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Stellenanzeigen: Utopische Anforderungen und unseriöse Angebote entlarven


17.12.2008 (S. Edel) Kategorie: Wirtschaft

Bild: www.sxc.hu

Bei der Suche nach einem Arbeitsplatz sind die ersten Anlaufpunkte die Stellenanzeigen. Sowohl in den Print- als auch in den Onlinemedien erfreuen sich die Annoncen größter Beliebtheit und erleben sogar gerade einen Aufwind. Jedoch enthalten sie meist utopische Anforderungen und unseriöse Angebote. Wie sieht deshalb eine gute Stellenanzeige aus und was erfährt der Bewerber aus ihr?

Wie lesen Sie Anzeigen richtig?

Die Stellenanzeige ist die Visitenkarte eines Unternehmens. Sie zeigt die Größe, welcher Umgangston vorherrscht und ob es sich um einen seriösen Betrieb handelt. Aus diesem Grund werden für Anzeigen mehrere Tausend Euro ausgegeben und eigens dafür ausgebildetes Personal oder separate Dienstleister verfassen die Texte. Dennoch lohnt es sich zwischen den Zeilen zu lesen.

Die Anzeigen kommen in zwei Formen vor, der digitalen im Bereich Internet und der gedruckten Form in den Printmedien. Dabei sind das Design, der Ausdruck und die Größe ausschlaggebend. Bei kleinen Anzeigen werden zum Beispiel keine hohen Führungspositionen angeboten und das Gehalt fällt geringer aus. Hingegen können größere Anzeigen einen falschen Eindruck vermitteln.

Eine seriöse und gute Anzeige stellt in kurzen Angaben vor, was geboten und gefordert wird. Sehr wichtig ist es darauf zu achten, ob schwammige Aussagen wie zum Beispiel „Es könnte sein …“ und „In ferner Zukunft …“ gemacht werden. Angaben zur Vergütung sollten erst bei einem persönlichen Gespräch zur Sprache kommen. Eine besondere Form der Anzeige ist die Chiffre-Anzeige. Sie ist oft unseriös.

Bei Unklarheiten empfiehlt es sich beim Unternehmen anzurufen. Ein Anruf oder eine andere Form der Mitteilung wie zum Beispiel E-Mail oder Brief ist ebenso angebracht, wenn entsprechende Kontaktdaten des potenziellen Arbeitgebers in der Anzeige auftauchen. Weiterhin lohnt sich ein Telefonat, wenn sich der Bewerber nicht sicher ist, ob er die entsprechenden Fähigkeiten mitbringt. Bei der Gelegenheit kann er sich bereits vorstellen und mehr über die zu vergebende Stelle erfahren.

Welche Voraussetzungen müssen Sie wirklich mitbringen?

In vielen Fällen sind die Stellenanzeigen jedoch nur Wunschäußerungen. Aus diesem Grund muss nicht jeder Bewerber alle Kriterien erfüllen. Die Unternehmen wollen oftmals jemanden, der eine gute Kombination der Anforderungen mitbringt. Die Karriereberaterin Doris Brenner aus dem hessischen Rödermark erklärt, dass sich bereits bei drei Viertel der erfüllten Forderungen eine Bewerbung lohnt. Jedoch sind meist 85 Prozent der Bewerber ungeeignet, weil sie falsche Vorstellungen von der Stelle haben oder sich und ihre Fähigkeiten überschätzen.

Besonders wichtig sind deshalb bestimmte Formulierungen, denn sie geben an, ob die geforderten Fähigkeiten zwingend notwendig oder weniger ausschlaggebend sind. Einige Beispiele für notwendige Anforderungen sind „Wir erwarten ...“, „Voraussetzungen sind …“, „Erforderlich ist…“ oder „Sie bringen mit …“. Für weniger ausschlaggebende Fähigkeiten können „Es wäre wünschenswert…“, „Idealerweise …“ oder „Es wäre von Vorteil …“ genannt werden.

Die häufigsten Absagen bekommen Bewerber, die sich mit falschen Annahmen bewerben. Ein Beispiel dafür ist, dass der Interessent meint, er könne nicht alles, werde es aber noch lernen. Der Bewerber sollte sich darum vor der Bewerbung über seine Schwächen und Stärken bewusst sein. Sehr hilfreich kann dazu eine Bestandsaufnahme sein, in der Dinge stehen, welche sie gerne machen und die sie können.

Jedoch ist es auch wichtig, dass nicht nur die Fachkenntnisse übereinstimmen, ebenso wichtig sind die Soft Skills. Der Begriff Soft Skills ist ein Sammelbegriff für soziale, kommunikative und methodische Kompetenzen. Beispiele hierfür sind Teamfähigkeit, Sensibilität und das Präsentieren von Fakten. Diese Kompetenzen sind zum einen für den Bewerber selbst aufschlussreich, zum anderen aber auch für das Unternehmen. Der Grund dafür ist, dass der Betrieb sehen kann, wie Sie sich in Stresssituationen oder im Team verhalten. Somit können sie ausschlaggebend für die Bewerbung sein.

Für mehr Informationen zum Thema „Stellenanzeigen“ kann neben Bewerbungskursen auch Literatur zu Rate gezogen werden. Zum Beispiel informieren Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader in ihrem Buch „Das große Hesse/Schrader Bewerbungshandbuch: Alles, was Sie für ein erfolgreiches Berufsleben wissen müssen“ über Bewerbungsschreiben. Ihr Werk erschien 2007 im Eichborn Verlag und ist für 19,19 Euro erhältlich.

Näheres zum Thema der sozialen, kommunikativen und methodischen Kompetenzen finden Sie bei Life-Go im Artikel „Aber bitte mit Gefühl – Soft Skills im Arbeitsleben“. Der Weiteren können Sie sich im Bericht „Anzeigen im Aufwind, Internet in der Hintertür“ über die allgemeine Entwicklung auf dem Anzeigenmarkt informieren.



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