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Vorbei sind die Zeiten, in denen Videospieler als blasshäutige Einzelgänger galten. Dank „Nintendos“ Spielkonsole „Wii“ und Musikspielen à la „Guitar Hero“ verbringen immer mehr Menschen ihre Freizeit in den virtuellen Welten. Das Vorurteil, digitale Spiele seien nicht gesellschaftstauglich, schwindet langsam, aber sicher. Dafür steigt die Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit. Das Medium hat sich zu einem Massenphänomen entwickelt, dass Jung und Alt gleichermaßen zu begeistern weiß.
Auch wirtschaftlich ist der Spielebranche der Sprung aus der Nische geglückt. Während althergebrachte Wettbewerber aus der Unterhaltungsindustrie von einer Krise in die nächste stolpern, verzeichnet der Wirtschaftszweig ein stetiges Wachstum. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens „media control GfK“ stiegen die Umsätze im Jahr 2008 um 25,5 Prozent auf 695 Millionen Euro. Die Wirtschaftsprüfgesellschaft „PricewaterhouseCoopers“ prognostiziert für 2009 sogar ein Vorbeiziehen an der Musikindustrie. Auch Hollywoodfilme spielen inzwischen weniger Geld in die Kassen, als es bei Videospielen der Fall ist.
Ausschlaggebend für den Boom ist ein grundlegender Wandel des Geschäftskonzepts. Längst geben sich die Hersteller nicht mehr mit Spielen für eine kleine Zielgruppe zufrieden. Die großen Erfolge verdankt die Branche unter anderem den so genannten „casual games“, die Gelegenheitsspieler ansprechen sollen und eher im Bereich der Party- und Familienunterhaltung anzusiedeln sind. Durch Werbung finanzierte Gratisspiele im Internet erwirtschaften mittlerweile ebenfalls Millionenbeträge und zählen zu den am schnellsten wachsenden Segmenten auf dem Markt.
Aus der wirtschaftlichen Situation ergeben sich gleichzeitig aber auch neue Möglichkeiten der multimedialen Vermarktung. Die Begeisterung für Computerspiele sorgt dafür, dass die Medien und die damit verbundenen Geschäfte weiter zusammenwachsen. So profitiert die Musikindustrie von der großen Beliebtheit von Musik- und Karaokespielen. Nach Angaben des weltweiten Marktführers „Universal“ führen neue Lieder in populären Spielen wie „Singstar“, „Guitar Hero“ und „Rockband“ zu wesentlich höheren Verkaufszahlen.
An der Filmindustrie ist der Trend ebenfalls nicht spurlos vorübergegangen. Besonders im Bereich der Spezialeffekte greifen die großen Produktionsfirmen vermehrt auf die Technik aus Computerspielen zurück. Die Grafiken in Spielen und Animationsfilmen ähneln sich zunehmend. Auch das „Spiel zum Film“ gilt als lukrative Einnahmequelle und wichtiger Bestandteil eines Vermarktungskonzepts.
„In der Zukunft werden unsere Produkte ein Spiel, ein Film, eine Fernsehserie oder ein Internetprogramm sein“, erklärt Yves Guillemot, Chef des französischen Spielekonzerns „Ubisoft“. Derartigen Prognosen zufolge, ist ein weiteres Zusammenwachsen des Marktes sehr wahrscheinlich. Welches Medium dann die Führungsposition innerhalb der Unterhaltungsindustrie einnehmen wird, ist bisher offen. Die Spielebranche befindet sich jedenfalls auf einem guten Weg.
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