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Und raus bist du - Schlechtes Zeugnis für türkische Migranten


19.02.2009 (A. Zeuschner) Kategorie: Politik

Bild: www.sxc.hu

Zu Beginn des Jahres 2009 wurde vom Berlin-Institut die Studie „Ungenutzte Potentiale – Zur Lage der Integration in Deutschland“ vorgestellt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung fanden große Resonanz und lösten eine tiefgreifende Debatte über das Thema Integration aus. Demnach haben besonders türkische Einwanderer und ihre Familien große Schwierigkeiten damit, sich in Deutschland zu integrieren. Das kann zu einem großen Problem führen. Da die Bundesrepublik aufgrund der demografischen Entwicklung in eine ungewisse Zukunft steuert und daher auf die Migranten angewiesen sein wird, muss sich hier etwas tun.

Das Berlin-Institut untersuchte zum ersten Mal auch die jeweilige Herkunft für ihren Integrationsindex. Grundlage für die Untersuchung bilden die erhobenen Daten der Stichprobenvolkszählung aus dem Jahr 2005, bei der etwa 400.000 Haushalte an einer Befragung teilnehmen mussten, um dem Staat einen Überblick über die gegenwärtige soziale und wirtschaftliche Lage zu geben. Faktoren, die hierbei untersucht wurden, waren neben dem Bildungsstand auch die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die Abhängigkeit von Sozialleistungen und die Annäherung an die deutsche Bevölkerung – zum Beispiel durch Heirat.

Das Ergebnis der Integrationsstudie war erschreckend. Migranten aus der Türkei, die nach den Aussiedlern die zweitgrößte Zuwanderergruppe in Deutschland bilden, sind am schlechtesten integriert. Viele fühlen sich nicht wirklich heimisch. Ein Großteil rutscht in einen Strudel aus Arbeitslosigkeit, Gewalt und Kriminalität ab. Besonders die eigene Religion und Kultur spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Jeder dritte Einwanderer mit türkischem Hintergrund hat nie einen Schulabschluss erreicht. Gerade einmal 14 Prozent schaffen ihr Abitur.

Der Schlüssel zur Integration ist die deutsche Sprache. Teilweise verstehen bis zu 80 Prozent der Kinder in multikulturellen Grundschulen kein Deutsch. Das liegt häufig daran, dass auch die Eltern nur schlecht beziehungsweise gar kein Deutsch sprechen. Nur wer überhaupt Sprachkenntnisse hat, kann jedoch verstehen und lernen. Die Pisa-Untersuchungen haben bereits vor Jahren ergeben, dass die deutsche Sprache den Weg in die Integration ebnen kann.

Ein weiterer einflussreicher Faktor ist die Religiosität der türkischen Migranten. Die streng islamistisch-konservativen Ansichten verhindern vielfach eine Eingliederung in die deutsche Gesellschaft. Daher entsteht in zunehmendem Maße eine Parallelgesellschaft. Türken richten sich eigene „Ghettos“ ein, in denen sich ihr gesamtes Leben abspielt. Das verhindert natürlich jegliche Kontakte zu Deutschen. Viele muslimische Frauen und Mädchen bekommen zudem nie eine Chance sich jemals in die deutsche Gesellschaft zu integrieren, weil sie von ihren Familien vor der Außenwelt und deren Einflüssen versteckt werden. Eine Studie des „Essener Zentrums für Türkeistudien“ ergab, dass im Jahr 2006 etwa 83 Prozent religiös oder streng religiös lebten.

Die aktuelle Integrationsstudie löst nun auch eine politische Debatte aus. Nach ersten gegenseitigen Schuldzuweisungen beginnt jetzt eine Phase, in der über erste Konsequenzen beraten wird. Besonders das Schulsystem steht hierbei im Zentrum der Diskussionen. Während die Grünen eine grundsätzliche Reform fordern, hierzu jedoch noch keine genaueren Ausführungen machen, plädiert die FDP für eine Verbesserung von Integrationskursen. CDU-Bundesminister Wolfgang Schäuble sieht das alles nicht so problematisch. Er ist sich sicher, dass eine von der CDU geführte Regierung das Problem in vier Jahren lösen wird. Wichtig sei hierbei nur eine Bereitschaft zur Integration. Nur wer den Willen zur Eingliederung zeigt, könne nach seiner Ansicht auch unterstützt werden.



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