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Max Payne: Bauchlandung in Zeitlupe


20.11.2008 (T. Kaiser) Kategorie: Kultur

Videospiel-Adaptionen genießen keinen allzu guten Ruf in Hollywood. Es gilt, die hohen Erwartungen von Spielergemeinde und Filmfans gleichermaßen zu erfüllen. Erst im Oktober 2008 bewies der deutsche Regisseur Uwe Boll mit seiner missglückten Verfilmung von „Far Cry“ eindrucksvoll, dass beim Transfer vom Monitor auf die Kinoleinwand vieles schief gehen kann. Mit „Max Payne“ startete am 20. November 2008 ein weiterer Film mit digitalen Wurzeln in den deutschen Kinos. Regisseur und Drehbuchautor John Moore („Das Omen“) hat sich für seine Umsetzung des Spieleklassikers von 2001 viel vorgenommen, scheitert aber letztendlich an den eigenen Ansprüchen.

Dabei bietet die Geschichte um den gescheiterten Helden durchaus für Hollywood taugliches Material. Nach dem gewaltsamen Tod seiner Familie wird der New Yorker Polizist Max Payne (Mark Wahlberg, spielte den Bob Swagger im Action-Film „Shooter“) von schweren Schuldgefühlen geplagt und fällt in eine tiefe Depression. Um seiner inneren Hölle zu entfliehen, sieht der Ordnungshüter nur einen Ausweg: Rache. Auf der Suche nach dem Mörder gerät er an den Gangsterboss Jack Lupino (Amaury Nolasco, bekannt aus der TV-Serie „Prison Break“), der mit einer neuartigen Droge namens Valkyrie handelt. Als Max Payne den Zusammenhang zwischen dem verbotenen Suchtmittel und der Ermordung seiner Liebsten erkennt, startet er einen blutigen Feldzug gegen ein skrupelloses Unternehmen.

Neben der düsteren Atmosphäre und den spektakulären Schießereien, war es seiner Zeit die faszinierende Hauptfigur, die das Computerspiel von der breiten Masse abhob. Die seelischen Qualen des gebrochenen Mannes, der auf tragische Weise Frau und Kind verloren hat, wurden dem Spieler glaubhaft übermittelt. In John Moores Verfilmung ist davon allerdings nichts zu sehen. Mark Wahlbergs Darbietung lässt die Leidensgeschichte des Titelhelden nur im Ansatz erahnen. Der gebürtige Bostoner wirkt sichtlich bemüht, schafft es aber nicht, dem Charakter die notwendige Tiefe zu verleihen.

Dabei sollte sich „Max Payne“ gerade in der Darstellung menschlicher Abgründe von anderen Genre-Vertretern abgrenzen. Hier verschenkt der Film viel Potential. Auch die Nebendarsteller wissen nicht zu überzeugen. Beau Bridges („Stargate SG-1“) mimt den Bösewicht B. B. Hensley auffällig uninspiriert. Der Auftritt Mila Kunis’ („Nie wieder Sex mit der Ex“) als russische Auftragsmörderin Mona Sax wirkt an manchen Stellen sogar unfreiwillig komisch. Chris O’Donnell („Die Kammer“) macht als Jason Colvin seine Sache ordentlich, bekam aber nur eine Mini-Rolle zugewiesen.

Die ausufernden Feuergefechte der Spielvorlage hätten die genannten Defizite verschmerzen lassen können. Doch John Moore verlagert die Action-Sequenzen bewusst auf das letzte Drittel des Geschehens und macht damit einen entscheidenden Fehler. Max Paynes Griff zur Kanone erfolgt schlichtweg zu spät, der Zuschauer hat bereits mit dem Film abgeschlossen. Obwohl die Schusswechsel perfekt inszeniert sind, lässt die drastische Weichzeichnung der Gewaltszenen jede Hoffnung auf ein versöhnliches Ende im Keim ersticken. Der sparsame Umgang mit der aus dem Spiel bekannten Zeitlupenfunktion (Bullet Time) ist ebenfalls kaum nachvollziehbar.

Trotz der vielen Kritik hat John Moores Film durchaus auch seine Stärken. Die spärlich beleuchtete Kulisse vermag es die dichte Atmosphäre des Spieles in Ansätzen widerzuspiegeln. Die Musikuntermalung ist stimmig, die Kameraführung grandios. Die geflügelten Dämonen, die durch die Einnahme der Droge Valkyrie halluziniert werden, sorgen für erstklassige Feuereffekte. Ein Trost oder gar eine Entschädigung ist das jedoch nicht.

Mit ein wenig mehr Mut hätte aus „Max Payne“ etwas Großartiges entstehen können. Die Entscheidung, auf die genre-übliche Action weitgehend zu verzichten und lieber das tragische Schicksal des Protagonisten in den Vordergrund zu rücken, ist durchaus lobenswert. Doch John Moores Werk bewegt sich zu unentschlossen zwischen Charakterstudie, Kugelorgien und düsterer Detektiv-Geschichte. Was bleibt, ist ein Film, der vor allem im Bereich der Optik punktet. Gemessen an der hohen Erwartungshaltung von Spielern und Kinogängern ist das jedoch eindeutig zu wenig.

Innerhalb der Fachpresse herrschen unterschiedliche Meinungen zum Film. Die „Bild-Zeitung“ beschreibt John Moores Werk als „langweilig und dämlich“ und prophezeit der „Videospielverfilmung zum Abgewöhnen“ ein vorzeitiges „Game Over“. Das Onlineportal „Filmdienst“ bemängelt das zusammenhangslose Drehbuch. Im Gegensatz dazu ehrt das Internetmagazin „Treffpunkt Kino“ die Geschichte um den rachsüchtigen Polizisten als „beste Game-Verfilmung aller Zeiten“. Die Zeitung „Welt kompakt“ gibt dem Zuschauer wiederum den Rat: „Halt dich fern von Max Payne“.

Der Action-Thriller „Max Payne“ läuft flächendeckend in den Kinos der Bundesrepublik und hat eine Laufzeit von 99 Minuten. Da viele Gewaltszenen der Schere zum Opfer fielen, erhielt der Film eine Jugendfreigabe ab 12 Jahren. Weitere Informationen zum Film sowie den Trailer finden Sie unter www.maxpayne-derfilm.de.



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