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Die verschiedenen Armutsbegriffe: Absolute und relative Armut
Was bedeutet Armut? Gilt schon derjenige als arm, der sich keine Urlaubsreise leisten oder wer seinen Dispositionskredit überzieht? Der Begriff Armut ist komplex und kann, von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet, unterschiedliche Bedeutungen haben. Zunächst einmal werden die absolute und relative Armut unterschieden. Erstere bezeichnet ein Leben am Rande des Existenzminimums, das sich durch einen erheblichen Mangel an notwendigen und lebenswichtigen Gütern auszeichnet. Dazu gehören etwa Nahrung, Kleidung und eine Wohnung. Vor allem in den Entwicklungsländern leben viele Menschen unter der absoluten Armutsgrenze.
Hierzulande hat sich der Staat zur Pflicht gemacht, eine Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen und dafür aufzukommen. So sind die meisten Bundesbürger mit den wichtigsten lebenserhaltenden Gütern versorgt. Dennoch gibt es auch in Deutschland Armut. Für eine Definition ist jedoch hier der Begriff der sogenannten relativen Armut zu nennen, der den Vergleichsaspekt berücksichtigt. Als arm gilt demnach, wer im Verhältnis zu einem mittleren Einkommen deutlich weniger verdient. Dieser Wert kann entweder als arithmetisches Mittel oder als Medianwert berechnet werden, wobei bei letzterem extrem hohe und niedrige Werte weniger Gewicht haben und so ein realistischeres Bild entsteht.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert denjenigen als „arm“, dessen Einkommen geringer als die Hälfte des Medianeinkommens seines Heimatlandes ist. Die Europäische Union nimmt als Richtwert dagegen 60 Prozent des mittleren Einkommenswertes. Die Folgen der relativen Armut berühren vor allem den soziokulturellen Bereich. So sind für betroffene Menschen bestimmte Dinge wie etwa ein Urlaub, Kinobesuche und andere Aktivitäten unbezahlbar.
Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut
Um auf die Missstände, die Armut in jeder Form unweigerlich mit sich bringt, aufmerksam zu machen, findet jährlich am 17. Oktober der „Internationale Tag für die Beseitigung der Armut“ statt. Seine Einführung wurde 1992 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beschlossen und seitdem wird er in zahlreichen Ländern Jahr für Jahr begangen. Zentraler inhaltlicher Punkt ist gegenwärtig die Einhaltung der sogenannten Milleniumsziele bis zum Jahr 2015. Sie sind auf der UN-Milleniumserklärung von 2000 begründet worden und bestehen im Wesentlichen darin, die Armut auf der Welt zu bekämpfen und die Menschenrechte zu stärken.
Dabei werden acht Teilziele unterschieden: Bis zum Jahr 2015 soll die absolute Armut auf der Welt halbiert und für alle Kinder auf dem Globus eine Grundschulausbildung gewährleistet werden. Des Weiteren soll die Gleichberechtigung von Frauen gestärkt werden. Außerdem ist erklärtes Ziel, die Kindersterblichkeit von unter Fünfjährigen weltweit um zwei Drittel und die Sterblichkeitsrate von Müttern um drei Viertel zu senken. Weiterhin sollen HIV, Malaria und andere Krankheiten stärker bekämpft werden. Ein weiteres Augenmerk liegt zudem auf einem ökologisch nachhaltigeren Umgang mit der Umwelt. Daneben soll der Aufbau einer globalen Partnerschaft für eine positive Gesamtentwicklung bisher benachteiligter Nationen sorgen.
Der weltweite Aktionstag „Stand Up & Take Action“ fordert am 17. Oktober 2008 und den zwei folgenden Tagen dazu auf, dass Politiker gemachte Zusagen einhalten. Der Aktionstag wird von der UN-Milleniumskampagne und der „Global Call to Action against Poverty“ organisiert. Alle Veranstaltungen haben ein zeitgleiches symbolisches Aufstehen der Teilnehmer und das Verlesen der „Stand up“-Erklärung gemeinsam. Im Jahr 2007 nahmen insgesamt 43 Millionen Menschen an dem Ereignis teil – ein Weltrekord, dem ein Eintrag ins Guinessbuch folgte. Im Jahr 2008 schon soll mit Hilfe zahlreicher Events und Aktionen ein neuer „Stand up“-Rekord aufgestellt werden. Wer mitmachen möchte und interessiert ist, findet unter www.stelldichgegenarmut.de mehr Informationen zu diesem Thema.
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