|
Hochdotierte Werbeverträge, teure Sportwagen und ein Leben in Saus und Braus: Die Football-Stars der „Nordamerikanischen Profi-Football-Liga“ (NFL) sind durchaus zu beneiden. Jeden Sonntag verfolgen Millionen Fans die Leistungen der Sportler im Stadion und vor den heimischen Fernsehern. Dabei wird jeder „Touchdown“ euphorisch gefeiert. Die Spieler der NFL sind Helden für Groß und Klein. Trotzdem geraten die amerikanischen Superstars immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt – wie der Fall Plaxico Burres unter Beweis stellt.
In der Nacht zum 29. November 2008 hatte sich der Offensivspieler der „New York Giants“ in einem Manhattaner Nachtclub versehentlich mit einer Pistole in den Oberschenkel geschossen. Die Justiz nahm daraufhin ihre Untersuchungen auf. Da es sich nicht um seinen ersten Verstoß gegen das Waffengesetz handelt, droht dem 31-jährigen Star nun eine Haftstrafe zwischen dreieinhalb und 15 Jahren. Sein Verein zog ebenfalls die Reißleine und suspendierte den Sportler bis zum Saisonende im Februar 2009. Dabei war es ausgerechnet Plaxico Burres, der den „Giants“ Anfang des Jahres mit dem entscheidenden „Touchdown“ die erste Meisterschaft seit 17 Jahren sicherte.
Die Frage, warum ein anerkannter Sportler eine geladene Pistole in der Öffentlichkeit mit sich führt, beschäftigt nicht nur Justiz und Presse. Auch innerhalb der NFL hat der Fall für heftige Diskussionen gesorgt. Schon davor waren Football-Profis wegen Waffenbesitzes in die Kritik der Ligaverantwortlichen geraten. Plaxico Burres ist nur das jüngste Beispiel von vielen. Der Angeklagte hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert. Allerdings wird vermutet, dass der Superstar die Pistole zum Selbstschutz bei sich trug. Erst drei Tage zuvor wurde Mitspieler Steve Smith Opfer eines bewaffneten Überfalls.
Der Sturmpartner von Plaxico Burres kam mit dem Schrecken davon, andere Profispieler jedoch hatten weniger Glück. Sean Taylor, Defensivspezialist der „Washington Redskins“, wurde 2007 in seinem Schlafzimmer von einem Einbrecher angeschossen und erlag kurze Zeit später seinen Verletzungen. Darrent Williams von den „Denver Broncos“ ereilte das gleiche Schicksal: Nach einem Streit in einem Nachtclub wurde der damals 25-jährige Athlet aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen. Auch Richard Colliers Karriere bei den „Jacksonville Jaguars“ fand im September 2008 ein jähes Ende, als ein Unbekannter mehrere Schüsse aus kurzer Distanz auf ihn abfeuerte. Der Abwehrspieler überlebte zwar den Angriff, ist seither aber an den Rollstuhl gefesselt.
Als Grund für die häufigen Übergriffe mutmaßen die Profis der NFL ihre Millionen-Gagen und ihr Verhalten in der Öffentlichkeit. „Wir gehen aus, haben Spaß, reisen viel, kaufen uns schöne Klamotten oder Schmuck, denn wir können es uns leisten“, erklärt Chris Hope von den „Tennessee Titans“. Ein solches Auftreten erzeugt allerdings Missgunst und Neid. „Leute betrachten dich anders, weil du viel Geld verdienst und einen gewissen Status hast“, stellt Terrel Owens von den „Dallas Cowboys“ fest.
Die Schicksale ihrer Kollegen haben die Athleten vorsichtig werden lassen. Schätzungen zufolge besitzen rund 20 Prozent aller Profispieler mindestens eine Schusswaffe. „Warum ist es falsch, eine Waffe zu besitzen, um sich damit zu schützen?“ rechtfertigt sich Maurice Drew-Jones von den „Jacksonville Jaguars“. Patrick Surtain schlägt in die gleiche Kerbe. „Wer eine Waffe zur eigenen Sicherheit trägt, hat das gute Recht dazu“, betonte der Spieler der „Kansas City Chiefs“ in einem Interview.
Derartige Äußerungen sind den NFL-Verantwortlichen ein Dorn im Auge. Neben der Gesundheit der Spieler steht vor allem auch der gute Ruf der Liga auf dem Spiel. Um die rund 1.500 Profis auf die Gefahren des Waffenbesitzes hinzuweisen, hat mittlerweile jeder Verein Sicherheits-Experten mit präventiven Aufgaben in seinen Reihen. In Zusammenarbeit mit dem Trainerstab wird den Spielern vermittelt, sich nicht an Orte zu begeben, an denen Waffen oder Bodyguards notwendig sind.
Bislang stoßen die Appelle der Clubs jedoch auf taube Ohren. Von der Spielergewerkschaft abgehaltene Seminare zum Thema Selbstschutz sorgen für zusätzliche Ängste bei den Athleten. Der Fall Plaxico Burres könnte in dem Konflikt zum Zünglein an der Waage werden. Durch eine Verurteilung des 31-jährigen Spitzensportlers wäre ein Meinungsumschwung des einen oder anderen Kollegen nicht auszuschließen. Der hohe Sympathiewert des Athleten innerhalb der Bevölkerung könnte für die Behörden jedoch zum Stolperstein werden. Ein Ende des Konflikts ist vorerst nicht in Sicht.
|