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Blyk: Handygespräche zum Nulltarif
22.12.2008 (T. Kaiser)
Kategorie: Technik
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Freiminuten, Gratis-SMS und schicke neue Handys: Die Mobilfunk-Anbieter lassen nichts unversucht, potentielle Kunden von ihren Leistungen zu überzeugen und die Konkurrenz alt aussehen zu lassen. Im Mittelpunkt der Werbeoffensive standen im Jahr 2008 Flatrate-Angebote zu unwiderstehlichen Preisen. Doch was ist ein unwiderstehlicher Preis? Marko Ahtisaari vom Anbieter Blyk sagt null Euro – und sorgt damit für mächtigen Wirbel in der Handy-Industrie.
Der 39-jährige ist beim finnischen Mobilfunk-Unternehmen für die Steuerung des Marketings zuständig. Er verspricht: „Schluss mit den Handygebühren.“ Dafür müssen die Nutzer allerdings Werbebotschaften auf ihren Schnurlos-Telefonen in Kauf nehmen. Bis zu sechs Multimedia-Kurznachrichten (MMS) landen täglich im Postfach des Kunden. Im Gegenzug werden eine SIM-Karte, 43 Gesprächsminuten und 217 SMS zum Nulltarif geboten. Darüber hinaus fallen circa 15 Cent für jede telefonierte Minute und 10 Cent pro Kurzmitteilung an.
Die Idee „Werbung-gegen-Gratistelefonie“ ist alles andere als neu. Bereits im Jahre 2000 versuchten Unternehmen wie Gratistel oder Mox die Kundschaft mit werbefinanzierten Festnetzgesprächen für sich zu gewinnen. Doch eine schwere Fehleinschätzung ließ das Unterfangen letztendlich scheitern und viele Anbieter den Rückzug antreten. Zwar empfand die telefonierende Bevölkerung das Gratisangebot als durchaus reizvoll, ein ungetrübter Telefonkomfort stand aber weiterhin an erster Stelle. Für eine Gesprächsunterbrechung durch Werbeblöcke konnten sich die wenigsten Nutzer begeistern.
Blyk scheint aus den Fehlern der Konkurrenz gelernt zu haben. „Bei uns gibt es keine Werbeunterbrechungen während eines Telefonats“, verspricht Marko Ahtisaari. Die aufkommenden Kosten für die Gespräche sollen allein durch Werbe-MMS finanziert werden. Als der finnische Mobilfunk-Anbieter Anfang 2007 in Großbritannien an den Start ging, sorgten derartige Aussagen für skeptische Blicke seitens der etablierten Netzbetreiber. Doch das Konzept scheint aufzugehen. Mittlerweile telefonieren 200.000 Briten kostenlos mit Blyk – Tendenz steigend.
Bislang richtet sich das Gratisangebot ausschließlich an Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren. Nach Ansicht des Unternehmens wirken die Werbemitteilungen abschreckend auf erwachsene Nutzer. Die junge Zielgruppe bietet mit ihrem Kommunikationsverhalten ein wesentlich größeres Potential. „Wir haben am Anfang Gutscheine vor Schulen und Universitäten für eine Blyk-Registrierung verteilt“, erläutert der Marketingexperte stolz. Das Gratisangebot habe sich schnell herumgesprochen. Heute ist Blyk das größte Empfehlungsnetzwerk im Mobilfunk.
Nach den erfolgreichen Gehversuchen auf der Insel wollen die Finnen 2009 nun auch den deutschen Markt erschließen. Mit 9,5 Millionen Jugendlichen bietet die Bundesrepublik ein breiteres Abnehmerfeld als Großbritannien. Marko Ahtisaari ist jedenfalls zuversichtlich. „Jene, die unbedingt eine Handyrechnung haben wollen, können ja woanders hingehen“, sagt er und lächelt.
Was denken Sie über das Thema „Werbung-gegen-Gratistelefonie“? Begrüßen Sie eine solche Entwicklung oder stehen Sie dem Konzept eher skeptisch gegenüber? Hiermit laden wir Sie herzlich zur Diskussion in das Life-Go-Forum ein.
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