dem Untergang doch noch auftauchte. „Jetzt oder nie“, sagte ich zu mir. Fest entschlossen die letzten Sonnenstrahlen zu genießen, zog ich mich vom Fenster zurück und holte meine Jacke vom Flurständer. Schnell löschte ich noch die Kerzen und während sich der Rauch in Schleifen durch mein Zimmer zog, fiel die Tür zu, als ich die Wohnung verließ.
Im Hauseingang war es noch schwül von den letzten warmen Sommertagen. Jedoch strömte kalte Luft durch die Eingangstür, in der mein Nachbar stand und sich von seiner Freundin verabschiedete. Mit einem kurzen Nicken begrüßten wir uns und gingen dann wieder eigenen Gedanken nach. Draußen hatte der Regen aufgehört und das Rot der Sonne tauchte die Umgebung in feurige Farben.
|