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Akademikermangel in Deutschland
16.12.2008 (J. Lieberwirth)
Kategorie: Wirtschaft
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Deutschland fehlt es an Studenten. Zu diesem Schluss kamen Mitglieder der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) in ihrem Bildungsbericht „Bildung auf einen Blick“ aus dem Jahr 2007. Die geringe Anzahl von Studienanfängern und die vergleichsweise hohe Zahl der Studienabbrecher werden in den kommenden zehn Jahren zu einem erhöhten Akademikermangel am deutschen Arbeitsmarkt führen. Bildungsexperten fordern eine neue Bildungsexpansion um den Entwicklungen entgegenzuwirken.
Die Stellung von Akademikern auf dem Arbeitsmarkt ist seit jeher besser als die anderer Qualifikationsgruppen. Das macht sich vor allem in den wichtigen Faktoren, wie Beschäftigungschancen, Lohn oder den Arbeitsbedingungen bemerkbar. In den letzten Jahren hat sich der Vorteil von Akademikern sogar noch weiter ausgebaut. Sie erhalten 53 Prozent mehr Gehalt als geringer Qualifizierte. Die alte Faustregel „hohe Qualifikation – niedriges Arbeitsmarktrisiko“ bestätigt sich hiermit.
Dennoch nehmen immer weniger junge Leute ein Studium auf. In Deutschland entscheiden sich 37 Prozent eines Jahrgangs für ein Studium. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit deutlich unter dem Durchschnitt. Hierfür sind laut dem OECD-Bericht „die Kosten für Lebensunterhalt und Studiengebühren, sowie die teilweise massiven Zulassungsbeschränkungen der Hochschulen“ verantwortlich. Die Bildungsausgaben in Deutschland, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, sind im internationalen Vergleich eher gering. Das führt insbesondere dazu, dass Kinder aus sozialschwachen Familien eher eine Berufsausbildung anstreben.
Bedenklich sind auch die Zahlen der Studenten, die ihr Studium vorzeitig beenden. Laut Informationen über Studienabbruchsquoten des „Hochschulinformationssystem“ (HIS) vom Februar 2008 brechen 25 Prozent der Bachelor-Studenten an Universitäten ihr Studium vorzeitig ab. An Fachhochschulen beträgt das Ergebnis sogar 39 Prozent. Diese Entwicklungen begründen sich nicht zuletzt in der fehlenden Studienorientierung von jungen Leuten. „Die Berufe Lehrer und Arzt kennt jeder, aber schon beim Ingenieur fehlen die genauen Vorstellungen über das Berufsbild“, so Ulrich Heublein vom HIS.
In Hinblick auf die zukünftigen Entwicklungen ist besonders der Geburtenrückgang bedenklich. Kinder von Akademikern bilden den Großteil der Studierenden an Hochschulen. Da sich immer weniger Hochschulabsolventen für ein Kind entscheiden, wird sich die Lage eher noch weiter zuspitzen, als verbessern. Während einer Studentenbefragung von Januar bis Februar 2008 durch das Marktforschungsunternehmen „TNS Infratest“, gaben 272 Personen von 1.007 an, dass sie eher auf ein Kind verzichten würden als ihre Karriere zu gefährden. Laut Karl-Heinz Reith von der „Deutschen Presseagentur“ (DPA) fürchten Experten selbst bei einem Rückgang um knapp 30.000 eine weitere Verschärfung der heute schon festgestellten „Knappheitssituationen“ in zukunftsträchtigen Berufen.
Besonders positiv wirken sich die Entwicklungen für Absolventen der Geisteswissenschaften aus, die sonst auf dem Arbeitsmarkt weniger gefragt sind. Die Chance für einen Quereinstieg ist somit geebnet. Welche Mittel und Wege die Bildungsminister einschlagen werden um einer Verschärfung des Akademikermangels entgegenzuwirken, ist noch unklar. In jedem Fall sollten Hochschulen ihre Zulassungsbeschränkungen überdenken, Schüler besser über ihre Möglichkeiten informiert und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht werden.
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