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Fußball und Gewalt - Krisengipfel soll Abhilfe schaffen!


28.10.2008 (P. Kohl) Kategorie: Sport

Bild: www.sxc.hu

Für viele Polizisten vergehen nur noch wenige Wochenenden ohne tumultartige Szenen. Gerade junge Beamte am Beginn ihrer Laufbahn werden in die sogenannten Hundertschaften eingeteilt, die immer häufiger dazu genutzt werden vor und nach Fußballspielen für Sicherheit zu sorgen. Die Einführung der Dritten Liga, die drei hochkarätig besetzten Regionalligen sowie die gestiegene Gewaltbereitschaft der Fußballfans stellen die Polizei dabei vor massive Probleme. So entstehen allein der Berliner Polizei jährlich Kosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro.

Jörg Radek, zuständiges Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Polizei (GdP), fordert Politik und Vereine zum Handeln auf. Eine erste Maßnahme soll dabei ein Gipfeltreffen zwischen der GdP, dem Deutschen Fußballbund (DFB), der Bahn und der Koordinierungsstelle Fan-Projekte sein. Jörg Radek weiter: „Wir wollen, dass unsere Kollegen weniger Einsätze haben und unversehrt nach Hause kommen.“

In der Saison 2006/2007 leistete die Polizei insgesamt 975.000 Arbeitsstunden für die Fußballvereine. Das entspricht der Jahresarbeitsleistung von 960 Polizisten, wie der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolg) Rainer Wendt vorrechnet. Seine Forderung die Vereine verstärkt in die finanzielle Pflicht zu nehmen, wird seitens der GdP und des DFB als rechtlich nicht durchsetzbar zurückgewiesen. Die Beteiligten berufen sich auf das Monopol der Polizei und deren Pflicht zum Schutz öffentlicher Veranstaltungen. Zudem bezahlte der Fußballbund zwischen den Jahren 2005 und 2007 65 Millionen Euro Steuern, an den Vereinen verdient der Staat jährlich etwa eine weitere halbe Milliarde. Müssten jetzt auch die Kosten für Polizeieinsätze vom DFB getragen werden, käme dies einer Doppelbesteuerung gleich, so der Generalsekretär des Deutschen Fußballbundes Wolfgang Niersbach.

Besonders die niedrigeren Spielklassen besitzen ein enormes Gewaltpotential. Bei gewalttätigen Ausschreitungen verfeindeter Fußballfans muss die Polizei auch häufig damit rechnen, dass sich die Gruppen gegen die Beamten verbünden. „Wenn Fußballer sogenannte englische Wochen haben, dann haben wir englische Jahre“, so Jörg Radek. Darunter verstehen Fußballfreunde die Wochen, in denen gleich mehrere Partien stattfinden.

Ein Vorschlag zu möglichen Maßnahmen kommt aus Berlin. Dort droht die Polizei die Spiele gerade in der Dritten Liga nicht mehr zu beschützen. Spielabsagen oder Partien vor leeren Rängen wären die Folge. Damit es so weit nicht kommen muss, sollen zunächst die Einlasskontrollen verschärft und lebenslange Stadionverbote ausgesprochen werden. Ebenso wichtig wie eine striktere und schnellere Arbeit der Justiz ist aber auch die Zusammenarbeit mit den Fanclubs an der Basis. Die Hoffnung besteht darin, so aufkommende Aggressionen schon im Keim ersticken zu können.



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