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Arbeitssucht - Wenn Arbeit tatsächlich krank macht


01.12.2008 (S. Petersohn) Kategorie: Gesundheit

Bild: www.pixelio.de

Ob der Mensch nun lebt, um zu arbeiten oder arbeitet, um zu leben: wir alle müssen das Geld für unseren Lebensunterhalt in der Regel verdienen. Es gibt jedoch Menschen, die sich ein so großes Pensum zumuten, dass sie dadurch krank werden. Life-Go widmet sich hier einem Thema, das in einer Gesellschaft, in der Höchstleistung von nahezu allen abverlangt und häufig unterschätzt wird. Hinter den bekannten Begriffen „Manager-Krankheit“, „Burn-Out“ und „Workaholic“ verbirgt sich eine wahre Krankheit, die sich Arbeitssucht nennt.

Betroffene weisen einen hohen Perfektionsanspruch auf, stehen ständig unter Zeitdruck und können zwischen beruflichen Tätigkeiten und Freizeit keine deutliche Trennlinie mehr ziehen. Der Kontakt zu Freunden und Verwandten wird mit Verweis auf Überlastung verringert oder hört ganz auf. Ein Arbeitssüchtiger möchte möglichst viel in kurzer Zeit erreichen. Dabei kommt es häufig vor, dass er sich zu viel vornimmt und wenig strukturiert arbeitet. Manche von ihnen machen sogar bis zur völligen Erschöpfung weiter. Der Umgang mit der Berufstätigkeit ist also in jeder Hinsicht zwanghaft.

Es gibt zwei Ausprägungen der Arbeitssucht: Die einen arbeiten übermäßig viel und in jedem Falle mehr, als das von ihnen geforderte Pflichtpensum. Die anderen schieben die zu erledigenden Aufgaben dagegen vor sich her und besitzen allerhand Vermeidungstaktiken. Das geschieht vor allem aus der Angst vor dem Scheitern und wegen des übersteigerten Perfektionismus.

Die Folgen eines solchen Verhaltens sind fatal. Körper und Psyche sind aufgrund der ständigen Überlastung geschwächt. Das häufige Vorkommen von Krankheiten, darunter auch lebensbedrohliche, wie Schlaganfall und Herzinfarkt, Erschöpfungssymptome, Alkohol- und Tablettenmissbrauch sowie Depressionen können daraus resultieren. Das soziale Netzwerk ist schwach ausgeprägt, denn Verwandte, Freund und Familie werden permanent vernachlässigt.

Da eine verminderte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sowie schwindende Lebensfreude die Qualität der Arbeit beeinträchtigen, sind die Arbeitssüchtigen ihren gesunden Kollegen im Beruf nicht voraus. Schlimmer noch: Ihr Leiden wird zusätzlich verstärkt, weil die Betroffenen ihr Selbstwertgefühl überwiegend über die erbrachte Leistung definieren.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema hinkt der alltagspraktischen Dimension der Krankheit immer noch hinterher. Ein offizielles Krankheitsbild gibt es laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Arbeitssucht noch nicht, die Zahl der Betroffenen steigt jedoch. Zahlreiche Berufstätige werden gar nicht wissen, dass sie gefährdet oder schon längst erkrankt sind. Gegen die Abhängigkeit von der Arbeit helfen jedoch die beiden folgenden Schritte.

Zuerst ist es wichtig, dass sich der Patient seine Situation bewusst macht. Dazu dient das gezielte Führen eines Arbeitstagebuches, in dem nicht nur faktische Arbeitsstunden, sondern auch Dienstreisen und selbst die gedankliche Beschäftigung mit dem Job aufgeführt werden. Dort wird deutlich, wie sehr die Arbeit das eigene Leben beherrscht.

Anschließend muss der Betroffene gedanklich die abgebrochene Verbindung zu seinen innersten Wünschen und Bedürfnissen herstellen. Was soll im Leben erreicht werden? Welche Alternativen gibt es zur Arbeit? Dieser Schritt der Umsetzung ist sicherlich der schwerste. Doch wenn er einmal erreicht ist, dann hat der Arbeitssüchtige sich aus den Klammern seiner Krankheit befreit.

Diejenigen, die das Problem erkannt haben, diskutieren in neu entstandenen Selbsthilfegruppen vor Ort oder im Internet zum Beispiel unter www.arbeitssucht.de, www.selbsthilfe.at und www.bkk-24.de. Was meinen Sie, wird es immer mehr Arbeitssüchtige geben? Wir laden Sie herzlich ein, mit uns im Life-Go-Forum über das Krankheitsbild und mögliche Auswege zu diskutieren.



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