|
Anis Mohamed Youssef Ferchichi ist der erfolgreichste Rapper Deutschlands und ausgezeichnet mit vielen Preisen sowie Gold- und Platin-Schallplatten. Unter seinem Künstlernamen Bushido spaltet er die Nation in Bewunderer und Kritiker. Die Printausgabe seiner Biographie ist im September 2008 erschienen und mittlerweile ein Verkaufsschlager. Für 2009 ist nun unter anderem die Umsetzung der Lebensgeschichte Bushidos in Hörbuch- und Filmform geplant. Kann die Biographie des selbst ernannten Gangster-Rappers überhaupt mit gutem Gewissen gelesen oder verschenkt werden? Schließlich hat Bushido, als er im Alter seiner Fans war, Drogen verkauft und Menschen ausgeraubt.
Eines muss Bushido auf jeden Fall zugestanden werden: Sein Buch ist unterhaltsam! Anekdote reiht sich an Anekdote, so dass schon fast Neid aufkommen könnte, ob des spannenden Lebens des Nr.1-Rappers. In seinem ersten Buch zeigt Bushido eine ebenso klare Linie wie in seinen Songs. Er erwähnt nahezu alle Seiten des menschlichen Lebens, spricht und lästert über Gott und die Welt, alte Weggefährten und Intimfeinde wie Rapper Sido. Natürlich kommt die Lebensgeschichte als Erfolgsstory daher, orientiert sich am sozialen Aufstieg des Deutsch-Tunesiers vom Drogendealer zum gefeierten Star.
Polarisieren wird Bushido aber in jedem Fall mit seinen Ansichten. Schon im Klappentext des Buches steht geschrieben: „Ich werde immer sagen, was ich denke. Wer die Wahrheit nicht verträgt, soll mir nicht meine Zeit stehlen.“ Eine Aussage, die im Buch immer wieder aufgegriffen wird. Bushido erzählt viel – Geschichten über intime Beziehungen zu Frauen und die Hip-Hop-Szene. Ob diese allerdings immer ganz der Wahrheit entsprechen, wie es das Zitat ausdrückt, ist fraglich. So berichtet Bushido über sein Leben erwartungsgemäß auch aus seiner ganz eigenen Sichtweise und stellt sich selbst als höflichen, friedliebenden und nachdenklichen Menschen dar, der immer nur durch das Fehlverhalten anderer zu gewalttätigem oder unmoralischem Verhalten gedrängt wurde. In den unzähligen geschilderten Prügeleien wird stets die andere Seite als Aggressor beschrieben.
Ansonsten ist Bushido in seinem Buch aber anzumerken, dass er ein durchaus nachdenklicher und intelligenter Mensch ist. In einem Abschnitt beklagt er, wie sehr er den Verfall der gesellschaftlichen Werte bedaure. In einem anderen Kapitel spricht der Moslem sich für interkulturelle Verständigung aus und sagt, dass er niemanden von seinem Konzert ausschließen würde, nur weil er eine andere Kultur oder Weltanschauung vertritt. Doch vielleicht sollen diese Passagen auch nur einer Imageaufbesserung dienen.
Die Biographie ist schriftstellerisch einfach gehalten. Allerdings geht der Schreibstil nicht auf Bushido selbst, sondern auf Lars Amend zurück. Der PR-Berater des Rappers und ehemalige Journalist hat Bushidos Lebensgeschichte auf der Basis von persönlichen Gesprächen zusammengeschrieben und sich dabei offensichtlich an dem geistigen Horizont der Leserschaft orientiert. Kurze, prägnante Sätze, markige Statements und viele Schimpfwörter beziehungsweise gedruckte Pieptöne bestimmen den Text.
Alles in allem fällt das erste Prosa-Werk Bushidos durchwachsen aus. Ein fixer Leser könnte die 432 Seiten an einem Tag lesen, viel zu verstehen oder reflektieren gibt es schließlich nicht. Das im Frühjahr erscheinende Hörbuch soll auch den Lesemuffeln das Leben Bushidos näherbringen. Ein weiterer Anreiz zum Kauf dieser Variante ist die Tatsache, dass der Rapper sein Buch selbst liest sowie die Aufnahme von im Buch nicht vorhandenen Kapiteln.
Ist das (Hör-)buch also für Kinder und Jugendliche geeignet? Um diese Frage zu beantworten, muss klar gemacht werden, dass die Bushido-Biographie eine Besonderheit darstellt. Es gibt nur sehr wenige Bücher, die die fernsehschauende Bevölkerung ansprechen. Für viele wird die Bushido-Biographie das erste Buch sein, dass sie überhaupt in die Hand nehmen. Kinder und Jugendliche auf diesem Weg zum Lesen zu motivieren hat seine guten Seiten. Der Inhalt des Buches wird aber für Kontroversen sorgen: Die benutzten Ausdrücke und der unverblümte Umgang mit Gewalt, Sex und Drogen könnten Eltern bitter aufstoßen.
Nichtsdestotrotz verherrlicht Bushido seine eigenen Erfahrungen mit Drogen oder Gewalt keineswegs. Sie sind einfach nur Teil seines Lebens. Insgesamt betrachtet missbraucht Bushido seine Stellung als Star in seiner Biographie nicht. Er versucht sogar, seine Leser aus seinen Fehlern lernen zu lassen. Abschließend muss aber noch einmal betont werden, dass viele Ansichten Bushidos äußerst konträr sind und der Leser sich eine eigene Meinung – zum Beispiel zu Bushidos Frauenbild – machen sollte.
Die Biographie „Bushido“ ist 2008 im Riva Verlag erschienen. Der Hardcover-Band umfasst 432 Seiten und kostet 19,90 Euro.
|