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Überall auf der Welt gibt es bizarre Bräuche, deren Ursprünge oftmals unbekannt sind. Zudem besteht eine tiefe Verwurzelung in der Gesellschaft. Viele Riten sind im Laufe der Zeit in andere Bereiche übertragen worden, in denen sie sich oftmals eigenständig weiterentwickelt haben oder in alltägliche Handlungsweisen übergegangen sind. Einige davon sollen im Folgenden dargestellt werden.
Bizarre Sportbräuche
Bei der neuseeländischen Nationalmannschaft ist es Tradition, dass vor jedem Spiel der „Haka“ aufgeführt wird. Dabei handelt es sich eigentlich um einen Kriegstanz der Maori. Doch nicht nur bei den Ureinwohnern, sondern auch beim Sport zeigt er seine Wirkung. Die aggressiven Gesten und lauten Schreie flößen den Gegnern Respekt ein und sollen sie entmutigen. Vor kurzem wurde dieser Tanz sogar um die Geste des Hals-Durchschneidens erweitert.
Im Pazifikraum, dem Ursprungsort des Bungee-Jumping, wird jährlich das traditionelle „Naghol-Fest“ gefeiert. Zu diesem Anlass binden sich wagemutige Springer nur Lianen um den Knöchel und stürzen sich aus mehr als 30 Metern Höhe in die Tiefe. Um einen perfekten Sprung hinzubekommen, gehen einige ein großes Risiko ein: Sie verwenden ein Seil, das lang genug ist, um nach dem Sprung mit dem Körper den Boden berühren zu können.
Ungewöhnliche Kulturbräuche
Der Scherentanz ist ein Ritual aus Peru, das bis heute aufgeführt wird und einen Tanz mit dem Teufel symbolisiert. Charakteristisch sind außergewöhnliche gymnastische Bewegungen und unentwegtes rhythmisches klappern mit einer Schere in jeder Hand. Beim jährlichen Festival schlucken die Teilnehmer zusätzlich Glasscherben, tanzen auf glühenden Kohlen und lassen Körperstellen (wie Mund oder Arme) von Eisenstäben und Drähten durchbohren. Verletzungen werden wegen hingenommen, da die Tradition auf die Kultur der Chanca zurückgeht, die sich im 17. Jahrhundert erfolgreich gegen die spanische Kolonialmacht wehrte. Das Volk glaubte, dass es durch das ekstatische Tanzen mit den Berggöttern kommunizieren könnte und auf diese Weise übernatürliche Kräfte erlangen würde.
Überall auf der Welt lassen sich aus religiösen Gründen noch bis heute jedes Jahr wieder viele Menschen am Karfreitag kreuzigen, um die Leiden des Jesus nachzuempfinden. Besonders bekannt dafür sind die philippinischen Städte Kapitagan und San Fernando. Für 2009 haben sich bereits 23 Freiwillige für die Kreuzigung gemeldet. Ein Grund könnte neben der religiösen Tradition aber auch die umgerechnet 3.800 Euro sein, die die Städte den Wagemutigen zahlen, weil sie mit dem Spektakel jährlich tausende von Touristen anlocken.
Tierisch absonderlich
Bei den Fischern im Norden Frankreichs ist es noch bis heute Tradition, den ersten Fisch, der gefangen wird, in Rotwein zu setzen. Nach einiger Zeit wird dieser dann wieder herausgenommen und ins Meer zurückgesetzt. Der Brauch besagt, dass der Fisch dann zu seinen Freunden schwimmt und ihnen berichtet, dass es gratis Rotwein gibt. Daraufhin sollen sich angeblich die anderen Fische in Richtung Fischerboot begeben und für mehr Ausbeute in den Netzen sorgen.
Ein weiterer Brauch entstand aus einer Not heraus. Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts das amerikanische Grauhörnchen in England eingebürgert wurde, um die Artenvielfalt zu steigern, gab es bereits nach kurzer Zeit die ersten Probleme. Zum einen ernährten sie sich außer von Nüssen, auch von vielen einheimischen Kleinvögeln. Zum anderen verdrängten die Grauhörnchen zunehmend die dort beheimateten roten Eichhörnchen. Da viele Lösungskonzepte ohne Erfolg blieben, kam ein Restaurantbesitzer auf die Idee, die Grauhörnchen zu jagen und auf seine Speisekarte zu setzen. Noch bis heute sind in der englischen Grafschaft Devonshire traditionelle Grauhörnchenpasteten erhältlich.
Die vorgestellten Bräuche sind trotz ihrer Skurrilität für die Menschen im jeweiligen Kulturkreis oftmals von großer Bedeutung. Zudem stiften sie ein Gemeinschaftsgefühl. In einer Welt der zunehmenden Identitätsleere sind Riten und Bräuche wichtig für die Identitätserhaltung und -festigung. Einige davon, wie beispielsweise das Tischgebet, sind in vielen Gesellschaftskreisen sogar so gegenwärtig geworden, dass sie zum allgemeinen Handeln wurden. Andere, wie zum Beispiel das Bungee-Jumping, haben es geschafft, sich über einen begrenzten Gesellschaftskreis hinaus weltweit als Handlungsweise zu etablieren.
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