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TIMM - Der erste Schwulensender für Deutschland


03.12.2008 (C. Schaper) Kategorie: Lifestyle

Bild: www.timm.de

Seit dem 1. November 2008 gibt es in Deutschland den ersten Fernsehsender, der sein Programm speziell auf schwule Männer ausrichtet. Schon im Herbst 2007 war der Start von TIMM geplant, der Termin wurde aber immer wieder nach hinten verschoben. Ein Jahr nach dem geplanten Start ist es nun so weit und TIMM, dessen Name sich aus „Television, Internet, Multimedia for Men“ zusammensetzt, ist im deutschen digitalen Fernsehen zu empfangen. Hinter dem Sender stehen private und institutionelle Investoren, wie die DFW Deutsche Fernsehwerke GmbH, die VGM Verlagsgesellschaft Madsack GmbH und Co KG, die south&browse GmbH, die FFT Holding GmbH und die IBB Beteiligungsgesellschaft. Das Investitionsvolumen befindet sich nach Senderangaben im mehrstelligen Millionenbereich.

TIMM zeigt neben Aktuellem aus Politik, Gesellschaft und Kultur auch Talk- und Spielshows. Er möchte Service- und Insidertipps zu den Themen Mann, Reisen, Mode und Lifestyle geben sowie Eigenproduktionen zeigen. An bekannten Formaten darf der Zuschauer sich unter anderem über „The L-Word“, „Blondes Gift“ mit Barbara Schöneberger und „Queer as Folk“ freuen. Daneben gibt es eine Serie über Outings und Dokumentationen über prominente homosexuelle Menschen. „TIMM today“ ist die mehrtägliche Nachrichtensendung und von spät abends bis früh morgens gibt es ein Nachtprogramm ohne Moderationen. Das macht TIMM zu einem 24-Stunden-Vollprogramm. Die Gesellschafter an sich sehen im Sender ein großes Potential, da der Trend auch in Zukunft weiter auf spezialisierte Spartensender hinauslaufe.

Von den 60 Menschen, die im Sender arbeiten, sind 50 männlich. Davon ist ein Drittel heterosexuell. Bundesweit gibt es ungefähr dreieinhalb Millionen Männer, die sich als homosexuell bezeichnen. Der Senderstart wird unter ihnen genauso mit gemischten Gefühlen gesehen wie unter Medienwissenschaftlern und Vertretern von Gleichberechtigungsvereinen. So befürchten diese, dass sich die Gruppe unbewusst ausgrenze und in den zuschauerstarken Sendern kaum mehr wahrgenommen werde. Auf diesen Sendern werden nur wenige Formate mit homosexuellem Inhalt gezeigt und es könnte eine weitere Verschiebung der Themen zum Spartensender TIMM erfolgen. Durch den Start von TIMM hoffen sie jedoch auch, dass die Bevölkerungsgruppe durch die Präsenz des Senders wieder vermehrt in den Medien wahrgenommen wird. Damit soll auch einer thematischen Ausgrenzung entgegengewirkt werden.

Neben der Hauptzielgruppe, den homosexuellen Männern, erhofft sich TIMM auch das Interesse in deren Freundeskreis und bei Eltern homosexueller Kinder zu wecken. TIMM möchte sich dabei nicht klischeehaft präsentieren. Das spricht genauso für seine Professionalität wie die Tatsache, dass international bekannte und ausgezeichnete Formate eingekauft wurden, die dadurch teilweise eine Wiederauferstehung im deutschen Fernsehen feiern oder noch gar nicht hierzulande gezeigt wurden. TIMM möchte das alltägliche Geschehen aus Sicht Homosexueller zeigen, ohne dabei die wichtigen gesellschaftlichen Ereignisse außen vor zu lassen oder sie durch eine klischeehafte Herangehensweise der Ernsthaftigkeit zu berauben.

Die Geschichte von schwulen Formaten im deutschen Fernsehen reicht bis in die 70er Jahre zurück, in denen angefangen wurde den Zuschauern die homosexuelle Szene näherzubringen. Für Skandale sorgte damals das bayerische Fernsehen, welches bei der simultanen Ausstrahlung der öffentlich-rechtlichen Sender zweimal ein Ersatzprogramm sendete. Grund dafür war ein Film über das Leben von Homosexuellen als Subkultur der deutschen Gesellschaft, der dem Sender als zu anstößig erschien. Auch in den 80ern war die Präsenz schwuler Protagonisten noch sehr eingeschränkt, jedoch erfolgte 1987 der erste Kuss zwischen zwei Männern in der Lindenstraße. Seitdem ist Homosexualität ein etablierter Faktor im deutschen Fernsehen, der mit dem Start von TIMM seinen bisherigen Höhepunkt erreicht. In Ländern wie Frankreich, Kanada und den Vereinigten Staaten gibt es bereits etablierte Sender für Homosexuelle, was einem Erfolg hierzulande Auftrieb geben dürfte.

Zu empfangen ist TIMM über Satellit und digitales Kabelfernsehen. Wenn der Sender nicht automatisch in der Senderliste aufgenommen wurde, sollte einfach ein neuer Suchlauf gestartet werden. Ansonsten kann das Programm auch über Livestream auf der Seite www.timm.de verfolgt werden.



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