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Revolution im Internet - Neue Adressen für jedermann


13.12.2008 (P. Kohl) Kategorie: Computer

Bild: www.pixelio.de

Eine Neuerung der besonderen Art wurde in den letzten Junitagen 2008 von der für die Vergabe von Internetadressen zuständigen Non-Profit-Organisation „Internet Corporation for Assigned Names and Numbers“ (ICANN) bekannt gegeben. Auf einer Konferenz in Paris wurde beschlossen, dass es zukünftig möglich werden soll die Endung von Webadressen frei zu wählen. Bisher gab es strikte Beschränkungen bei der Wahl von Internetdomains.

Eine Internetadresse setzt sich immer aus einer durch Punkte getrennten Folge von Zeichen zusammen und endet mit der Top-Level-Domain (TLD). Zum Beispiel steht bei www.life-go.de die Endung „.de“ für die deutsche TLD. Bisher gab es zwei verschiedene Gruppen der Adressendungen. Einerseits die bekannten länderspezifischen wie „.at“ für Österreich und „.ch“ für die Schweiz, andererseits Endungen wie „.gov“ für nicht kommerzielle Organisationen, „.info“ für Informationsanbieter und „.mil“ für das Militär.

Ab Januar 2009 sollen die Endungen frei wählbar sein. Adressen wie www.mercedes.benz und www.life.go sind dann denkbar. Allerdings wird es weiterhin einige Beschränkungen geben. So dürfen keine Marken- oder Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Die Einführung neuer Endungen wurde nötig, da im Jahr 2007 nur noch etwa 17 Prozent der ursprünglich vorhandenen vier Milliarden Adressen verfügbar waren. Grundsätzlich ist eine Internetadresse mit einer Hausnummer vergleichbar. Hinter jedem Namen steckt eine Zahlenkombination, die so genannte Internet-Protokoll-Adresse (IP). Die vierte Version dieses Protokolls, IPv4, benutzt 32-Bit-Adressen und ermöglicht daher 4.294.967.296 (232) Kombinationen. Durch die Einführung des neuen Internet-Protokolls kann die Anzahl der möglichen Adressen auf 2128 gesteigert werden.

Durch die bisherigen Einschränkungen kam es zu einigen kuriosen Vermarktungsstrategien ärmerer Länder. Sie vermarkten ihre TLD durch eine sehr liberale Vergabepolitik und ermöglichen damit eine zweckentfremdete Nutzung. So verweist die Endung „.tv“ nicht auf TV-Sender, sondern gehört zu dem kleinen Pazifikstaat Tuvalu. Der Verkauf der TLD-Rechte an das eigens gegründete Unternehmen „DotTV“, welches Adressen wiederum an TV-Sender veräußert, bringt der Inselnation jährlich fünf Millionen Dollar ein.

Auf der Pariser Konferenz der ICANN wurde eine weitere Neuerung beschlossen. Wie insbesondere von Russland gefordert, sollen bald auch Adressen in kyrillischer Schrift sowie chinesische und arabische Schriftzeichen möglich sein. Besonders in Asien boomt das Internet. Um den etwa 1,2 Milliarden Sprechern des Chinesischen gerecht zu werden, sei diese Neuerung nötig.

Die Kosten für die Freigabe einer neuen Adresse werden sich etwa zwischen 10.000 und 500.000 Dollar bewegen. Der Betrag wird einmalig an die ICANN bezahlt, um eine Domain freizuschalten. Weiterhin müssen jährliche Gebühren an den Datenbankanbieter oder Host der Seite gezahlt werden. Ein Drittel der Einnahmen durch die Vermarktung der Adressen soll in einen Fonds für Entwicklungsländer fließen. Ein weiteres Drittel soll in die Sicherheit und Stabilität des Internets investiert werden. Der Rest gelangt in einen allgemeinen Topf. Kritiker werfen der ICANN vor, dass sie sich auf Grund mangelnder Transparenz jeglicher Kontrolle entziehe. Alternativ schlagen sie vor, dass ihre Aufgaben besser von einer internationalen Organisation wie der United Nations Organisation (UNO) erfüllt werden könnten.

Problematisch ist auch, dass die neuartigen Adressen schwieriger zu merken sind. Bisher konnten auf gut Glück Treffer durch die Eingabe eines Markennamens und der Endung „.de“ erzielt werden. Das wäre auf Grund der willkürlichen Endungen nicht mehr möglich. Wie die Änderungen in der breiten Bevölkerung ankommen werden, ist also nicht nur angesichts der hohen Preise ungewiss.



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