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Wer hätte das gedacht? Der Kinoerfolg des Jahres in den USA ist erstens ein französischer Film, was ja schon bemerkenswert genug ist, und zweitens ein Dokumentarfilm. Hauptdarsteller - Pinguine!
In den USA spielte der Film 70 Millionen Dollar ein und wurde damit zum erfolgreichsten französischen Film aller Zeiten.
Doch worin liegt das Geheimnis des Erfolgs? Worin die Faszination? Ein Film über Pinguine?
Der Film erzählt in atemberaubenden Bildern vom eigentlich recht eintönigen Leben der Kaiserpinguine in der unwirtlichen eisigen Antarktis. Jedes Jahr im März verlassen sie in Scharen den schützenden Ozean, ihren eigentlichen Lebensraum, und machen sich auf die Reise zu ihren Brutplätzen im Landesinneren. Zum Teil legen sie dabei 200 Kilometer zurück, doch weder die schneidende Kälte, noch die Schneestürme können sie davon abhalten.
Nach der Balz, wenn sich die Paare gefunden haben, die für die Zeit einer Brutsaison zusammenbleiben werden, legt das Weibchen ein Ei und schiebt es vorsichtig dem Männchen zum Ausbrüten unter eine Hautfalte des Fußes. Wird das Ei dabei auch nur einige Sekunden lang der eisigen Witterung ausgesetzt, überlebt es nicht. Ist der Vorgang geglückt, watschelt das Weibchen den langen Weg zum Ozean zurück und widmet sich dem Fressen und der Erholung, während das Männchen ungefähr 60 Tage fast bewegungslos über dem Ei ausharrt und natürlich hungert!
Nach dem Schlüpfen des Kükens kehrt das Weibchen zurück und wieder erfolgt eine gefährliche Übergabe. Nun darf das Männchen endlich zum Ozean aufbrechen und auf Futtersuche gehen. Die Eltern wechseln sich bei der Aufzucht ihres Jungen ab, bis das Küken alt genug ist, sich selbst zu versorgen. Und immer wieder legen sie die gefährliche Strecke vom Brutplatz zum Ozean zurück. Das Küken macht inzwischen erste Gehversuche und verbringt seine Zeit im „Küken-Kindergarten“.
Der französische Biologe und Filmemacher Luc Jacquet dokumentiert in seinem Film ein Jahr im Leben der großen Kaiserpinguine am Rande der Antarktis. Sein Team verbrachte dazu 14 Monate in dem Basiscamp, der Dumont-D’Urville-Station. Nicht nur das Klima stellte an das gesamte Team besondere Anforderungen, auch das Filmen der Kolonie war extrem schwierig.
Jacquet: „Wenn man sich der Kolonie zu hastig nähert, besteht die Gefahr, dass die Pinguine aufschrecken und wegen eines kurzen Moments der Unachtsamkeit durch die Kälte bis zu 200 Eier zerstört werden können. Wir mussten uns unserer enormen Verantwortung ständig bewusst sein.“
So entstanden unter schwierigsten Bedingungen 120 Minuten Filmmaterial, aus denen dann 86 Minuten Film wurden. Die Tiere bekamen Stimmen, mit denen sie ihr hartes Leben selbst kommentieren. Neben dem Erzähler gibt es Mama-, Papa- und Kind-Pinguin.
Der Zuschauer nimmt so Teil an dem harten Leben der sympathischen Hauptdarsteller und kaum einer wird sich der enormen Begeisterung Jacquets für diese Tiere entziehen können.
Überraschende Reaktionen auf den Film
In den USA lieben besonders die konservativen religiösen Gruppen den Film, sehen sie doch in ihm eine Bestätigung für den Wert der Familie und der Treue. Allerdings unterschlagen sie, dass es auch homosexuelle Paare unter Pinguinen gibt und jedes Jahr ein neuer Partner gesucht wird. Sie vergleichen sogar die langen Märsche der Pinguine mit Moses Auszug aus Ägypten.
In Singapur werten Feministinnen den Pinguinfilm als Bestätigung für allein erziehende Eltern, da die Tiere eindrucksvoll zeigen, dass eine abwechselnde Aufzucht des Jungen zuerst durch das Männchen, danach durch das Weibchen, funktioniert.
Luc Jacquets Begeisterung über solche Vereinnahmungen seines Films halten sich eher in Grenzen. Er wollte einfach seine Faszination teilen, denn auch wenn nicht immer wie erwartet, sind die Kaiserpinguine doch in aller Munde und das Interesse an dem Film deutlich.
Die „Reise der Pinguine“ ist vor allem ein Film mit Herz für jeden, egal ob groß oder klein. Auch wenn er manchem ein wenig zu rührend oder zu „menschelnd“ sein wird, ist die Geschichte faszinierend, die Bilder spektakulär und das Leben der friedlichen Tiere in dieser unglaublichen Umgebung beeindruckend. Sehenswert eben und ein bisschen anders.
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