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Viele hatten ihn schon mal als „Calamari“ auf ihren Tellern. Besonders die italienische und griechische Küche kennt Kalmar als Spezialität. Unvorstellbar, dass zur Lagerung eines einzigen Kalmars ein ganzes Kühlhaus nötig sein könnte.
Bereits seit vielen Jahrhunderten gibt es Gerüchte über diesen zur Gattung der Architeuthis gehörenden Riesen. Was bisher jedoch bestenfalls in der Welt der Mythen und Legenden existierte, wird jetzt zur Wirklichkeit: Spektakuläre Unterwasseraufnahmen japanischer Wissenschaftler liefern den unanfechtbaren Beweis ihrer Existenz.
Um auf die Spur der lebenden Legende zu kommen, traten die Meeresforscher in die Fußstapfen des „20.000 Meilen unter dem Meer“-Helden Kapitän Nemo und seiner Besatzung, die a la Jules Verne mit einem dieser unwiderstehlichen „kleinen“ Tierchen um ihr Überleben kämpfen und auch noch nebenbei einen weißen Pottwal umlegen musste. Aber solche spektakulären Aktionen haben Helden ja nun mal so an sich.
Und genau das ist nämlich die heiße Spur: Pottwale! Auf deren Wanderwege richteten der Zoologe vom naturwissenschaftlichen Museum Tokio, Tsunemi Kubodera, und ein Kollege von der Walbeobachtungsstation bei den Ogasawara-Inseln namens Kyoichi Mori ihr Augenmerk. Denn wie unter den Menschen gibt es auch unter den Meeresbewohnern „Feinschmecker“. Und für Free Willi und Co. sind die eiweißreichen Kalmare ein gelungenes Fressen.
Indem sie sich dieses Verhalten zu Nutzen machten, gelang es Kubodera und Mori schließlich den ersten lebenden Riesenkalmar zu entdecken, den sie mit Shrimps köderten und mit der daran befestigten Kamera spektakuläre Fotos machten. Dies löste in der Welt der Wissenschaft enorme Begeisterung aus, da bisher nur Aufnahmen von Riesenkalmar-Kadavern existierten und es noch niemandem gelungen war diese Kopffüßler in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. „Das ist eine unglaubliche Leistung“, so der kalifornische Meeresbiologe Randy Kochevar.
Während seiner verzweifelten Versuche sich aus der Falle zu befreien verlor das Tier einen seiner zehn Tentakel, der erstaunlicherweise Minuten nach der Abtrennung vom Körper noch funktionierte! Dieser „Arm“ und frühere Funde von Kalmaraugen und ähnlichem in Pottwalmägen, sowie abgerissene Saugnapfnarben an den Körpern der Wale lassen darauf schließen, dass es in den Tiefen der Meere sogar Exemplare von bis zu 30m geben muss. Diese enorme Größe befördert die Riesenkalmare fast an die Spitze der Nahrungskette, sodass nur die Pottwale ihnen wirklich gefährlich werden könnten.
Doch wie immer bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel: Denn kleinere Ausgaben von den Architeuthis werden gegebenenfalls auch von Grauhaien, anderen Zahnwallen oder sogar Seevögeln wie z.B. den Albatrossen gefressen.
Der Riesenkalmar gehört jedoch auf keinen Fall auf den Speiseplan der Menschen, da sein Muskelgewebe eine höchst giftige Ammoniumchloridlösung enthält, die im alltäglichen Gebrauch in Färberei und Gerberei zu finden ist und dem Riesenkalmar die Fähigkeit zum „Schweben“ gibt.
Wer sich jetzt also auf eine Portion Kalmar extra-groß gefreut hat, wird sich auch in Zukunft mit den Miniaturausgaben begnügen müssen.
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