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„Früher war mehr Lametta!“ - Loriots 85. Geburtstag


15.11.2008 (E. Nitzsche) Kategorie: Kultur

Wer kennt den symphatischen Komiker Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow alias „Loriot“ nicht? Sätze aus seinen Sketchen und Filmen wie „Ich heiße Lose, ich kaufe hier ein“, „Mein Enkelkind hat alles was es braucht“, „Dann habe ich mein Jodeldiplom. Dann habe ich ’was eigenes“ oder „Ich bade immer mit meiner Ente!“ sind schon lange Kult.

Am Mittwoch dem 12. November 2008 feierte der in Brandenburg geborene Künstler seinen 85. Geburtstag. Selbst für „Loriot“-Fans gab es etwas zu feiern: Anlässlich des Jubiläums hatte das Museum für Film und Fernsehen in Berlin als Hommage eine Sonderausstellung von „Loriots“ Werken eröffnet. Bei der Eröffnung bewies der Künstler wieder einmal seinen Humor. Zu der Frage, ob es einen Unterschied zwischen Karikaturen und Kunst gäbe, antwortete er folgendes: „Sind Karikaturen Kunst? Der Unterschied ist: Der bildende Künstler schneidet sich gelegentlich ein Ohr ab, der Karikaturist nicht.“ So brachte der Komiker einmal mehr sein Publikum zum Lachen.

Die Sonderaustellung, welche drei Ausstellungsräume einnimmt, war bisher die größte des Hauses und ist noch bis zum 29. März 2009 in Berlin zu bewundern. Danach ist sie im Bonner Haus der Geschichte zu besichtigen, bevor sie auch im Ausland gezeigt werden soll. Für die Ausstellung stellte der Regisseur sogar sein privates Archiv zur Verfügung. Zu sehen sind unter anderem das berühmte rote, sowie grüne Sofa, auf dem „Loriot“ so viele Male alleine oder mit seiner verstorbenen Kollegin und Freundin Evelyn Hamann zu sehen war. Weitere Requisiten der Sketche sind leider nicht erhalten geblieben. Als einziges Unikat blieb der „Vertretermantel“ des „Lottogewinners“ übrig, welcher nun in der nachgestellten Lottoszene in der Ausstellung zu bewundern ist.

Da Vicco von Bülow selbst ein großer Dirigentenbewunderer ist, darf der Besucher in der Ausstellung zum Taktstock greifen und vor einem großen Spiegel dilettieren. Weiterhin sind viele Zeichnungen zu sehen sowie alle Sketche, deren Reihenfolge sich der Besucher selbst aussuchen darf. Die Auswahl besteht aus 73 Stunden Filmmaterial von Trickfilmen, Sketchen, Interviews und Talkshowauftritten. Eine Besonderheit sind die zwischen 2006 und 2008 entstandenen und noch nie veröffentlichten „Nachtschattengewächse“, auf denen Motive von zum Beispiel Pablo Picasso oder Salvador Dali zu sehen sind, doch mit „Loriots“ eigenen Note: der Knollennase. Entstanden sind die Bilder in schlaflosen Nächten des Künstlers.

Was ihm den Schlaf geraubt hatte, wollte der 85-Jährige nicht verraten. Doch Sorgen um seinen Erfolg werden wohl nicht der Grund gewesen sein. Es gibt wenige Menschen, die in ihrem Leben durchgehend so erfolgreich waren. Seine Karriere startete in den 50er Jahren, als er für „Stern“ und „Quick“ Karikaturen zeichnete. Es folgten endlos viele Radiosendungen und Sketche. Seine letzte Aufzeichnung wurde vor fünf Jahren anlässlich seines 80. Geburtstages gemacht. Bezüglich der Frage, wodurch „Loriot“ geprägt wurde, antwortete er im Jahr 2007: „Ich weiß, als ich anfing zu studieren wohnte ich zwischen dem Irrenhaus, dem Zuchthaus und dem Friedhof. Allein die Lage wird es gewesen sein, glaube ich.“

Durch seine einmalige Art den spießbürgerlichen, ordnungswütigen Deutschen auf die Schippe zu nehmen, wie in „Das Bild hängt schief“, fühlte sich nie jemand persönlich angegriffen. Sein Humor ist zeitlos. Schon 1977 erkannte das gezeichnete namenlose Ehepaar in einem seiner Sketche „Fernsehabend“ als ihr Bildschirm kaputt war, was Marcel Reich Ranicki erst vor kurzem entdeckte und schimpfte: „Gott sei Dank müssen wir nicht gucken.“

All die Auszeichnungen, wie das große Verdienstkreuz, Ehrenbürgerschaft in Brandenburg oder der Adolf Grimme-Preis – einer der renommiertesten Fernsehpreise in Deutschland, die Vicco von Bülow erhalten hat – unterstreichen nur die Einmaligkeit seiner Persönlichkeit. „Loriot“ zeigt, dass in jeder Alltagssituation etwas Absurdes steckt und bringt es äußerst humorvoll zum Ausdruck. Auch wenn wir nun nach Beendigung seiner Karriere keine neuen Werke mehr von dem Künstler erwarten können, wird er als Legende in unserer Erinnerung immer präsent bleiben.

Für eingefleischte Loriot-Fans und welche, die es noch werden wollen:

Loriots Homepage: www.loriot.de
Die Männer im Bad: de.youtube.com
Feierabend: de.youtube.com
Das Bild hängt schief: de.youtube.com



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