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Deutsche Arbeitnehmer - Hochmobil und flexibel?


30.01.2009 (S. Petersohn) Kategorie: Wirtschaft

Bild: www.pixelio.de

Ein Berufstätiger arbeitet in Deutschland durchschnittlich 40 Stunden die Woche. Mit circa 26 Tagen Urlaub und 8 gesetzlichen Feiertagen im Jahr wären das rund 1.880 Lebensstunden in einem Jahr, die allein mit dem Geldverdienen verbracht werden. Was jedoch noch hinzukommt und gerne verdrängt oder vergessen wird, ist der Arbeitsweg. Er beträgt bei gut 41 Prozent aller mobilen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland mehr als zwei Stunden pro Tag.

Die repräsentative Studie „Job Mobilities and Family Lives in Europe“ (Arbeitsmobilität und Familienleben in Europa) wurde in Frankreich, Deutschland, Spanien, Polen, Belgien und der Schweiz mit über 7.000 Befragten durchgeführt. Sie widmete sich einem kaum bewusst wahrgenommenen Bestandteil des Alltags: dem Arbeitsweg. Die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz koordinierte die Studie und präsentierte im Oktober 2008 die Ergebnisse.

Die Universität fand in ihrer Studie bestimmte Mobilitätsmuster heraus, nach denen Männer und jüngere Menschen häufiger pendeln als Frauen und ältere Menschen. Die vergleichsweise geringere Frauenmobilität resultiere mitunter aus der Familienplanung oder traditionellen Geschlechterrollen. Auch die Qualität der Anstellung, was sich vor allem auf die geringe Anzahl weiblicher Führungskräfte bezieht, spielt eine Rolle. Weiterhin gibt es Unterschiede zwischen den Berufsgruppen. Es ist dabei nicht überraschend, dass Akademiker und Mitarbeiter internationaler Unternehmen häufiger unterwegs sind als Angestellte und Facharbeiter.

Die Gründe für das ständige Hin- und Herfahren sind vielfältig. Oft muss der Arbeitnehmer in seinem Beruf mobil sein, um sich Aufstiegsmöglichkeiten zu schaffen. Dazu gehört es, flexibel zu sein und zum Beispiel für Dienstreisen bereitzustehen. In einigen Fällen gibt es gar keinen festen Arbeitsplatz, wie es bei Vertreterberufen der Fall ist. Häufig befindet sich der Wohnort in den Randgebieten der Städte, etwas weiter entfernt vom Beschäftigungsort. Ein weiterer Grund liegt in der steigenden Erwerbstätigkeit von Frauen. Die Arbeitsplätze vor Ort wachsen schließlich nicht gleichzeitig mit den zunehmenden Erwerbszahlen der Arbeitnehmerinnen an.

Die erhöhte Mobilität hat verschiedene Auswirkungen. Sie bringt den positiven Effekt mit sich, dass sie einigen Arbeitnehmern die Chancen auf berufliche Karrieren ermöglicht. Die Bereitschaft zum Pendeln stellt in der Konkurrenz um Arbeitsplätze einen Wettbewerbsvorteil dar, denn Mobilität wird heute von vielen Arbeitgebern gefordert.

Häufiges Pendeln führt laut der Johannes-Gutenberg-Universität jedoch auch zu negativen Folgen, die das Familien- und Liebesleben, Freundschaften und die Gesundheit betreffen können. Die sozialen Kontakte nehmen ab und der Stressfaktor der Pendler erhöht sich. Das ist jedoch nicht grundsätzlich so. Vorstellbar ist auch, dass gerade mobile Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln anregende Bekanntschaften machen. Wer nicht mit dem Auto pendelt, kann die Reisezeit zur Vorbereitung seiner Arbeit nutzen und sich so gegebenenfalls entlasten. Mitunter sind Pendler auch in der Freizeit aktiver, weil sie es gewohnt sind, mobil zu sein.

Den stellenweise langen Weg zur Arbeit nehmen ungeachtet der möglichen negativen Auswirkungen viele Arbeitnehmer in Kauf. Laut einer durch das Statistikportal „Statista“ aufbereiteten Quelle der Süddeutschen Zeitung können Frankfurt am Main, München und Hamburg als wahre „Pendlerstädte“ bezeichnet werden. Dort strömen tagtäglich jeweils fast 300.000 mobile Arbeitnehmer aus dem Umland hinein.

Umzüge innerhalb Europas liegen hingegen meistens außerhalb der Vorstellungskraft beziehungsweise der Wünsche der Arbeitnehmer. Ein Fünftel der deutschen Beschäftigten möchte nach der Studie von „Pricewaterhouse & Coopers“ unter keinen Umständen den Wohnort aus beruflichen Gründen wechseln. Das Bild der deutschen Arbeitsgesellschaft scheint also von flexiblen und gleichzeitig heimatverbundenen Pendlern geprägt zu sein.

Könnten Sie es sich vorstellen, einen weiten Weg zur Arbeit auf sich zu nehmen oder wegen der Arbeit umzuziehen – vielleicht gar in ein anderes Land? Wir freuen uns auf Ihre Meinung im Life-Go-Forum!



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